# Mindestlohn-Betrug: 64 Milliarden Euro Schaden durch DGB ermittelt Datum: 10.08.2026 09:46 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/mindestlohn-betrug-64-milliarden-euro-schaden-durch-dgb-ermittelt-741387/ --- Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 haben illegale Umgehungspraktiken nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) einen wirtschaftlichen Schaden von bis zu 64 Milliarden Euro verursacht. Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer, Sozialkassen und der Fiskus, wie der Spiegel und die Deutsche Presse-Agentur berichten. Die DGB-Analyse basiert auf Daten des Sozioökonomischen Panels, einer jährlichen Befragung von rund 30.000 Menschen in 20.000 Haushalten. Daraus geht hervor, dass durchschnittlich zwei Millionen Beschäftigte pro Jahr zu wenig Lohn erhalten, im Schnitt zwischen 1,70 und 2,40 Euro pro Stunde. Die Gesamtsumme setzt sich aus 35 Milliarden Euro vorenthaltenem Lohn, 22 Milliarden Euro entgangenen Sozialabgaben und 7 Milliarden Euro fehlender Einkommensteuer zusammen. ## Mindestlohn: Millionen arbeiten unter Mindestlohn Derzeit arbeiten laut DGB rund sechs Millionen Menschen zum Mindestlohn, vor allem in der Gastronomie, im Handel oder in der Landwirtschaft. Doch nicht alle erhalten den vollen Stundensatz, etwa weil Arbeitszeiten nicht vollständig bezahlt werden. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) äußert Zweifel an der Berechnungsgrundlage der DGB-Studie, wie die Zeit und ad-hoc-news berichten. Befragungsdaten könnten ungenau sein, etwa wenn Arbeitszeiten nicht exakt erfasst werden. ### Mindestlohn-Anstieg belastet viele Betriebe Dennoch betont die BDA: »Verstöße sind nicht akzeptabel und müssen konsequent geprüft und verfolgt werden.« Gleichzeitig verweist sie darauf, dass die überproportionale Anhebung des Mindestlohns im Jahr 2022 den wirtschaftlichen Druck auf viele Betriebe verschärft habe. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Zoll überprüft jährlich Zehntausende Firmen auf die Einhaltung des Mindestlohns. 2024 wurden knapp 6.200 Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Verstöße eingeleitet, wie der Deutschlandfunk und die dpa melden. 45 Prozent der Fälle betrafen nicht oder nicht rechtzeitig gezahlte Mindestlöhne, 50 Prozent die Verletzung von Dokumentationspflichten. ### Bußgelder bei Mindestlohnverstößen steigen Insgesamt wurden 25,4 Millionen Euro an Bußgeldern verhängt. Der DGB kritisiert jedoch, dass die Kontrollbehörden chronisch unterbesetzt seien. Statistisch werde jedes Unternehmen in Deutschland nur alle 140 Jahre einmal kontrolliert, was kaum abschreckend wirke. Zudem seien bei der FKS 2.500 vom Bundestag bewilligte Stellen nicht besetzt. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück