# Osnabrücks Partnerstadt Angers prüft Demonstrationsverbote Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-19T15:33:02+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-19T15:33:02+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/osnabruecks-partnerstadt-angers-prueft-demonstrationsverbote-768227/ Kategorie: Aktuell --- Nach den schweren Ausschreitungen vom Wochenende zieht Osnabrücks französische Partnerstadt Angers Konsequenzen. Bürgermeister Christophe Béchu kündigte am Montag (19. Oktober) Gespräche mit dem Präfekten über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an. Dabei stehen auch Einschränkungen öffentlicher Versammlungen und möglicherweise Ausgangssperren zur Diskussion. Eine entsprechende Anordnung wurde bislang nicht bekannt. Rund 1.000 Menschen versammelten sich am Montagmittag vor dem Rathaus von Angers, um gegen die Gewalt vom Samstag zu demonstrieren. Die Kundgebung war von Bürgermeister Christophe Béchu und dem Stadtrat organisiert worden. Sie sollte insbesondere den Geschäftsleuten Solidarität zeigen, deren Läden bei den Ausschreitungen beschädigt oder geplündert worden waren. Angers ist seit 1964 Partnerstadt von Osnabrück. Die französische Stadt mit rund 160.000 Einwohnern war am Samstag einer der Schauplätze schwerer Ausschreitungen, die zahlreiche Städte Frankreichs erfassten. ## Bürgermeister räumt Mängel bei Sicherheitsvorbereitung ein Bei seiner Ansprache vor dem Rathaus machte Béchu deutlich, dass es bei der Vorbereitung auf die Ausschreitungen offenbar erhebliche Probleme gegeben habe. Nach einem Bericht des Nachrichtenportals Angers Info sieht der Bürgermeister insbesondere bei der vorherigen Informationsbeschaffung Defizite. Obwohl rund 10.000 Menschen zu der Demonstration erwartet beziehungsweise mobilisiert worden waren, konnten gewalttätige Gruppen am Samstag in der Innenstadt erhebliche Schäden anrichten. Mehr als 500 Personen sollen nach Behördenangaben an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein. Geschäfte wurden geplündert, öffentliche Gebäude angegriffen und Teile des Stadtmobiliars zerstört. Wie die HASEPOST bereits [über die schweren Ausschreitungen und die anschließende Polizeibilanz berichtete](https://hasepost.de/schwere-ausschreitungen-in-frankreich-rathaus-in-osnabruecks-partnerstadt-angers-angegriffen-767751/), wurden mehrere Polizisten verletzt und zahlreiche Personen festgenommen. ### Auch Demonstrationsverbote und Ausgangssperren werden diskutiert Béchu kündigte an, gemeinsam mit dem Präfekten des Départements Maine-et-Loire die Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Dabei soll es unter anderem darum gehen, gefährdete öffentliche Gebäude künftig besser zu schützen. Auch das vorsorgliche Entfernen von Gegenständen aus dem öffentlichen Raum, die bei Ausschreitungen als Wurfgeschosse oder zum Bau von Barrikaden verwendet werden könnten, gehört zu den Überlegungen. Darüber hinaus stehen nach dem Bericht von Angers Info auch weitergehende Maßnahmen wie örtlich begrenzte Demonstrationsverbote oder Ausgangssperren zur Diskussion. Ob und in welchem Umfang solche Beschränkungen tatsächlich verhängt werden, ist noch offen. Demonstrationsverbote unterliegen in Frankreich rechtlichen Voraussetzungen und können gerichtlich überprüft werden. ### Kritik an Macrons Reaktion auf die Gewalt Der Bürgermeister äußerte sich zugleich kritisch über die Reaktion von Staatspräsident Emmanuel Macron. Dessen Fernsehansprache vom Sonntagabend sei angesichts der schweren Ausschreitungen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, machte Béchu nach Angaben des lokalen Nachrichtenportals deutlich. Macron hatte ein entschlosseneres Vorgehen gegen gewalttätige Gruppen angekündigt und zugleich betont, dass friedliche Demonstranten nicht mit Randalierern gleichgesetzt werden dürften. Die französische Regierung beschäftigt sich inzwischen ebenfalls mit weitergehenden Sicherheitsmaßnahmen. Premierminister Sébastien Lecornu forderte am Montag nach einer ressortübergreifenden Krisensitzung die Präfekten auf, örtlich begrenzte Ausgangssperren zu prüfen beziehungsweise anzuordnen, wo dies angesichts der Sicherheitslage erforderlich sei. ### Stadt und Bürger demonstrieren gegen Gewalt Der Aufruf zur Kundgebung am Montagmittag war auch eine Reaktion auf die Beschädigung des Rathauses selbst. Bei den Ausschreitungen am Samstag war dessen Eingangsbereich angegriffen worden. Nach Angaben der Stadtverwaltung beteiligten sich zahlreiche Bürger an der Versammlung. Béchu und die Kommunalpolitiker verurteilten die Gewalt und bekundeten ihre Unterstützung für die betroffenen Einzelhändler. In der Innenstadt liefen unterdessen die Aufräumarbeiten nach den Plünderungen und Sachbeschädigungen weiter. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück