# Kommentar: Wie der AfD Kreisverband Osnabrück-Stadt Kommunikation ins Absurde treibt Datum: 25.02.2026 07:30 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/kommentar-wie-der-afd-kreisverband-osnabrueck-stadt-kommunikation-ins-absurde-treibt-685482/ --- In der großen politischen Arena Osnabrücks, wo Wahlkampfstrategien geschmiedet, Social-Media-Posts gezählt und Zuständigkeiten offenbar mit chirurgischer Präzision voneinander getrennt werden, hat sich ein bemerkenswertes Schauspiel abgespielt. Im Mittelpunkt: Florian Meyer, Kreisvorsitzender des Kreisverbands AfD Osnabrück-Stadt, der nach einer Berichterstattung unserer Redaktion in einer E-Mail vor allem eines verteidigt – die korrekte Verwendung von E-Mail-Adressen. Und dabei den Eindruck entstehen lässt, dass die hiesige AfD ein Kommunikationsproblem hat. Ein Kommentar von HASEPOST-Redaktionsleiter Dominik Lapp Alles begann mit einem journalistischen Routinevorgang: Eine Redaktion stellt Fragen, ein Parteivertreter antwortet. Ein alltäglicher Vorgang im politischen Betrieb. Doch was andernorts ein kurzer Austausch geblieben wäre, entwickelte sich hier zu einer Groteske, die selbst Kafka vermutlich als zu konstruiert verworfen hätte. Der Kreisvorsitzende sah sich nämlich nach der Berichterstattung der HASEPOST gezwungen, eine fundamentale Klarstellung vorzunehmen: Die Partei habe gar nicht geantwortet. Geantwortet habe vielmehr jemand, der zwar für die Partei Kandidat für die kommende Kommunalwahl ist, regelmäßig Pressemitteilungen verschickt, Fragen beantwortet, öffentlich Stellung nimmt und sich selbst als Sprecher präsentiert – aber keinesfalls, unter gar keinen Umständen, für die Partei spricht. Sondern ausschließlich für Kandidaten. Die wiederum Kandidaten der Partei sind. Allerdings nicht parteilich, sondern persönlich. Und persönlich wiederum nur im Rahmen streng geregelter Parteilogoverwendung. Wer jetzt verwirrt ist, hat offenbar die feinen Unterschiede noch nicht verstanden. Denn laut Darstellung des Kreisvorsitzenden existiert mutmaßlich eine politisch-organisatorische Parallelwelt: Kandidaten dürfen öffentlich auftreten, aber nicht für die Partei sprechen. Sie dürfen soziale Medien nutzen, aber nur unter bestimmten Logos. Sie dürfen einen Sprecher bestimmen, der Ansprechpartner für die Presse ist – aber dieser Sprecher darf nicht als Pressesprecher verstanden werden. Und wenn Journalisten ihm schreiben, darf er antworten, ohne dass dies eine Antwort der Partei darstellt. Mit anderen Worten: Es gibt Antworten, die keine Antworten sind, Sprecher, die nicht sprechen, und Kommunikation, die ausdrücklich keine Kommunikation sein soll. Besonders bemerkenswert wirkt dabei die Sorge des Kreisvorstands vor einer „unübersichtlichen Flut an Mails“, sollte jeder Kandidat eigenständig Kontakt zur Presse aufnehmen. Ein Szenario, das in demokratischen Parteien gemeinhin als Wahlkampf bezeichnet wird, scheint hier als administrativer Ausnahmezustand gedacht zu werden. Die Redaktion wiederum zeigte sich irritierend pragmatisch: Wer Pressemitteilungen verschickt, Fragen beantwortet und politische Aussagen tätigt, wird journalistisch als Ansprechpartner behandelt. Eine geradezu revolutionäre Auffassung von Realität. Doch der eigentliche Höhepunkt liegt im Kern der Beschwerde: Nicht etwa der Inhalt der Berichterstattung stand im Fokus, sondern die Frage, wer genau offiziell gesprochen hat – oder genauer gesagt: wer offiziell nicht offiziell gesprochen hat. So entsteht das Bild einer politischen Organisation, die weniger damit beschäftigt scheint, Botschaften zu formulieren, als deren Zuständigkeitsdiagramme zu perfektionieren. Während andere Parteien um Wählerstimmen ringen, ringt man hier offenbar um die metaphysische Natur politischer Kommunikation. Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Im Kreisverband AfD Osnabrück-Stadt wurde unfreiwillig ein neues politisches Konzept entwickelt – die quantenmechanische Pressearbeit. Eine Antwort kann gleichzeitig existieren und nicht existieren, ein Sprecher gleichzeitig sprechen und nicht sprechen. Und irgendwo zwischen privater Mailadresse und offizieller Zuständigkeit sitzt der Kreisvorsitzende – wachsam darüber, dass die Wirklichkeit bitte ausschließlich über Mailadressen, die mit @afd-os.de enden, geregelt wird. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück