# Neumarkt 62 Prozent teurer: Stadt weicht der entscheidenden Kostenfrage vor der Ratssitzung aus Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-29T16:57:04+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-29T17:19:10+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/neumarkt-62-prozent-teurer-stadt-weicht-der-entscheidenden-kostenfrage-vor-der-ratssitzung-aus-761313/ Kategorie: Aktuell --- Vor der Ratssitzung zum Neumarkt bleibt eine zentrale Frage offen: Wie konnte sich die Stadt bei den Kosten innerhalb weniger Monate um mehr als 13 Millionen Euro verschätzen? Noch bis [Ende November 2025 wurden für die Umgestaltung 21,9 Millionen Euro](https://hasepost.de/neumarkt-soll-erst-nach-der-kommunalwahl-umgebaut-werden-und-es-wird-teuer-662271/) genannt, später wurde der Kostenstand auf 27,7 Millionen Euro erhöht. Jetzt stehen rund 35,5 Millionen Euro im Raum. Gegenüber den noch vor zehn Monaten genannten 21,9 Millionen Euro ist das ein Plus von knapp 62 Prozent. Auf Nachfrage der HASEPOST verweist die Verwaltung ausführlich auf gestiegene Baupreise seit 2019 und veränderte Planungen. Das erklärt jedoch nicht, warum die noch vor zehn Monaten kommunizierte Summe so weit von der heutigen Kalkulation entfernt liegt. Denn bei der entscheidenden Frage geht es nicht um die Preissteigerungen der vergangenen sieben Jahre, sondern um einen Kostensprung innerhalb von lediglich zehn Monaten. ## Von 21,9 auf 35,5 Millionen Euro in rund zehn Monaten Die Entwicklung ist erheblich: Vor der Corona-Pandemie war die Umgestaltung des Neumarkts noch mit rund 13 Millionen Euro veranschlagt. Ende November 2025 lag der kommunizierte Kostenrahmen bei 21,9 Millionen Euro. Inzwischen werden 35,471 Millionen Euro genannt. Damit sind gegenüber der Ende November 2025 genannten Summe innerhalb von rund zehn Monaten fast 13,6 Millionen Euro hinzugekommen. Rechnerisch entspricht das einem Anstieg von knapp 62 Prozent – noch bevor die eigentlichen Bauarbeiten begonnen haben. ## Stadt nennt kein vergleichbares Projekt mit einer derartigen Kostenabweichung Die HASEPOST wollte deshalb von der Stadt wissen, ob es in der jüngeren Geschichte Osnabrücks bereits ein vergleichbares Großprojekt gegeben hat, bei dem sich der Kostenrahmen in so kurzer Zeit und noch vor Baubeginn derart stark erhöht hat. Ein Vergleichsprojekt mit einer ähnlich hohen prozentualen Abweichung nennt die Verwaltung in ihrer Antwort nicht. ### Stadt rechnet für 2025 mit einem anderen Wert Stattdessen erklärt die Stadt, die frühere Kostenschätzung aus dem Jahr 2019 sei mit den heutigen Zahlen nicht vergleichbar. Technische und verkehrliche Rahmenbedingungen sowie der Umfang des Projekts hätten sich seitdem wesentlich verändert. Für einen Vergleich will die Verwaltung deshalb nicht die Ende November 2025 öffentlich genannten 21,9 Millionen Euro heranziehen, sondern einen Kostenstand von 27,725 Millionen Euro aus dem Jahr 2025. Diesem Zwischenstand stellt sie die aktuellen 35,471 Millionen Euro gegenüber. Das ändert allerdings nichts daran, dass Ende November 2025 öffentlich noch die Summe von 21,9 Millionen Euro genannt wurde. Genau diese Zahl bildet deshalb den Ausgangspunkt für die Frage, warum der heute genannte Kostenrahmen nur rund zehn Monate später fast 62 Prozent höher liegt. ### 51 Prozent Baupreissteigerung seit 2019 beantworten die Kernfrage nicht Ausführlich verweist die Stadt auf die allgemeine Entwicklung der Baupreise. Nach ihrer Berechnung auf Grundlage der Baupreisindizes des Statistischen Bundesamts seien die Preise im Straßenbau zwischen 2019 und Anfang 2026 um rund 51,3 Prozent gestiegen. Als Ursachen nennt die Verwaltung unter anderem die Folgen der Corona-Pandemie, die Kriege in der Ukraine und im Iran sowie höhere Energie-, Rohstoff- und Baukosten. Für den aktuellen Kostensprung ist dieser langfristige Vergleich jedoch nur begrenzt aussagekräftig. Denn die 21,9 Millionen Euro stammen nicht aus dem Jahr 2019, sondern wurden noch Ende November 2025 genannt. Die weitaus meisten der von der Stadt angeführten Baupreissteigerungen waren zu diesem Zeitpunkt längst eingetreten. Vor der Entscheidung im Rat bleibt damit vor allem die Frage, warum eine noch Ende 2025 kommunizierte Kostenangabe wenige Monate später um fast 62 Prozent überholt ist. Fraglich ist, ob es dazu in der Ratssitzung kritische Nachfragen geben wird. ### Viele Ratsmitglieder entscheiden nun über Schulden, für die sie nicht mehr gerade stehen müssen Besonders ist die Situation auch deshalb, weil ein Teil der Ratsmitglieder dem neu gewählten Stadtrat nicht mehr angehören wird. Über zusätzliche Millionenbeträge und die damit verbundenen finanziellen Folgen entscheiden damit teilweise noch Kommunalpolitiker, die die weitere Entwicklung des Projekts politisch nicht mehr über die gesamte kommende Wahlperiode begleiten werden. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück