# Öffentliche Haushalte mit Rekorddefizit im ersten Halbjahr Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-03T05:22:05+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-03T05:22:09+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/oeffentliche-haushalte-mit-rekorddefizit-im-ersten-halbjahr-762509/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Der Öffentliche Gesamthaushalt in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 ein Finanzierungsdefizit von 98,8 Milliarden Euro verzeichnet. Die Ausgaben stiegen um sechs Prozent auf 1.110,6 Milliarden Euro, während die Einnahmen nur um zwei Prozent auf 1.011,8 Milliarden Euro wuchsen. Im Vorjahreszeitraum hatte das Defizit 58,5 Milliarden Euro betragen. Alle Ebenen – Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung – schlossen defizitär ab. ## Bund mit größten Verlusten und sinkenden Steuereinnahmen Die Ausgaben des Bundes kletterten um 9,8 Prozent auf 325,5 Milliarden Euro, während die Einnahmen um fünf Prozent auf 253,1 Milliarden Euro sanken. Das Defizit verdoppelte sich damit auf 72,3 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 30,0 Milliarden Euro). Letztmals stärker waren die Bundeseinnahmen im ersten Halbjahr 2020 während der Coronakrise gesunken (-6,2 Prozent). Hinter dem Rückgang der Bundeseinnahmen um 3,1 Prozent stehen zwei Entlastungsmaßnahmen: die Senkung der Stromsteuer für das Produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft seit Januar 2026 sowie die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe ("Tankrabatt") im Mai und Juni 2026. Zusammen mit einem Einbruch der Tabaksteuereinnahmen nach der Anhebung zum Jahresbeginn fehlten dem Bund rund 3,3 Milliarden Euro. ### Länder und Gemeinden: Defizite trotz leichter Einnahmezuwächse Die Länder verbuchten ein Defizit von 6,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,4 Milliarden Euro) bei gestiegenen Einnahmen (+2,7 Prozent auf 284,3 Milliarden Euro) und Ausgaben (+4,1 Prozent auf 290,6 Milliarden Euro). Bayern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen schlossen jedoch mit Überschüssen ab. Bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden wuchsen Einnahmen (+3,0 Prozent auf 184,0 Milliarden Euro) und Ausgaben (+2,7 Prozent auf 204,1 Milliarden Euro) nahezu gleichmäßig. Das Defizit blieb damit bei 20,1 Milliarden Euro – dem höchsten Wert für eine erste Jahreshälfte seit der deutschen Vereinigung 1990. ### Sozialversicherung fast ausgeglichen, Zinsen und Investitionen im Fokus Die Sozialversicherung erreichte einen fast ausgeglichenen Saldo (-68 Millionen Euro). Die Einnahmen stiegen um 8,4 Prozent auf 491,3 Milliarden Euro, die Ausgaben um 6,9 Prozent auf 491,4 Milliarden Euro. Enthalten sind Bundesdarlehen von 10,2 Milliarden Euro, die an die Bundesagentur für Arbeit (6,3 Milliarden), Pflegeversicherung (1,6 Milliarden) und Gesundheitsfonds (2,3 Milliarden) flossen. Während Kranken- (+2,7 Milliarden) und Arbeitslosenversicherung (+1,7 Milliarden) Überschüsse verzeichneten, wiesen Renten- (-4,7 Milliarden) und Pflegeversicherung (-0,7 Milliarden) Defizite aus. Die Zinskosten des Öffentlichen Gesamthaushalts stiegen um 21,2 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro. Die Sachinvestitionen stagnierten bei 43,1 Milliarden Euro: Bund (+4,6 Prozent) und Länder (+3,1 Prozent) legten zu, Gemeinden verzeichneten dagegen einen Rückgang um 4,5 Prozent. Die Daten stammen aus der vierteljährlichen Kassenstatistik des Statistischen Bundesamts, veröffentlicht am 2. Oktober 2026. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück