# Nach Angriff auf Obdachlosen: Kundgebung in Osnabrück fordert Solidarität statt Verdrängung Datum: 28.07.2026 10:26 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/nach-angriff-auf-obdachlosen-kundgebung-in-osnabrueck-fordert-solidaritaet-statt-verdraengung-736150/ --- Nach dem brutalen Angriff auf einen obdachlosen Schwarzen Mann in der Osnabrücker Innenstadt haben am Montagabend (27. Juli) mehrere Gruppen auf dem Platz der Deutschen Einheit vor dem Theater ein Zeichen gegen Gewalt, Rassismus und soziale Ausgrenzung gesetzt. Die Kundgebung, an der rund 250 Menschen teilnahmen, richtete sich zugleich gegen die städtische Sicherheits- und Sozialpolitik und verband den konkreten Vorfall mit grundsätzlicher Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem. ## Kritik an Alkohol- und Waffenverbotszone Anlass war ein Angriff auf einen obdachlosen Mann, der in der Osnabrücker Innenstadt geschlagen, getreten und mit einer Glasflasche verletzt worden war. Ein weiterer Tatverdächtiger soll die Tat gefilmt haben. Zu der Solidaritätskundgebung aufgerufen hatten der Linke-Kreisverband, Linksjugend, LiKOS, No Lager und Unordnungsamt. Die Veranstalter sehen die Tat nicht als isoliertes Ereignis. Obdachlose Menschen seien besonders häufig von Ausgrenzung, Beleidigungen und körperlichen Angriffen betroffen. Beim angegriffenen Mann kämen nach Ansicht der Initiatoren zudem soziale Ausgrenzung und Rassismus zusammen. Kritik übten die Gruppen auch an der vor zwei Jahren eingeführten Alkohol- und Waffenverbotszone in der Osnabrücker Innenstadt. Diese sei Ausdruck einer Politik der Verdrängung und bekämpfe weder Armut noch Wohnungslosigkeit oder Suchterkrankungen. Stattdessen würden obdachlose Menschen aus dem öffentlichen Raum gedrängt, kontrolliert und kriminalisiert. Die Veranstalter forderten unter anderem Housing First – ein Konzept, das obdachlosen Menschen sofort eine eigene dauerhafte Wohnung mit regulärem Mietvertrag zur Verfügung stellt – sowie einen Drogenkonsumraum, mehr Streetwork und soziale Hilfen. ### Redebeitrag übt grundsätzliche Systemkritik Bei der Kundgebung ging die Kritik noch deutlich über die Osnabrücker Kommunalpolitik hinaus. In einem Redebeitrag wurden Rassismus, soziale Ausgrenzung und eine zunehmende „Faschisierung“ unmittelbar mit dem kapitalistischen System in Verbindung gebracht. „Menschen, die sich am gesellschaftlichen Abgrund befinden, sind kein Ausdruck moralischen Verfalls. Die Ursache liegt vielmehr im Kern des Kapitalismus selbst“, hieß es darin. Rassismus, die Faschisierung und der zunehmende Hass auf arme Menschen seien „keine isolierten Entwicklungen“, sondern hätten ihren Ursprung „in der Krise des Kapitals“. Auch reformorientierte Politik wurde in dem Redebeitrag grundsätzlich infrage gestellt. „Will man diese Gewalt also bekämpfen, reicht es nicht, an der Fassade zu drehen und die Hüter der sozialen Ordnung um ein paar Veränderungen zu bitten. Man muss das Problem an der Wurzel packen.“ Der Redner bezeichnete die „unbeholfene Symptombekämpfung reformistischer Politik“ als unzureichend. Auch ein stärkeres Bewusstsein für systematische Gewalt und unterschiedliche Formen der Unterdrückung allein könne das Problem demnach nicht lösen. Stattdessen wurde ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel gefordert. „Die Lösung ist ein Bruch mit dem, was diese Gewalt hervorbringt“, hieß es in der Rede. ### „Grenzen sprengen“ Am Ende stand die Forderung, die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse grundsätzlich zu überwinden: „Wir dürfen nicht mehr innerhalb dieses Systems nach Strohhalmen greifen, sondern müssen seine Grenzen sprengen.“ Bereits im Aufruf zur Kundgebung hatten die beteiligten Gruppen Kapitalismus, Rassismus und Faschismus miteinander verknüpft. Gefordert wurde eine Stadt, in der niemand auf der Straße leben müsse und öffentliche Räume allen offenstünden. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück