# Mindestens 42 Tote in deutschem Polizeigewahrsam seit 2014 Datum: 13.07.2026 16:44 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/mindestens-42-tote-in-deutschem-polizeigewahrsam-seit-2014-731992/ --- In den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland mindestens 42 Menschen im Polizeigewahrsam gestorben. Das ergab eine Abfrage des Magazins „Stern“ bei allen Bundesländern. Eine bundesweite offizielle Erfassung dieser Todesfälle gibt es bislang nicht, zudem verweisen mehrere Länder auf mögliche Unvollständigkeiten ihrer Daten. ## Unterschiedliche Zahlen aus den Bundesländern Die höchste Zahl verzeichnete Baden-Württemberg mit neun Toten seit 2016, sechs Fälle gab es allein im Jahr 2019. Laut dem Innenministerium in Stuttgart waren fast alle Menschen stark alkoholisiert. Dies sei meist auch der Grund für den Gewahrsam gewesen. Alle seien zuvor ärztlich untersucht worden – ein Arzt habe also bescheinigt, dass der medizinische Zustand der Personen eine Ingewahrsamnahme zuließe, so das Innenministerium. Auf Baden-Württemberg folgt Nordrhein-Westfalen. Das Düsseldorfer Innenministerium erfasst die Zahlen erst ab dem Jahr 2024. Demnach starben seither sechs Menschen in Gewahrsam der Polizei. Auch Bayern gab die Zahl der Toten mit sechs an, allerdings seit 2018. Dabei handele es sich nur um jene Fälle, „in denen ein kausaler Zusammenhang zwischen polizeilichem Handeln und dem Tod der Person nicht unmittelbar ausgeschlossen werden könne“, teilte das bayerische Innenministerium dem „Stern“ mit. Berlin, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren jeweils ein oder zwei Todesfälle im Polizeigewahrsam. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein hatten nach Angaben der jeweiligen Innenministerien keine Todesfälle in Gewahrsamseinrichtungen. Überhaupt keine Zahlen lieferten die Bundesländer Niedersachsen und Brandenburg, wie aus der Abfrage des „Stern“ hervorgeht. ### Lückenhafte Datenlage in einigen Ländern Auch die Hamburger Innenbehörde lieferte auf Anfrage des „Stern“ keine Zahlen. Aus einer Anfrage der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft geht jedoch hervor, dass zwischen 2020 und 2025 sechs Menschen bei freiheitsbeschränkenden Polizeimaßnahmen ums Leben kamen. Die Länder verwiesen im Zuge der Abfrage des „Stern“ teilweise auf mögliche Unvollständigkeit ihrer Zahlen. Bisher gibt es keine Stelle, die die Zahlen von Todesfällen in Polizeigewahrsam bundesweit offiziell erfasst oder sammelt. Unter polizeilichem Gewahrsam versteht man den kurzfristigen Freiheitsentzug einer Person – zum eigenen Schutz oder zum Schutz von anderen. Menschen können auch auf der Straße in Gewahrsam genommen, also von der Polizei festgehalten werden; meist kommen sie aber in Gewahrsamszellen auf Polizeidienststellen. ### Begriff und Umfang des Polizeigewahrsams Polizeilicher Gewahrsam umfasst damit unterschiedliche Situationen, von der kurzfristigen Festhaltung auf offener Straße bis zur Unterbringung in Gewahrsamseinrichtungen. In allen genannten Fällen beziehen sich die von den Innenministerien und Behörden gemeldeten Zahlen auf Todesfälle, die im Zusammenhang mit solchen freiheitsbeschränkenden Maßnahmen der Polizei stehen, wie aus den Angaben an den „Stern“ und der Anfrage in der Hamburgischen Bürgerschaft hervorgeht. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück