Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verwendet den Begriff der „Kriegstüchtigkeit“ aufgrund seiner öffentlichen Wirkung inzwischen deutlich seltener. An seiner inhaltlichen Überzeugung, dass Deutschland und die Bundeswehr für eine mögliche Bedrohungslage gewappnet sein müssten, hält er nach eigenen Angaben jedoch fest.
Pistorius: Debatte war wichtig, Begriff verschreckte aber einige
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sieht seine frühere Forderung nach mehr Kriegstüchtigkeit im Rückblick ambivalent. „Viele sagen mir heute, dass sie die Debatte damals wichtig fanden und dass sie gesellschaftlich viel bewegt hat“, sagte Pistorius dem „Spiegel“. Zugleich habe er eine gegenteilige Wirkung erlebt: „Ich habe aber auch wahrgenommen, dass das Wort einige verschreckt hat“, so Pistorius. Daraus ziehe er sprachliche Konsequenzen: Folglich benutze er das Wort „seltener“, an seiner Überzeugung aber ändere das nichts.
Debatte um „martialischen Begriff“
Pistorius hatte im Herbst 2023 erstmals gefordert, Deutschland und die Bundeswehr müssten wieder „kriegstüchtig“ werden, um mögliche Gegner wie Russland abzuschrecken. „Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte“, sagte Pistorius damals. In den Wochen danach hatte es teils heftige Kritik an dem martialischen Begriff gegeben.
Interne Weisungen und Dementi
Lange verteidigte Pistorius den Begriff unter Verweis darauf, dass in Deutschland ein Bewusstsein für die neue Bedrohungslage nötig sei. 2025 kursierten im Verteidigungsministerium interne Weisungen, den Begriff nicht mehr in offiziellen Dokumenten zu verwenden; statt Kriegstüchtigkeit solle der Begriff Verteidigungsfähigkeit verwendet werden. Nachdem mehrere Medien aus dem Papier zitiert hatten, dementierte das Ministerium, dass es eine derartige Weisung gebe.
