# Leihmutterschaft: Debatte nach Spahns Rücktritt entbrennt Datum: 21.07.2026 10:16 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/leihmutterschaft-debatte-nach-spahns-ruecktritt-entbrennt-734393/ --- Nach Spahns Rückzug diskutiert Deutschland über Legalisierung und ethische Grenzen. Der Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef hat eine neue Debatte über die Leihmutterschaft in Deutschland ausgelöst. Der CDU-Politiker war nach der Geburt seines Sohnes mithilfe einer amerikanischen Leihmutter zurückgetreten, da dies gegen die bisherige Linie seiner Partei verstieß. Wie der Spiegel berichtet, hatte Spahn das Verbot der Leihmutterschaft in der Vergangenheit selbst vehement verteidigt, was nun zu massiver Kritik führte. Die Diskussion über eine mögliche Legalisierung gewinnt damit an Fahrt, obwohl die CDU ihre ablehnende Haltung bisher nicht aufweichen will. Bundesbildungsministerin Karin Prien betonte gegenüber dem Westen, dass sie sich einen Kurswechsel ihrer Partei kaum vorstellen könne. Erst im Februar hatte die CDU jede Form der Leihmutterschaft abgelehnt. Gleichzeitig zeigte Prien Verständnis für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch und ließ die Möglichkeit einer späteren Überprüfung des Embryonenschutzgesetzes offen. ## Bevölkerung und Politik gespalten Die Meinungen in der Bevölkerung sind gespalten. Laut einer Insa-Umfrage für die Bild halten 41 Prozent der Befragten das aktuelle Verbot für falsch, während 39 Prozent die strenge Regelung unterstützen. Auch die politischen Lager sind uneinig. Die Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann forderte, die Ergebnisse einer Expertenkommission neu zu diskutieren, die im April empfahl, Leihmutterschaften unter strengen Auflagen zu erlauben. Die Fachleute hatten dabei betont, dass das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen müsse und warnten vor Missbrauch, selbst bei unbezahlten Modellen. ### Verfassungsrechtlerin fordert Legalisierung Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf plädiert im Gespräch mit der Zeit für eine Legalisierung in Deutschland. Sie argumentiert, dass der Gesetzgeber Frauen nicht verbieten dürfe, sich freiwillig für eine Leihmutterschaft zu entscheiden. In Ländern wie den USA gebe es strenge Voraussetzungen, etwa finanzielle Absicherung der Leihmütter, die vor Zwang und Ausbeutung schützten. Allerdings wiesen Kritiker darauf hin, dass selbst in den USA soziale Sicherungssysteme schwach seien und Leihmütter trotz finanzieller Absicherung in Abhängigkeit geraten könnten. ### Hohe Kosten und Hürden bei internationaler Leihmutterschaft Die Anerkennung der Elternschaft nach einer im Ausland durchgeführten Leihmutterschaft ist in Deutschland oft mit rechtlichen Hürden verbunden. In der Regel muss die Elternschaft über Adoptionsverfahren oder die Anerkennung ausländischer Gerichtsurteile gerichtlich geklärt werden. Internationale Leihmutterschaften sind zudem mit hohen Kosten verbunden: Komplettpakete im Ausland können zwischen 70.000 und 200.000 Euro kosten, hinzu kommen emotionale und medizinische Risiken. ### CDU bleibt hart – Regierung zeigt sich bei Streeck flexibel Während die CDU weiterhin an ihrem Verbot festhält, zeigt sich die Bundesregierung in anderen Fällen flexibler. So sieht sie nach Angaben des Spiegels keine Konsequenzen für den CDU-Abgeordneten Hendrik Streeck, der ebenfalls mithilfe einer Leihmutter Vater wurde. Regierungssprecher Stefan Kornelius betonte, dass Streeck keine politischen Forderungen vertreten habe, die seiner persönlichen Lebensführung widersprächen. Damit werde sein Fall anders bewertet als der von Spahn. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück