# Kritik am Tankrabatt: Sozialverbände fordern zielgenaue Entlastung Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-24T09:17:06+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-24T09:17:06+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/kritik-am-tankrabatt-sozialverbaende-fordern-zielgenaue-entlastung-759493/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Sozialverbände und Ökonomen bemängeln den geplanten Tankrabatt als ungerecht. Der Sozialverband VdK kritisiert den geplanten Tankrabatt der Bundesregierung als „falschen Weg“. VdK-Präsidentin Verena Bentele betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass Steuergelder nicht in die Gewinne der Mineralölkonzerne fließen sollten. Stattdessen fordert sie direkte Auszahlungen an Bedürftige oder eine Senkung der Stromsteuer, die alle Haushalte entlasten würde. Besonders Familien mit geringem Einkommen, Pflegebedürftige und Grundsicherungsempfänger müssten unterstützt werden, so Bentele. Der Tankrabatt soll ab dem 1. Oktober für drei Monate gelten und die Energiesteuer um 14 Cent pro Liter senken, was inklusive Mehrwertsteuer eine Entlastung von rund 17 Cent ergibt. Bund und Länder stellen dafür 2,5 Milliarden Euro bereit, wie die dpa berichtet. ## Ökonomen warnen vor Tankrabatt als Fehlinvestition Auch Ökonomen äußern sich skeptisch. DIW-Präsident Marcel Fratzscher bezeichnete den Tankrabatt im Handelsblatt als „teuer, sozial ungerecht und ökonomisch kontraproduktiv“. Er plädiert stattdessen für direkte Transferzahlungen, wie sie bereits 2022 mit der Energiepreispauschale umgesetzt wurden. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht in der Steuersenkung ebenfalls einen Fehler und schlägt einkommensabhängige Direktzahlungen oder eine Erhöhung der Kilometerpauschale für Fernpendler vor. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert, dass die Politik kurzfristig agiere und strukturelle Reformen vernachlässige, was langfristig zu Wohlstandsverlusten führe. ### Verbraucherschützer fordern Ende der Ölabhängigkeit Verbraucherschützerin Ramona Pop vom Verbraucherzentrale-Bundesverband bemängelt, dass der Tankrabatt wenig zielgenau sei und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern nicht verringere. Greenpeace-Expertin Marissa Reiserer spricht von einem „untauglichen Rabatt“ und fordert stattdessen Maßnahmen gegen die Ölabhängigkeit. Die Grünen im Bundestag fordern eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne sowie ein direkt ausgezahltes Energiegeld. Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek kritisiert, dass die Regierung die Praktiken der Ölmultis durch Steuersenkungen subventioniere. ### Grüner Minister fordert Stromsteuersenkung statt Spritrabatt Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) aus Schleswig-Holstein hält den Tankrabatt ebenfalls für den falschen Weg. Er schlägt stattdessen eine Senkung der Stromsteuer vor, da Strom von allen Haushalten benötigt werde. Goldschmidt betont, dass der Tankrabatt aus der Gießkanne für alle gleichermaßen gelte, sodass auch Gutverdiener profitierten, während das Geld an anderer Stelle fehle. Die Bundesregierung plant zudem einen Spritpreisdeckel ab 2027, der jedoch von der Mineralölwirtschaft kritisch gesehen wird. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück