Hohe Nitratwerte im oberflächennahen Grundwasser bleiben in Osnabrück und Umgebung ein Problem. Bei einer Untersuchung des VSR-Gewässerschutzes überschritt jede zehnte analysierte Probe aus privaten Gartenbrunnen den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Einzelne Messungen lagen sogar deutlich darüber.
63 Brunnenbesitzer lassen Wasser untersuchen
Am 2. Juni hatte der VSR-Gewässerschutz mit seinem Labormobil in Osnabrück Station gemacht. Insgesamt 63 Bürgerinnen und Bürger brachten Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen zur Untersuchung mit.
„Wir analysierten die Wasserproben und erstellten für jede Probe ein ausführliches Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers, welches wir den Brunnenbesitzern zusandten. Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt Brunnenwasseruntersuchungen koordiniert.
Inzwischen hat die Organisation die Ergebnisse auch hinsichtlich der Nitratbelastung ausgewertet. Dabei sieht der VSR-Gewässerschutz weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.
Bis zu 87 Milligramm Nitrat pro Liter gemessen
„In jeder 10. Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow.
Besonders hohe Werte wurden demnach in Merzen-Lechtrup mit 87 Milligramm pro Liter gemessen. Es folgen Atter mit 79, Uphausen mit 78 und Voxtrup mit 75 Milligramm pro Liter. Auch in Sentrup lag eine untersuchte Probe mit 63 Milligramm deutlich über dem Grenzwert, in Schwagstorf wurden 54 Milligramm festgestellt.
Die europäische Nitratrichtlinie sieht seit 1991 vor, dass eine Belastung von 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser nicht überschritten werden darf. Nach Einschätzung des VSR-Gewässerschutzes ist es Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass dieses Ziel zuverlässig erreicht wird.
Kritik an ständig wechselnden Regeln
„Die bisherigen Messwerte zeigen, dass die ständigen Änderungen bei den Düngeregelungen auf den Feldern nicht dazu beigetragen haben die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren“, erklärt Gülzow. Aus Sicht der Organisation fehlt landwirtschaftlichen Betrieben zudem Planungssicherheit, um langfristige Maßnahmen zur Verringerung der Belastung umzusetzen.
Von 2022 bis 2025 gehörten zahlreiche landwirtschaftliche Flächen mit hoher Nitratbelastung zu den sogenannten „Roten Gebieten“. Dort galten strengere Vorgaben für die Düngung. Diese Regelungen sind derzeit ausgesetzt, nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Kriterien für die Festlegung der Gebiete als nicht ausreichend bewertet hatte. In der Folge hoben die Bundesländer die entsprechenden Gebietsausweisungen auf.
Der VSR-Gewässerschutz befürchtet deshalb, dass die Belastung in den kommenden Jahren nicht ausreichend sinken könnte. „Wir sind fassungslos wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, erklärt Harald Gülzow. Er fordert möglichst schnell eine Nachbesserung, damit in besonders belasteten Gebieten zusätzliche Maßnahmen greifen können.
Zwischenfrüchte sollen Nitrat im Boden halten
Nach Einschätzung des VSR-Gewässerschutzes reicht es nicht aus, ausschließlich die Menge des ausgebrachten Düngers zu regulieren. „Es reicht nicht, nur die Düngemengen zu betrachten. Es müssen mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden“, sagt Harald Gülzow.
Eine wichtige Rolle könnten dabei Zwischenfrüchte spielen. Sie nehmen verbliebenen Stickstoff auf und können dadurch verhindern, dass dieser bei Niederschlägen als Nitrat in tiefere Bodenschichten und schließlich ins Grundwasser gelangt.
Gerade im Landkreis Osnabrück sieht die Organisation hier Potenzial: 84 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen seien Ackerland. Anders als dauerhaft begrüntes Grünland liegen Äcker insbesondere im Winter teilweise ohne Bewuchs, wodurch die Gefahr einer Nitratauswaschung steigt.
Der VSR-Gewässerschutz fordert deshalb, Zwischenfrüchte in besonders nitratbelasteten Bereichen verpflichtend vorzuschreiben und Felder im Winter nicht unbewachsen zu lassen. Auch Agroforstsysteme, bei denen landwirtschaftliche Nutzung mit Gehölzen kombiniert wird, könnten nach Einschätzung der Organisation dazu beitragen, die Verlagerung von Stickstoff in tiefere Bodenschichten zu reduzieren.
Kommentare zu diesem Artikel:
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.