# Moldawien will EU-Vollmitglied werden Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-08-31T02:02:05+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-08-31T02:02:10+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/moldawien-will-eu-vollmitglied-werden-749403/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Moldawien zeigt sich offen für eine schrittweise Integration in die EU, betont aber die Vollmitgliedschaft als Endziel. Chefunterhändlerin Cristina Gherasimov fordert von den EU-Staaten klare Entscheidungen und beschreibt russische hybride Einflussnahme auf den Beitrittsprozess. ## Vollmitgliedschaft bleibt das Ziel Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte eine assoziierte Mitgliedschaft für die Ukraine als Zwischenstufe vorgeschlagen und für Moldawien weitere Integrationsformen ins Spiel gebracht. Gherasimov betonte jedoch in einem Interview mit ntv, Zwischenstufen dürften die Vollmitgliedschaft nicht dauerhaft ersetzen. Das Endziel müsse klar bleiben: die Vollmitgliedschaft mit allen Rechten. Gleichzeitig forderte die moldauische Vize-Ministerpräsidentin die 27 EU-Mitgliedstaaten zu klareren politischen Entscheidungen über die nächsten Schritte auf. Die EU-Kommission arbeite zwar zügig mit den Kandidatenländern, doch die notwendigen Weichenstellungen lägen beim Rat. ### Ehrgeiziger Zeitplan und russische Einflussnahme Laut Gherasimov ist Moldawien bereit, alle sechs Verhandlungscluster zu öffnen. Die EU habe bereits im Juni den Cluster "Grundlegende Werte" und im Juli den Cluster "Außenbeziehungen" eröffnet; vier weitere stehen noch aus. Die Regierung in Chisinau strebt an, den Großteil der Rechtsangleichung und Verhandlungen bis 2027 abzuschließen. Idealerweise könnten die Verhandlungen Anfang 2028 beendet und der Beitrittsvertrag bis Ende 2028 unterzeichnet werden. Russland versuche, Moldawiens europäischen Kurs durch hybride Einflussnahme zu untergraben. "Die russischen Angriffe sind intensiver geworden, seit Moldau EU-Beitrittskandidat ist und sich im Verhandlungsprozess mit der Europäischen Union befindet". Als Beispiele nannte sie Desinformation, illegale politische Finanzierung, Cyberangriffe und die Instrumentalisierung sozialer Unzufriedenheit. Ziel sei nicht nur die Beeinflussung von Wahlen, sondern auch die Schwächung des Vertrauens in staatliche Institutionen und den europäischen Kurs. ### Transnistrien und Gagausien im Fokus Mit Blick auf die abtrünnige Region Transnistrien setzt Chisinau auf eine friedliche Wiedereingliederung. Die Region sei zunehmend mit Moldawien und dem europäischen Markt verbunden, und rund 70 Prozent ihrer Exporte gingen in die EU. Ein ungelöstes Problem bleibt jedoch der Abzug russischer Truppen, den die Regierung seit 30 Jahren fordert. Auch in der autonomen Region Gagausien ist russischer Einfluss stark. Die Regierung will dem mit mehr Dialog, Informationen und stärkerer Einbindung der Bevölkerung begegnen. Die Autonomie Gagausiens sei gesetzlich garantiert, und eine EU-Mitgliedschaft biete den bestmöglichen Schutz für ethnische Minderheiten und ihre Sprachen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück