# M&A im iGaming-Sektor: Welche Übernahmen 2026 für Anleger interessant sind Datum: 14.05.2026 00:26 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/ma-im-igaming-sektor-welche-uebernahmen-2026-fuer-anleger-interessant-sind-712870/ --- Der iGaming-Markt hat 2024 weltweit Transaktionen im Volumen von über 12 Milliarden US-Dollar gesehen – laut H2 Gambling Capital ein Rekord. 2026 deutet sich der nächste Konsolidierungsschub an. Für Anleger heißt das: Zielobjekte werden teurer, aber die richtigen Aktien profitieren überproportional. ## Warum die Branche jetzt konsolidiert Drei Treiber zwingen Betreiber zu Größe. Erstens steigen die regulatorischen Kosten in fast jedem reifen Markt. Compliance, KYC und AML fressen Margen. Zweitens verschiebt sich Wachstum von klassischen Sportwetten zu Online-Casinos, wo Skaleneffekte bei Spielangebot und Marketing entscheidend sind. Drittens verlangen institutionelle Anleger nach den Wachstumsraten der DraftKings-Frühphase wieder Profitabilität. Die Folge: Anbieter ohne klare Top-3-Position in mindestens zwei regulierten Märkten geraten unter Druck. Genau das macht sie zu Übernahmekandidaten. ## Die wahrscheinlichsten Deals 2026 ### Entain (ENT.L) Entain bleibt das offensichtlichste Ziel. MGM Resorts hatte 2021 ein Angebot von rund 8 Milliarden Pfund platziert, das der Vorstand ablehnte. Reuters berichtete damals über den Rückzug von MGM. Seitdem hat der Kurs deutlich verloren, das Joint Venture BetMGM läuft – aber ohne Mehrheit für eine Seite. Aktivisten-Investoren wie Eminence Capital und Sachem Head erhöhen seit 2024 öffentlich den Druck auf das Management. Eine zweite MGM-Annäherung 2026 ist realistisch. ### Playtech (PTEC.L) Playtech verkauft seit Jahren Stück für Stück. Nach dem Snaitech-Exit an Flutter Entertainment für 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 besteht der Konzern im Kern aus dem B2B-Software-Geschäft. Ein Going-Private über Private Equity oder ein strategischer Käufer wie Brightstar Capital Partners, frisch mit IGT Gaming und Everi konsolidiert, ist plausibel. ### Light & Wonder (LNW) Light & Wonder dürfte selbst aktiv kaufen. Der Slot-Hersteller hat nach dem Verkauf des Lotterie-Geschäfts an Brookfield die Bilanz aufgeräumt und investiert in iGaming-Content. Studios wie Push Gaming oder kleinere skandinavische Anbieter stehen auf der Liste. ## Der deutsche Markt: klein, aber strategisch Deutschland ist nach der GlüStV-Reform und unter Aufsicht der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder noch unterdurchschnittlich konsolidiert. Auf der Whitelist stehen rund 50 Anbieter, viele davon Töchter internationaler Konzerne wie Entain, Flutter oder Tipico. Wer einschätzen will, welche Marken regulatorisch etabliert sind, kann sich an den lizenzierten Online Casinos in Deutschland orientieren. Die Übersicht zeigt, welche Operatoren GGL-Status haben. Für M&A-Analysen ist das relevant: Eine deutsche Lizenz bringt im Übernahmefall einen messbaren Aufschlag. Käufer zahlen je nach Marktposition zwischen 8x und 14x EBITDA pro lizenzierter Marke. ### Tipico Tipico bleibt 2026 das größte unabhängige Asset im DACH-Raum. CVC Capital Partners hält die Mehrheit seit 2016. Eine Sekundärtransaktion oder ein Börsengang wird seit zwei Jahren diskutiert. Entain, Evoke (ehemals 888) und MGM gelten als mögliche strategische Bieter. ## Was Anleger an deutschen Börsen kaufen können Direkte deutsche Pure-Plays sind rar. bet-at-home (ACX.DE) notiert klein, gehört aber Entain – jede Bewegung beim Mutterkonzern wirkt sich aus. Gauselmann/Merkur ist privat, Löwen Entertainment wurde bereits 2018 von Novomatic übernommen. Liquidere Zugänge: ### Flutter Entertainment (FLUT) Dual-Listing in New York und London, US-Marktführer mit FanDuel, im DACH-Raum über PokerStars präsent. ### Evolution AB (EVO.ST) Live-Casino-Monopolist und B2B-Lieferant fast aller GGL-lizenzierten Operatoren. Bei jeder Konsolidierung im B2C steigt Evolutions Verhandlungsmacht. ### DraftKings (DKNG) 2025 wieder profitabel, sucht europäisches Standbein. Eine Akquisition in Deutschland oder Skandinavien wäre keine Überraschung. ## Wo das Risiko liegt Übernahme-Spekulation funktioniert nur, wenn der Deal tatsächlich kommt. Drei Stolpersteine sind 2026 wichtig. ### Regulierung Deals können sich verzögern. Die GGL prüft jeden Eigentümerwechsel bei lizenzierten Anbietern, das Bundeskartellamt schaltet sich bei größeren Transaktionen ein. Der gescheiterte Entain-MGM-Anlauf 2021 hätte sechs bis neun Monate Kartellprüfung bedeutet. ### Zinsen Die meisten iGaming-Käufer arbeiten mit Leverage. Solange die EZB bei restriktivem Niveau bleibt, sinkt die Zahl machbarer Mega-Deals. ### Bewertung Bewertungen sind nicht mehr billig. Entain notiert nach dem Kursanstieg im zweiten Halbjahr 2025 wieder bei rund 8x EV/EBITDA – historisch fair, aber kein Schnäppchen. ## Praktische Positionierung Zwei Wege bieten sich an. Direkt: einzelne Übernahmekandidaten kaufen und auf die Prämie warten – klassisch Entain oder Playtech. Indirekt: die „Picks and Shovels“ handeln, also Evolution AB und Light & Wonder, die unabhängig vom Käufer profitieren. Die solide Variante kombiniert beides. Ein Kernanteil in Evolution oder Flutter, dazu eine kleinere Spekulationsposition in Entain, deckt sowohl die Konsolidierungsthese als auch das organische Wachstum ab. 2026 wird nicht das Jahr eines einzelnen Mega-Deals. Eher das Jahr, in dem mittlere Operatoren verschwinden und die Top 5 ihre Position zementieren. Wer dabei sein will, kauft die Konsolidierer, nicht die Konsolidierten. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück