# Osnabrück kauft die Bremer Brücke – wirkliche Kosten und Risiken bleiben geheim Datum: 18.03.2026 15:15 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/osnabrueck-kauft-die-bremer-bruecke-wirkliche-kosten-und-risiken-bleiben-geheim-692725/ --- Der Rat der Stadt Osnabrück hat am Dienstagabend beschlossen, das Stadion an der Bremer Brücke vollständig und sofort zu übernehmen. Doch während der formale Beschluss öffentlich fiel, bleiben zentrale Fragen zu Kosten, Risiken und Gegenleistungen für den VfL im Verborgenen. Der Beschluss fiel mit deutlicher Mehrheit: Die Mehrheitsgruppe aus Grünen/Volt und SPD sowie die CDU stimmten für den sofortigen Erwerb aller Anteile an der Stadionbetriebsgesellschaft. Gegenstimmen kamen von der FDP/UWG, dem AfD-Vertreter sowie einer Vertreterin der Linken, zwei Ratsmitglieder der Grünen enthielten sich. Eine größere Debatte, die man angesichts leerer Kassen, geschätzter Kosten von 67 Millionen Euro und erheblicher Risiken hätte erwarten können, blieb aus. Rechnet man die städtischen Bürgschaften für die Kreditaufnahme hinzu, wird die Maßnahme – die nach dem geplanten Abriss von drei der vier Tribünen eher einem Neubau gleicht – den Schuldenstand der Stadt Osnabrück um rund 10 % erhöhen. ## Übernahme der Bremer Brücke im Eilverfahren – und ohne öffentliche Diskussion Im Ratssaal herrschte zu diesem Tagesordnungspunkt weitgehend Schweigen. Mit Ausnahme von Dr. Thomas Thiele (FDP) meldete sich kein Ratsmitglied zu Wort. Die Gründe dürften klar sein: Hinter verschlossenen Türen wurde zwischen den Fraktionen und im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss längst ausgehandelt, dass es öffentlich nichts mehr zu diskutieren gibt. Tatsächlich gab es am Dienstagabend – kurioserweise erst nach der Beschlussfassung – offenbar noch einen eigenen Tagesordnungspunkt zu tatsächlichen Kosten und Risiken. Allerdings im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hat. ### Interessen des VfL wiegen schwerer als die der Osnabrücker Bürger Die FDP/UWG-Gruppe hatte zu Beginn der Sitzung noch versucht, die Tagesordnung so zu ändern, dass die finanziellen und vertraglichen Details vor der Entscheidung öffentlich behandelt werden. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter lehnte dies ab – mit Verweis auf schützenswerte Interessen des VfL Osnabrück. Damit wurden die Interessen eines Vereins mit rund 9.000 Mitgliedern höher gewichtet als die Informationsinteressen von rund 170.000 Bürgerinnen und Bürgern, die dieses Projekt finanzieren. Schuldenstand der Stadt Osnabrück aktuell: Lade... = +220,71 € / Min i Mehr Infos zur Osnabrücker Schuldenuhr ### Ein scheinbar günstiger Deal – zu welchem Preis? Formal wirkt die beschlossene Lösung zunächst wie ein Vorteil für die Stadt: Statt des ursprünglichen Fahrplans der Stadion-Übernahme mit einer vorgesehenen Kapitalerhöhung von 490.000 Euro zahlt die Stadt nun lediglich den Nominalwert der Anteile – insgesamt 60.000 Euro zuzüglich rund 45.000 Euro Grunderwerbssteuer. Die Übernahme erfolgt in einem Schritt, wirtschaftlich rückwirkend zum 1. Juli 2026. Doch dieser vermeintliche Vorteil hat eine Kehrseite. Im Gegenzug erhält der VfL umfangreiche Nutzungs- und Mitspracherechte am Stadion für die kommenden 15 Jahre. Die Details dazu finden sich in einer Anlage zur Beschlussvorlage – veröffentlicht wurde sie nicht. Ursprünglich war im vergangenen Jahr auch alles anders verhandelt und vom Rat beschlossen. ### Transparenz verweigert: Was kostet der VfL-Vertrag wirklich? Die zentrale Kritik kommt von der FDP/UWG. Ihr Ratsherr Dr. Thomas Thiele war der einzige Redner – und brachte den Kern des Problems auf den Punkt: „Der VfL erhält als Gegenleistung umfangreiche Nutzung- und Gestaltungsrechte für 15 Jahre. Deren finanzieller Wert steht in einer Vorlage, die wir jetzt nicht diskutieren dürfen. Und genau das ist das Problem.“ Thiele kritisierte, dass diese Gegenleistungen – etwa rabattierte Mieten, kostenlose Nutzungen oder Mitgestaltungsrechte – einen klaren wirtschaftlichen Wert haben, dieser jedoch nicht öffentlich beziffert wird. „Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht zu erfahren, was diese Gegenleistung die Stadt wirklich kostet. Nicht versteckt und in nicht öffentlichen Anlagen, sondern transparent.“ ### Offene Fragen: Welche Risiken der Steuerzahler tatsächlich trägt Neben den nicht bezifferten Gegenleistungen sieht die FDP weitere gravierende Unsicherheiten: - Die Baukosten von derzeit 67 Millionen Euro sind lediglich eine Schätzung. - Ein Generalunternehmer steht noch gar nicht fest. - Kostensteigerungen bei Großprojekten sind eher die Regel als die Ausnahme. Thiele verwies auf eigene Erfahrungen: Aus ursprünglich kalkulierten 50 Millionen Euro seien bei einem Projekt der Ärztekammer letztlich über 100 Millionen geworden. Hinzu kommt ein weiterer ungeklärter Punkt: mögliche Altlasten der Stadiongesellschaft. Bereits 2016 hatte die Stadt auf Forderungen in Höhe von 9,5 Millionen Euro verzichtet – verbunden mit einem sogenannten Besserungsschein. Ob daraus jemals Rückzahlungen erfolgt sind und welche Verbindlichkeiten aktuell bestehen, bleibt offen. „Was steht heute in den Büchern der Stadion KG? Hat die Gesellschaft weitere Verbindlichkeiten? Übernimmt die Stadt wirklich diese Werte dann auch? Sehr wahrscheinlich. Davon steht nichts in der Vorlage.“ ### Stadt übernimmt die Kontrolle – und das volle Risiko Mit der Übernahme geht auch die vollständige Kontrolle an die Stadt über. Die Geschäftsführung der Stadiongesellschaft wird künftig ausschließlich durch die Stadt beziehungsweise ihre Vertreter ausgeübt. Der bisher gemeinsam mit dem VfL tätige Geschäftsführer wird durch einen städtischen Vertreter ersetzt. Damit ist die Stadt künftig nicht nur Eigentümerin, sondern auch allein verantwortlich für Betrieb, Finanzierung und Risiken. Und genau hier liegt der Kern der Kritik: Während die Kontrolle öffentlich wird, bleiben die finanziellen Details weitgehend im Verborgenen. ### Was das für die Osnabrücker Bürger bedeutet Die politische Entscheidung ist gefallen – doch wesentliche Informationen dazu bleiben unter Verschluss. Weder der konkrete wirtschaftliche Wert der dem VfL eingeräumten Rechte noch mögliche Altverbindlichkeiten oder realistische Risikoszenarien wurden öffentlich gemacht. Stattdessen wurden diese Punkte in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung verlagert – und das erst nach der Beschlussfassung. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Sie finanzieren ein Millionenprojekt, ohne dass ihnen alle relevanten Zahlen und Risiken offengelegt wurden. Oder, wie es Dr. Thomas Thiele formulierte: „Bei anderen öffentlichen Vereinen wird jeder Cent dreimal umgekehrt. Beim Stadion übernimmt die Stadt das volle Risiko für ein privatwirtschaftliches Unternehmen – ohne vollständige Transparenz.“ --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück