# „Schule ohne Rassismus“ ist an der BBS Brinkstraße nicht nur ein Schild an der Tür Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-30T12:31:08+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-30T12:31:08+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/schule-ohne-rassismus-ist-an-der-bbs-brinkstrasse-nicht-nur-ein-schild-an-der-tuer-761546/ Kategorie: Aktuell --- Vom 14. bis 25. September haben sich die Schülerinnen und Schüler der BBS Brinkstraße einmal nicht mit dem klassischen technikorientierten Schulstoff beschäftigt. Stattdessen standen bei den Projektwochen „Schule ohne Rassismus“ Themen wie Diskriminierung, Sexismus und Rassismus im Mittelpunkt. Das Ziel des Organisationsteams: „Schule ohne Rassismus“ soll nicht nur ein Schild an der Tür sein, sondern im Schulalltag vermittelt und gelebt werden. ## „Schule ohne Rassismus“ an der BBS Brinkstraße In Osnabrück gehören zahlreiche Schulen zum [Netzwerk „Schule ohne Rassismus“](https://www.schule-ohne-rassismus.org/), das seit 1995 bundesweit wächst und sich für eine demokratische Schulkultur starkmacht. Das Netzwerk beschäftigt sich mit verschiedenen Formen von Diskriminierung und Ideologien der Ungleichheit. Dazu gehören unter anderem Benachteiligungen aufgrund von Religion, sozialer Herkunft, Geschlecht, körperlichen Merkmalen, politischer Weltanschauung oder sexueller Orientierung. Die Projektwochen an der BBS Brinkstraße folgen diesem Ansatz. Auch wenn das Jahresthema Sexismus besonders in den Vordergrund stellt, haben die Projektwochen bewusst keinen einzelnen Schwerpunkt. ### Projektwochen erreichen 1.200 Schülerinnen und Schüler Andrea Bosse ist Lehrerin an der BBS Brinkstraße und Teil des Organisationsteams „Schule ohne Rassismus“, das auch die Projektwochen initiiert und umgesetzt hat. „Die Projektwochen waren ein Herzensprojekt, in das viel Arbeit und Zeit geflossen ist. Dass wir so viele Schülerinnen und Schüler erreichen können, ist großartig und nur mit Spenden möglich“, sagt sie im Gespräch mit der HASEPOST. Die BBS Brinkstraße hat einen technischen Schwerpunkt. Im regulären Unterricht sei daher nur begrenzt Platz für gesellschaftliche Themen. Gerade deshalb seien die Projektwochen besonders wichtig, erklärt Bosse. Rund 1.200 Schülerinnen und Schüler aus 80 Klassen nahmen innerhalb der zwei Wochen an insgesamt 16 verschiedenen Angeboten teil. Dabei ging es unter anderem um Rassismus, Sexismus, Religion und Demokratiebildung. Die Angebote wurden gemeinsam mit verschiedenen externen Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen durchgeführt. ### Kooperationen mit Osnabrücker Vereinen und Personen Beteiligt waren unter anderem SCHLAU e. V., die Gedenkstätte Augustaschacht, das Museumsquartier mit der Villa, die Diakonie sowie die Initiativen Heroes und Respekt!. Zudem fanden interaktive Vorträge mit jüdischen und muslimischen Referentinnen und Referenten statt. [Gabriele Exner](https://www.gabriela-exner.com/) widmete sich in ihrem Angebot dem Thema Rassismus – unter dem klaren Motto „Verbinden statt trennen“. ### Patrick van Lier über Männlichkeitsbilder und Sexismus Einer der Gäste war [Patrick van Lier](https://patrickvanlier.de/). Der Bad Iburger kommt aus der Region, erreicht mit seinen rund [93.300 Instagram-Followern](https://www.instagram.com/patrick_vanlier/) aber Menschen aus ganz Deutschland. Insgesamt fünfmal hielt er während der Projektwochen an der BBS Brinkstraße einen Workshop zu Männlichkeitsbildern und Sexismus. Eine Besonderheit an der BBS Brinkstraße: Die Gruppen bestanden zum größten Teil aus jungen Männern. An der technisch geprägten Schule ist der Männeranteil überdurchschnittlich hoch. ### Kein Workshop gleicht dem anderen Seit gut anderthalb Jahren beschäftigt sich van Lier als Autor, Speaker und Content-Creator öffentlich mit den Themen Männlichkeit, Sexismus und patriarchale Strukturen und gibt Workshops in Schulen und Unternehmen. „Kein Workshop gleicht dem anderen, denn die Teilnehmenden geben immer unterschiedlichen Input und setzen andere Schwerpunkte“, erzählt er im Gespräch mit der HASEPOST. Das zeigte sich auch an der BBS Brinkstraße: Obwohl van Lier in allen fünf Workshops mit demselben Skript arbeitete, entwickelten sich die Gespräche unterschiedlich. ### Männliche Perspektive auf Sexismus fehlt häufig Sein Ziel bei Schulworkshops: Begriffe erklären, ein Verständnis für patriarchale Strukturen schaffen und die Schülerinnen und Schüler ein bisschen schlauer entlassen, als sie den Workshop begonnen haben. Im Mittelpunkt steht dabei immer auch ein Thema: Haltung zeigen. „Wenn die Teilnehmenden hinterher eine Sache mitnehmen und im Alltag umsetzen, dann habe ich viel erreicht“, sagt van Lier. Sein Ansatz ist bewusst gewählt: Als Mann spricht er offen über patriarchale Strukturen und Sexismus. „Häufig ist das Thema in der Literatur und öffentlich von Frauen besetzt und viele Männer trauen sich vielleicht auch nicht, etwas dazu zu sagen, weil es ein ‚Frauenthema‘ ist. Doch genau hier ist der Fehler, es müssen auch Männer darüber sprechen, damit Männer angesprochen werden“, sagt van Lier. Auch Bosse sieht darin einen Vorteil: „Für unsere vorwiegend männliche Schülerschaft ist es sicherlich hilfreich, mit einem Mann einen Workshop zum Thema Sexismus zu machen. Deshalb wollten wir Patrick van Lier auch in unserem Angebot haben und haben uns über die Kooperation sehr gefreut.“ ### Erste Projektwochen, aber nicht die letzten Seit 2022 ist die BBS Brinkstraße Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus“. Die Initiative dazu sei damals von der Schülervertretung ausgegangen, erinnert sich Bosse. Auch zahlreiche Lehrkräfte hätten sich anschließend intensiv für das Thema eingesetzt. Mittlerweile bekomme das Engagement viel positives Feedback aus der Schülerschaft. Auch künftig sollen gesellschaftliche Themen im Schulalltag der BBS Brinkstraße sichtbar bleiben und entsprechende Angebote weitergeführt werden. „Neue Schülerinnen und Schüler sind positiv überrascht, dass bei der BBS Brinkstraße ‚Schule ohne Rassismus‘ nicht nur ein Schild an der Tür ist, sondern im Schulalltag tatsächlich gelebt wird“, sagt Bosse. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück