# Schneider pocht auf strengen EU-Emissionshandel und Elektrifizierungsplan Datum: 23.07.2026 16:24 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/schneider-pocht-auf-strengen-eu-emissionshandel-und-elektrifizierungsplan-735219/ --- Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat angesichts der laufenden Verhandlungen über die Reform des EU-Emissionshandels vor den EU-Umweltministern in Dublin für Verlässlichkeit in der Klimapolitik geworben. Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Veränderungen würden der Industrie und der Energiewirtschaft deutlich höhere Treibhausgasemissionen bis 2040 ermöglichen, gleichzeitig aber mit einem Elektrifizierungsplan flankiert. ## Schneider wirbt für verlässlichen Rahmen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte die zentrale Rolle des europäischen Handelssystems für Emissionszertifikate. „Der Europäische Emissionshandel bleibt dabei das Herzstück unserer Klimapolitik“, sagte der SPD-Politiker anlässlich des Treffens EU-Umweltminister in Dublin, wie die dts Nachrichtenagentur berichtet. „Er gibt einen verlässlichen Rahmen für Investitionen, muss aber zugleich der unterschiedlichen Lage der Branchen Rechnung tragen. Unternehmen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben, dürfen nicht benachteiligt werden.“ Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke müssten aus Sicht von Schneider zusammen gedacht werden. „Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit seien keine Gegensätze“, so Schneider nach Angaben der dts Nachrichtenagentur. „Eine erfolgreiche Dekarbonisierung stärkt Europas industrielle Zukunft.“ ### Pläne der EU-Kommission für den Emissionshandel Die EU-Kommission plant eine Reform des Emissionshandels, die für Industrie und Energiewirtschaft deutlich höhere Treibhausgasemissionen vorsieht. Laut dts Nachrichtenagentur dürfte der CO2-Ausstoß der betroffenen Sektoren bis 2040 rund 30 Prozent höher ausfallen, als es bei einer Fortführung des aktuellen CO2-Einsparpfades der Fall gewesen wäre. Im Europäischen Emissionshandelssystem für die Sektoren Industrie und Energie (ETS-1) müssen Unternehmen pro Tonne CO2-Äquivalente, die etwa beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas entstehen, Zertifikate erwerben. Die Gesamtmenge dieser Zertifikate sinkt jährlich, wodurch sich für Industrie und Energiewirtschaft eine feste Obergrenze für CO2-Emissionen ergibt. Die EU-Kommission will diese jährliche Zertifikatemenge künftig jedoch deutlich langsamer verringern. Derzeit liegt die Reduktionsrate bei 4,3 Prozent, 2028 soll sie auf 4,4 Prozent steigen. Nach dem neuen Vorschlag soll sich die Reduktion 2031 auf 3,7 Prozent verlangsamen und 2036 auf 1,7 Prozent fallen. Zusätzlich greift die bisherige Praxis, Unternehmen auch kostenlose CO2-Zertifikate zuzuteilen. Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“, mit dem die EU von einem Pfad von über vier Grad Erderhitzung auf einen Pfad umsteuerte, durch den der Klimawandel auf etwas über zwei Grad Celsius begrenzt werden könnte, wurde diese kostenlose Zuteilung teilweise abgeschafft. Der neue Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, die kostenlose Vergabe von Zertifikaten an Unternehmen über das Jahr 2030 hinaus fortzusetzen. Voraussetzung für diese kostenlose Zuteilung ist laut dts Nachrichtenagentur, dass das Geld in Dekarbonisierung reinvestiert wird. ### Elektrifizierungsplan und Klimafolgen im Fokus Ergänzt werden soll die Reform des Emissionshandels durch eine Reduktion fossiler Emissionen, einen Aktionsplan zur Elektrifizierung und ein Gesetz für „zukunftssichere Stromrechnungen“. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040 vor. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Steuern auf Strom künftig niedriger sein als die Steuern auf Gas. Zugleich sollen Netzentgelte effizienter gestaltet werden, um das Energiesystem zu optimieren, und der Einsatz von intelligenten Stromzählern, sogenannten Smart Metern, deutlich erhöht werden. Schneider begrüßte den Vorstoß der EU-Kommission ausdrücklich. „Für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige europäische Wirtschaft ist die weitere Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie ein entscheidender Hebel“, erklärte der Umweltminister laut dts Nachrichtenagentur. „Der europäische Electrification Action Plan kann dafür eine gute Grundlage schaffen: Er muss den Ausbau der Stromnetze, ausreichend erneuerbaren und bezahlbaren Strom sowie Investitionen in elektrische Technologien zusammenbringen.“ Zugleich verwies der SPD-Politiker auf die unmittelbaren Folgen der Erderwärmung. „Die Hitzewellen dieses Sommers zeigen uns, worum es beim Klimaschutz im Kern geht: Menschen zu schützen“, sagte er nach Angaben der dts Nachrichtenagentur. „Wenn sich Städte über Tage aufheizen und selbst die Nächte kaum Abkühlung bringen, ist das für ältere Menschen, Kinder, Kranke und Beschäftigte eine ernste Belastung. Deshalb ist es wichtig und dringlich, dass wir in Europa gemeinsam über wirksamen Klimaschutz und eine bessere Vorsorge gegen die Folgen der Erderwärmung beraten. Wir müssen unsere Städte, unsere Infrastruktur und unsere Natur widerstandsfähiger machen und zugleich die Emissionen weiter konsequent senken.“ --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück