# Leopoldina warnt EU vor Dauerzulassung riskanter Pestizide Datum: 02.06.2026 14:49 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/leopoldina-warnt-eu-vor-dauerzulassung-riskanter-pestizide-718487/ --- Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt die EU davor, die Regeln für Pflanzenschutzmittel zu lockern. In einem am Dienstag veröffentlichten Papier kritisiert sie insbesondere die geplante Abschaffung der regelmäßigen Neubewertung von Wirkstoffen und sieht dadurch Gesundheits- und Umweltrisiken verschärft. ## Leopoldina warnt vor Wegfall der Zehn-Jahres-Prüfung Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina bezeichnet es in einem am Dienstag veröffentlichten Papier als Fehler, auf die erneute Prüfung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen nach zehn Jahren zu verzichten. Nach Einschätzung der Autoren ist die befristete Zulassung entscheidend, um ein lernfähiges Regulierungssystem zu erhalten. Die bisherige Erfahrung habe gezeigt, dass viele Wirkstoffe nach zehn Jahren vom Markt genommen wurden, entweder aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse oder weil Unternehmen aus ökonomischen Gründen auf eine Neuzulassung verzichteten. Die Fachleute befürchten, dass durch eine entfristete Zulassung bedenkliche oder veraltete Wirkstoffe länger auf dem Markt bleiben könnten. ### Zweifel an Innovationsargumenten Die Autoren des Papiers bezweifeln zudem, dass die geplante Lockerung der Regeln zu mehr Innovationen führt. Gerade die Zehn-Jahres-Überprüfung zwinge die Hersteller bisher dazu, sich kontinuierlich mit der Risikoermittlung und -bewertung ihrer zugelassenen Wirkstoffe zu befassen, heißt es in dem Papier der Leopoldina. ### Empfehlungen an Bundesregierung und EU Die Leopoldina empfiehlt der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für den Erhalt der Neubewertungsregelung einzusetzen. Die Fristen könnten nach Ansicht der Akademie jedoch vom Gefährdungspotenzial des jeweiligen Wirkstoffes abhängen. Unbedenkliche Stoffe könnten so auch länger ihre Gültigkeit behalten. Zudem wird in dem Papier eine Nachmarktkontrolle vorgeschlagen, um die Entscheidungen zur Zulassung nicht nur auf Labordaten zu stützen, sondern auch auf systematisches Umweltmonitoring. Damit sollen Erkenntnisse aus der tatsächlichen Anwendung in die Bewertung einfließen. Das Papier gibt auch Empfehlungen zum Umgang mit den Abverkaufs- und Aufbrauchfristen. Wenn Wirkstoffe ihre Zulassung nach zehn Jahren verlieren, dürfen sie in bereits erworbenen Produkten noch für 18 Monate genutzt werden. Diese Frist will die EU auf drei Jahre verdoppeln. Für die Experten ist diese Überlegung mit Blick auf Gesundheits- und Umweltrisiken problematisch, verlängert sie doch die Verwendung bereits als bedenklich eingestufter Stoffe. ✨ mit KI bearbeitet --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück