# Kostenexplosion und erste Zweifel im Stadtrat an Beton auf dem Neumarkt Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-25T11:56:07+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-25T11:40:19+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/kostenexplosion-und-erste-zweifel-im-stadtrat-an-beton-auf-dem-neumarkt-759842/ Kategorie: Aktuell --- Innerhalb von gut einem Jahr ist der Kostenrahmen für die Umgestaltung des Osnabrücker Neumarkts von 21,9 auf 35,5 Millionen Euro gestiegen – ein Plus von rund 62 Prozent. Erst im November 2025 hatte der Rat eine deutliche Erhöhung auf knapp 27,7 Millionen Euro beschlossen. Nun fehlen weitere 7,746 Millionen Euro. Noch im Frühjahr 2025 war die Stadt von Kosten in Höhe von 21,9 Millionen Euro ausgegangen. Bis November waren daraus bereits 27,7 Millionen Euro geworden. [HASEPOST berichtete damals über den kräftigen Kostensprung](https://hasepost.de/neumarkt-soll-erst-nach-der-kommunalwahl-umgebaut-werden-und-es-wird-teuer-662271/). ## Kostenexplosion folgt erstaunlich kurz nach der Kommunalwahl Keine zehn Monate nach dieser Mittelfreigabe folgt nun die nächste Korrektur – ausgerechnet kurz nach der Kommunalwahl und noch bevor der neu gewählte Stadtrat überhaupt konstituiert ist und unangenehme Fragen dazu stellen könnte, wie belastbar die Kostenplanung im Baudezernat unter Stadtbaurat Thimo Weitemeier eigentlich ist. Die Stadtverwaltung rechnet inzwischen mit Gesamtkosten von 35.470.631 Euro. Gegenüber dem im vergangenen November beschlossenen Kostenrahmen bedeutet das nochmals ein Plus von knapp 28 Prozent. Gegenüber den zuvor angesetzten 21,9 Millionen Euro sind es rund 13,6 Millionen Euro mehr. ## Konkrete Angebote machen Neumarkt deutlich teurer Auslöser für die jüngste Kostensteigerung ist – so die Verwaltung – vor allem die inzwischen erfolgte Ausschreibung der Frei- und Verkehrsanlagen. Mit der Submission am 31. August liegen erstmals konkrete Preise aus dem Markt vor. Das wirtschaftlichste Angebot beläuft sich laut Stadt auf rund 23,5 Millionen Euro und liegt damit über dem bislang zugrunde gelegten Baukostenansatz. Die Baukosten steigen nach der neuen Berechnung von 21,914 Millionen auf 27,626 Millionen Euro. Hinzu kommen höhere Planungs- und Baunebenkosten: Sie wachsen von 5,810 auf 7,845 Millionen Euro. Unter dem Strich ergibt sich der zusätzliche Finanzbedarf von exakt 7,746 Millionen Euro. ### Granit, Spezialbeton und beleuchtete Schutzblöcke gegen Terrorfahrer Die Mehrkosten erklärt die Verwaltung mit einer ganzen Reihe von Änderungen und Konkretisierungen der Planung. Dazu gehören größere Bäume mit aufwendigeren unterirdischen Pflanzgruben, veränderte Sitzgelegenheiten, zusätzliche Anforderungen an die Entwässerung sowie Konkretisierungen bei Beleuchtung, Ampeln, Event-, Kamera-, Brunnen- und Netzwerktechnik. Bei der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (StUA) stellte Stadtbaurat Weitemeier auch besonders schick von unten beleuchtete Betonblöcke vor, die neben einer Sitzmöglichkeit auch den Schutz gegen durchgeknallte Terrorfahrer zumindest lichttechnisch angenehm in Szene setzen sollen. ### Beton, der fast wie Asphalt aussieht, wird noch teurer Teurer werden ebenso die vom Berliner Architekturbüro Lützow 7 geplanten Oberflächen. Für die Betonflächen wurde eine spezielle Rezeptur entwickelt und eigens [auf dem Gelände der Firma Dyckerhoff ein Testfeld angelegt](https://hasepost.de/warum-der-neumarkt-bald-aussieht-wie-frisch-asphaltiert-aber-beton-verbaut-wird-702834/). Das Ergebnis sieht für den Baustoff-Laien – in diesem Fall den Redakteur – nach Asphalt aus, nur ist die Herstellung erheblich aufwendiger. Die Flächen sollen zusätzlich bearbeitet, grundiert und imprägniert werden – Kostensteigerung inklusive. Bemerkenswerte Pointe der preisgekrönten Platzgestaltung: Ausgerechnet der ohnehin schon klimaschädliche Beton wird dunkel eingefärbt, reflektiert dadurch weniger Sonnenstrahlung und heizt sich stärker auf. Für die Sonderbordsteine an den Bushaltestellen ist inzwischen Granit statt Beton vorgesehen. Die Stadt begründet diese Entscheidungen mit einer höheren Dauerhaftigkeit und einem geringeren Unterhaltungsaufwand. ### Böse Überraschung durch Bodengutachten am Kollegienwall Hinzu kommt ein Problem am Kollegienwall. Ein inzwischen vorliegendes Bodengutachten weist dort hohe Bodenbelastungen aus. Teile des ausgehobenen Materials müssen deponiert werden, was das Bodenmanagement verteuert. Weitere Kosten entstehen unter anderem durch die Wiedereinbindung des Katzenbrunnens als Wasserspiel sowie Anpassungen im Bereich Neuer Graben/Lyrastraße/Alte Münze. ### Geld für andere Projekte wird zum Neumarkt verschoben Von den zusätzlich benötigten 7,746 Millionen Euro sollen 1,153 Millionen Euro noch 2026 innerhalb des Budgets des Fachbereichs umgeschichtet werden. Geld kommt unter anderem von der Radstation am Bahnhof, der Straße „An der Petersburg“, der Radwegverbindung Am Limberg und der ÖPNV-Beschleunigung. Mittel werden außerdem aus der Düstruper Straße und aus dem Teilprojekt Neumarkt-ZOB verschoben. ### Alter Rat gibt Millionen frei – neuer Rat bekommt den Nachtragshaushalt Weitere 6,593 Millionen Euro sollen über den Nachtragshaushalt 2027 finanziert werden. Daneben greift die Stadt bei Verpflichtungsermächtigungen auf Mittel zurück, die ursprünglich unter anderem für den Durchstich Frankenstraße und den Erich-Maria-Remarque-Ring vorgesehen waren. Nach Angaben der Verwaltung werden diese Gelder dort im laufenden Jahr nicht benötigt. ### Zusätzliche Fördermillionen keineswegs sicher Für das Gesamtprojekt kalkuliert die Stadt bislang mit Fördermitteln von insgesamt 10,55 Millionen Euro. Mehrere Förderbescheide stehen noch aus. Ob wegen des jetzt erheblich höheren Kostenrahmens zusätzliche Zuschüsse beantragt werden können, ist offen. Bei den Förderungen der Landesnahverkehrsgesellschaft und des Amtes für regionale Landesentwicklung seien die Höchstbeträge bereits ausgeschöpft, heißt es in der Vorlage. Bei anderen Programmen werde noch geprüft, ob Erhöhungsanträge möglich sind. ### Und noch immer liegen nicht für alles konkrete Preise vor Bemerkenswert ist: Auch die jetzt genannten 35,47 Millionen Euro beruhen noch nicht für sämtliche Teile des Projekts auf konkreten Ausschreibungsergebnissen. Das Dachbauwerk, die Möblierung, das Informationssystem am Zentralen Omnibusbahnhof und die Großbaumpflanzungen sollen erst Anfang 2027 vergeben werden. Für diese Leistungen rechnet die Stadt derzeit weiterhin mit den bisherigen Kostenberechnungen. Einen durch Angebote konkretisierten Kostenstand erwartet die Verwaltung erst im ersten Quartal 2027. ### Rat soll weitere Millionen am Dienstag freigeben Die zusätzlichen 7,746 Millionen Euro sind Bestandteil einer Beschlussvorlage, die am Donnerstag (24. September) im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt auf der Tagesordnung stand. Die Entscheidung über die Mittelfreigabe soll der Rat am kommenden Dienstag (29. September) treffen. Die Verwaltung drängt auf eine schnelle Entscheidung. Der Zuschlag für die bereits ausgeschriebenen Bauleistungen soll im Oktober erfolgen, damit die Hauptbauarbeiten wie vorgesehen im November beginnen können. Ein Abbruch und eine neue Ausschreibung würden nach Einschätzung der Verwaltung den Zeitplan gefährden und könnten Auswirkungen auf Fördermittel haben. ## Ein neuer Ledenhof? FDP-Ratsherr meldet Zweifel am Gesamtprojekt an Einzig FDP-Ratsherr Oliver Hasskamp meldete in der Ausschusssitzung Zweifel an. Ob die Idee mit dem eingefärbten Beton wirklich so gut gewesen sei, stellte der FDP-Politiker in den Raum, und weiter: „Droht das hier ein zweiter Ledenhof zu werden?“ Interessant daraufhin die Antwort von Stadtbaurat Weitemeier, der bereits viel Kritik an der vielfach als [misslungen angesehenen Platzgestaltung am Ledenhof](https://hasepost.de/der-ledenhof-ist-fertig-es-kommt-auf-die-perspektive-an-654961/) aushalten musste und dieses Projekt ebenso wie die Neumarktplanung von seinem umstrittenen Vorgänger Frank Otte übernommen hatte: „Das hätten Sie sich vielleicht vor ein paar Jahren überlegen müssen.“ --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück