# Ökonomen lehnen Eurobonds als Weg zur Euro-Stärkung ab Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-01T12:42:04+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-01T12:42:09+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/oekonomen-lehnen-eurobonds-als-weg-zur-euro-staerkung-ab-750100/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Zwei renommierte Ökonomen widersprechen der Forderung nach mehr gemeinsamen EU-Schulden. Justus Haucap und Clemens Fuest sehen hohe Zinskosten und fehlende politische Einheit als Hindernisse für eine Stärkung des Euro als Leitwährung. ## Kritik an höheren Zinskosten und Verschuldung Der Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Justus Haucap sagte dem "Spiegel", der Vertrauensverlust in den US-Dollar sei zwar offensichtlich, doch dies sei kein Argument für mehr EU-Schulden. Schon jetzt begäben die Euroländer fleißig Staatsanleihen, und Deutschland biete mit seinen Sondervermögen reichlich Anlagemöglichkeiten. Eurobonds brächten aus deutscher Sicht unattraktiv hohe Zinsen mit sich, die letztlich die Bundesrepublik in Form höherer Zinskosten der EU trage. Faktisch führe dies zu einer höheren Verschuldung, so Haucap. Die hohen Schulden der USA seien zudem ein wesentlicher Grund für die Dollarschwäche. Er bezweifle stark, dass zusätzliche Verschuldung bei anhaltender Wachstumsschwäche den Euro zur Leitwährung mache. ### Fehlende politische Einheit als zentrales Hindernis Auch Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts in München, äußerte sich kritisch. "Das Ziel, den Euro zur internationalen Leitwährung weiterzuentwickeln, ist für mich keine überzeugende Begründung für mehr gemeinsame europäische Anleihen." Die USA seien eine politische Einheit mit großer militärischer und technologischer Macht. Bei der EU sei dies bisher nicht der Fall. Deshalb sei es nicht realistisch, dass der Euro durch gemeinsame Anleihen zur weltweiten Leitwährung aufsteige. Erst bei einer geopolitisch handlungsfähigen EU-Regierung könne man über gemeinsame Anleihen in größerem Umfang nachdenken, so Fuest. Politische Integration müsse zuerst kommen, nur dann seien Eurobonds sinnvoll. ### Hintergrund: 820 Milliarden Euro für Next Generation EU Die EU hat in den vergangenen Jahren bereits mehr als 820 Milliarden Euro an gemeinsamen Anleihen begeben, vor allem für den Corona-Aufbaufonds Next Generation EU. Die Frage, ob Brüssel diese Schulden zurückzahlen, durch neue Bonds ersetzen oder gar ausweiten sollte, spaltet die Mitgliedstaaten. IW-Chef Michael Hüther hatte sich zuvor angesichts der Schwäche des US-Dollars dafür ausgesprochen, den Euro auch mithilfe gemeinsamer EU-Anleihen zur ernstzunehmenden Alternative aufzubauen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück