# Opernuraufführung „Peter van Pels“ begeistert am Theater Osnabrück Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-02T15:30:31+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-02T14:32:51+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/opernurauffuehrung-peter-van-pels-begeistert-am-theater-osnabrueck-762361/ Kategorie: Aktuell --- Das Theater Osnabrück erzählt in seiner neuen Oper „Peter van Pels“ die Geschichte eines Jugendlichen, der bislang vor allem [als Freund von Anne Frank](https://hasepost.de/ulrich-mokrusch-im-gespraech-756250/) bekannt ist. Anno Schreier (Musik) und Joscha Schaback (Libretto) machen aus Peter van Pels eine eigenständige Figur – und aus seiner Geschichte eine eindringliche 70-minütige Oper. ## Jugend zwischen Angst und Verliebtheit Peter van Pels würde am 8. November 2026 hundert Jahre alt. Sein Leben endete allerdings bereits mit 18. Seine Familie verließ Osnabrück 1937 und floh vor der zunehmenden Verfolgung jüdischer Menschen in die Niederlande. Nach der deutschen Besetzung fanden Peter und seine Eltern schließlich gemeinsam mit der Familie Frank Unterschlupf im Hinterhaus an der Prinsengracht. Dort verbrachten sie mehr als zwei Jahre in ständiger Angst vor Entdeckung. Intendant und Regisseur Ulrich Mokrusch erzählt diese Zeit in rund 30 kurzen Szenen. Das sorgt für Tempo und lässt die Handlung immer wieder zwischen Alltag, Konflikten und Bedrohung wechseln. Statt einer klassischen Chronologie entsteht ein Mosaik aus Momentaufnahmen. Im Zentrum steht Florian Wugk als Peter. Mit seinem strahlenden Tenor gibt er dem Jugendlichen Unsicherheit und Energie, Sehnsucht und Widerspruch. Peter darf unreif sein, verliebt, trotzig und manchmal überfordert. Susanna Edelmann gestaltet Anne Frank mit klarem Sopran als ebenso lebendige junge Frau. Die Beziehung zwischen beiden wird nicht zur kitschigen Liebesgeschichte, sondern erscheint als ein Stück Normalität und Selbstbestimmung in einer Situation, die ihnen jede Kontrolle über ihr eigenes Leben nimmt. ### Starke Bilder, eingängige Musik Die Ausstattung von Timo Dentler und Okarina Peter arbeitet mit wenigen prägnanten Elementen. Ein über der Bühne schwebender Pflasterstein dient als Projektionsfläche: Aus dem heutigen Osnabrück führt der Weg über historische Bilder nach Amsterdam und schließlich nach Auschwitz. Am Ende wird daraus Peters Stolperstein – ein schlichtes Bild mit großer Wirkung. Anno Schreiers Musik schlägt ebenfalls eine ungewöhnlich direkte Verbindung zum Publikum. Die Partitur bewegt sich zwischen zeitgenössischer Oper, Filmmusik, Musical und Swing. Besonders Peters „Oh, Mary, Mary Lou“ bleibt musikalisch im Gedächtnis. Benjamin Huth führt das Osnabrücker Symphonieorchester sicher durch die wechselnden Klangwelten. ### Aus dem persönlichen Schicksal wird Geschichte Susann Vent-Wunderlich als Auguste van Pels und Jan Friedrich Eggers als Otto Frank setzen weitere markante Akzente. Der Chor, von Sierd Quarré einstudiert, erweitert Peters Geschichte schließlich um die Dimension der vielen anderen Menschen, die verfolgt und ermordet wurden. Nach der Verhaftung verwandelt sich die Bühne: Aus dem vermeintlich sicheren Hinterhaus wird ein Deportationszug. Der geschützte Raum ist endgültig verloren. Peter van Pels stirbt 1945 im Konzentrationslager Mauthausen, wenige Tage nach dessen Befreiung. Otto Frank ist der einzige Bewohner des Hinterhauses, der den Holocaust überlebt. Die Osnabrücker Oper gibt Peter nun für 70 Minuten etwas zurück, das die Geschichte ihm lange genommen hat: eine eigene Persönlichkeit und eine eigene Stimme. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück