# Siemens-Chef fordert Reformen für Deutschland Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-11-05T06:22:10+01:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-11-05T06:22:14+01:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/siemens-chef-fordert-reformen-fuer-deutschland-774520/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Siemens-Vorstandschef Roland Busch kritisiert die langsamen politischen Entscheidungsprozesse in Deutschland und Europa. Er fordert strukturelle Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken – insbesondere für kleinere Unternehmen. Internationale Beispiele wie Japan und Korea zeigen laut Busch, wie klare Strategien Investitionen mobilisieren können. ## Kritik an politischen Rahmenbedingungen Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens und Leiter des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, fordert von Deutschland und Europa schnellere Entscheidungen und bessere staatliche Rahmenbedingungen. "Wir müssen schneller werden", sagte er dem Newsletter "Weltwirtschaft" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ohne Reformen funktioniere die Industrie nicht, selbst wenn sie sich noch so sehr anstrenge. Besonders kleine Unternehmen ohne globale Präsenz seien auf Strukturreformen angewiesen. Busch verlangt einen reformierten Arbeitsmarkt, bezahlbare Energie und weniger Regulierung. Fehlten diese Grundlagen, drohten Wettbewerbsnachteile – trotz aller Bemühungen der Wirtschaft. ### Internationale Vorbilder und deutsche Defizite Als positives Beispiel nennt Busch Japan, das mit 17 Technologiefeldern und 62 Unterpunkten eine klare Strategie verfolge. Jeder Punkt benenne konkrete Maßnahmen, um private und staatliche Investitionen zu mobilisieren. Auch der Arbeitsmarkt solle reformiert werden. Auf die Frage, ob Deutschland ähnlich vorgehen solle, antwortete Busch knapp: "Nein.", verwies aber auf die Notwendigkeit eigener Lösungen. Das japanische Wirtschaftsministerium Meti habe gemeinsam mit Unternehmen Erfolge bei der Beschaffung kritischer Rohstoffe erzielt. Solche Kooperationen wünsche sich Busch auch für Deutschland. Allerdings betonte er: "Wenn alles gleich wichtig ist, hat man keine Strategie". Ohne klare Priorisierung sei Industriepolitik kaum umsetzbar. ### Kooperation statt Konkurrenz Busch plädiert für mehr Zusammenarbeit mit Wettbewerbern aus Japan und Korea. Die Industrien dieser Länder überschnitten sich stark mit der deutschen, doch bisher dominierte Konkurrenzdenken. Angesichts der geopolitischen Lage und der Innovationsgeschwindigkeit Chinas sei ein Umdenken erforderlich. Er schlug vor, dort zu kooperieren, wo es sinnvoll und rechtlich möglich sei – etwa bei gemeinsamen Plattformen oder der Entwicklung von Spezialchips. In Deutschland werde die Frage nach Wettbewerb dagegen oft "schwarz-weiß" betrachtet: Entweder man konkurriere oder nicht. Eine differenziertere Herangehensweise sei nötig, um international Schritt zu halten. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück