Die frühere Grünenchefin Ricarda Lang berichtet von eigenen Erfahrungen mit digitaler sexualisierter Gewalt und einem Deepfake-Porno, in dem sie vermeintlich zu sehen ist. Vor dem Hintergrund der Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen Christian Ulmen fordert sie umfassendere rechtliche Schritte gegen sexualisierte Deepfakes und strengere Regeln für Digitalplattformen.
Lang schildert persönliche Betroffenheit
Die frühere Grünenchefin Ricarda Lang hat nach eigenen Angaben digitale sexualisierte Gewalt erlebt. Dem „Spiegel“ sagte sie: „Ich weiß auch von mindestens einem Deepfake-Porno, in dem es so aussieht, als zeigten die Aufnahmen mich.“ Digitale Gewalt habe sie nach ihren Worten von Beginn ihrer politischen Karriere an begleitet. Ein solcher Deepfake-Porno fühle sich für sie „schlimmer an als jede Beleidigung. Dreidimensionaler, persönlicher. Obwohl ich weiß, dass es ein Fake ist, dass das nicht ich bin.“
Forderungen nach schärferen Regeln
Lang hatte im Zuge der Vorwürfe, die die Schauspielerin Collien Fernandes gegen Christian Ulmen erhebt, zehn Forderungen zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt formuliert. Zu diesen Forderungen gehören die Strafbarkeit von sexualisierten Deepfakes und ein strikteres Vorgehen gegen Digitalplattformen, auf denen solche Bilder und Videos erstellt oder verbreitet werden. „Es geht hier um eine Grundsatzfrage: Wer ist mächtiger, unsere Demokratie oder US-amerikanische Tech-Oligarchen?“, sagte Lang dem „Spiegel“.
„Es kostet Kraft, das Thema zu verdrängen“
Der Entschluss, sich öffentlich zu exponieren, sei bei Lang nach ihren Worten durch die Wucht der Debatte gereift. „Es gab die innere Stimme, die sagte: ›Lass es, du willst doch für deine Fachthemen wahrgenommen werden‹“, sagte sie dem „Spiegel“. Dennoch fühle sie eine Verantwortung als Politikerin, aus einem so prominenten Fall eine politische Debatte zu machen. Ihr sei außerdem „aufgefallen, dass es viel Kraft kostet, das Thema zu verdrängen. Es kostet Kraft, ein politisches Klima zu erdulden, in dem nur die Karriere machen können, die Hornhaut auf der Seele haben.“
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