# Rheinmetall sagt Osnabrück ab – Aktivisten demonstrieren weiter gegen mögliche VW-Zukunft Datum: 12.03.2026 19:06 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/rheinmetall-sagt-osnabrueck-ab-aktivisten-demonstrieren-gegen-vw-zukunft-690831/ --- Am Donnerstagnachmittag prangte ein großes gelbes Banner am Heger Tor, gestaltet wie ein Ortseingangsschild von Osnabrück. Darauf forderten Aktivisten – ohne sich vor Ort als konkrete Gruppierung zu erkennen zu geben – einen Kurswechsel für die Zukunft des VW-Standorts in der Stadt. Die Aktion erinnert an eine „Klebeaktion“ vom Wochenende, bei der Ortseingangsschilder mit einem Fragezeichen hinter dem Wort „Friedensstadt“ geklebt hatten. Hinter der Aktion stehen womöglichAktivisten der Umwelt- und Waldschutzorganisation Robin Wood. Die Gruppe hatte bereits am Vortag eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie vor einer engeren Verflechtung von Auto- und Rüstungsindustrie warnte. „Der Niedergang der Autoindustrie und der Boom der Rüstungsindustrie gehen Hand in Hand“, erklärte darin Robin-Wood-Mobilitätsreferentin Annika Fuchs. Es sei „brandgefährlich, zivile und militärische Wirtschaftszweige zu verflechten und die Wirtschaft immer stärker auf Krieg auszurichten“. ## 2.300 Arbeitsplätze stehen bei VW in Osnabrück auf dem Spiel Im Mittelpunkt der Kritik steht der Volkswagen-Standort in Osnabrück, an dem rund 2.300 Menschen arbeiten. Nach Angaben des Konzerns soll im Laufe des Jahres 2026 entschieden werden, wie es mit dem Werk langfristig weitergeht. Seit Monaten wird darüber spekuliert, ob Teile der Produktion künftig auch für militärische Zwecke genutzt werden könnten. Hintergrund sind unter anderem Gespräche des VW-Konzerns mit Unternehmen aus der Rüstungsindustrie, insbesondere Rheinmetall wurde Interesse am ehemaligen Karmann-Werk nachgesagt. ### Rheinmetall verabschiedet sich von Osnabrück-Plänen Dabei hatte zuletzt insbesondere der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall als möglicher Interessent für das Werk gegolten. Konzernchef Armin Papperger hatte den Standort vor rund einem Jahr besucht und mögliche Kooperationen ausgelotet – was bereits damals Proteste in Osnabrück auslöste. Zu Wochenbeginn wurde jedoch deutlich, dass Rheinmetall seine konkreten Überlegungen für den Standort nicht weiterverfolgt. Hintergrund ist eine Entscheidung der Bundeswehr bei der Beschaffung neuer Transportpanzer: Statt auf Rheinmetall setzte der Bund auf ein Modell des finnischen Herstellers Patria. Damit entfiel für Rheinmetall der Bedarf, zusätzliche Produktionskapazitäten aufzubauen. Das Unternehmen hatte das Werk in Osnabrück vor allem für die mögliche Produktion des Transportpanzers „Fuchs Evolution“ ins Auge gefasst. Mit der Entscheidung der Bundeswehr sind diese Pläne vorerst vom Tisch. ### Volkswagen prüft weiter Optionen für den Standort Bei Volkswagen reagiert man gelassen auf die Entwicklung. „Für uns ändert sich dadurch nichts“, wird eine Sprecherin der VW Osnabrück GmbH von der NOZ zitiert. Man prüfe weiterhin intensiv verschiedene Möglichkeiten für eine langfristige Auslastung des Werkes. Auch für die IG Metall kommt die Rheinmetall-Absage nicht überraschend. Der Osnabrücker IG-Metall-Chef Stephan Soldanski erklärte, derzeit sei zu vieles in Bewegung, um einzelne Entwicklungen öffentlich zu kommentieren. Spekulationen würden weder den Beschäftigten noch dem Standort helfen. Fest steht: Die Zeit drängt. Die Produktion der in Osnabrück gebauten Porsche-Modelle läuft noch in diesem Jahr aus, Mitte 2027 endet auch die Fertigung des VW T-Roc Cabrio. VW-Chef Oliver Blume kündigte an, bis Ende 2026 über die Zukunft des Werkes entscheiden zu wollen. Der Standort Osnabrück ist das kleinste Werk im Volkswagen-Konzern. Er ging 2009 nach der Insolvenz des traditionsreichen Karosseriebauers Karmann an VW über. ### Konversion als möglicher Ausweg für ein VW-Ende? Trotz der Rheinmetall-Absage bleibt die Frage offen, ob die boomende Rüstungsindustrie künftig eine Rolle für das Werk spielen könnte. So hatte Volkswagen zuletzt bestätigt, dass es Gespräche mit Rüstungsunternehmen gebe. Zudem wurde auf einer Fachmesse ein militärisch nutzbarer Amarok-Prototyp präsentiert, der von Mitarbeitern aus Osnabrück entwickelt wurde – möglicherweise die letzte Chance, die industrielle Zukunft des Werkes in Osnabrück zu sichern. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück