# Kommentar: Spritpreisdeckel jetzt! Das wäre fair für alle Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-17T05:00:00+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-16T16:44:21+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/kommentar-spritpreise-runter-aber-bitte-fuer-alle-756320/ Kategorie: Aktuell --- Bundeskanzler Friedrich Merz hat erkannt, dass es bei den Spritpreisen nicht mehr nur um ein paar Cent geht. Für viele Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, ist die Belastungsgrenze erreicht. Der Bundeskanzler sagt deshalb: „Wir müssen handeln.“ Gut. Jetzt muss nur noch das richtige Instrument gefunden werden. HASEPOST-Redaktionsleiter Dominik Lapp ist der Meinung, das einzige faire Instrument ist: ein Spritpreisdeckel. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bringt Direktzahlungen für Geringverdiener ins Spiel. Das klingt zunächst sozial. Bei genauerem Hinsehen schafft es aber eine neue Ungerechtigkeit: Wo soll die Grenze liegen? Nehmen wir zwei Familien. Ein Alleinstehender verdient relativ wenig, wohnt günstig und fährt drei Kilometer zur Arbeit. Er bekommt die staatliche Unterstützung. Eine Familie mit zwei Kindern verdient knapp mehr und fällt deshalb aus der Definition des Geringverdieners heraus. Sie zahlt eine höhere Miete und ein Elternteil fährt jeden Tag 60 Kilometer zur Arbeit und zurück. Der Spritpreis belastet diese Familie erheblich stärker – Unterstützung bekommt sie trotzdem nicht. Natürlich ist das ein zugespitztes Beispiel. Aber genau darin liegt das Problem solcher Einkommensgrenzen: Lebenswirklichkeit lässt sich nicht sauber in eine Zahl pressen. Auch eine Zahlung an alle Bürgerinnen und Bürger wäre keine besonders elegante Lösung. Die Energiepreispauschale hat gezeigt, wie viel Geld der Staat dafür in die Hand nehmen muss. Ein Tankrabatt wiederum birgt das Problem, dass niemand garantieren kann, dass eine staatliche Entlastung tatsächlich vollständig an den Verbraucher weitergegeben wird. Ähnliches gilt für eine Senkung der Mineralölsteuer: Auch hier ist keineswegs sicher, dass jeder gesparte Cent beim Autofahrer ankommt. Vielmehr machen sich die Mineralölkonzerne weiter die Tasche voll. Es gibt deshalb ein Instrument, das wesentlich einfacher und transparenter wäre: einen staatlich festgelegten Höchstpreis für Kraftstoff. Polen und Luxemburg haben mit Preisbegrenzungen beziehungsweise staatlichen Eingriffen in die Kraftstoffpreise vorgemacht, dass ein solcher Ansatz grundsätzlich möglich ist. Der Staat legt einen maximalen Preis fest – und der Verbraucher weiß an der Zapfsäule unmittelbar, was ihn der Liter kostet. Der entscheidende Vorteil: Ein Preisdeckel macht keinen Unterschied zwischen Arm und Reich. Er fragt nicht nach Einkommen, Familienstand, Wohnort oder Entfernung zum Arbeitsplatz. Wer tanken muss, wird entlastet. Und zwar genau in dem Moment, in dem die Belastung entsteht. Das ist auch deshalb fairer, weil hohe Spritpreise längst nicht nur Autofahrer treffen. Wer keinen Führerschein besitzt und niemals tankt, spürt die Folgen ebenfalls. Lebensmittel und andere Waren müssen transportiert werden. Handwerker fahren zu ihren Kunden. Lieferdienste bringen Pakete. Busse und andere Fahrzeuge brauchen Kraftstoff. Steigen die Kosten für den Transport, landen sie früher oder später bei den Verbrauchern – unabhängig davon, ob sie selbst ein Auto besitzen. Ein niedrigerer Spritpreis wäre deshalb keine reine Subvention für Autofahrer. Er könnte über niedrigere Transportkosten auch diejenigen erreichen, die gar nicht selbst an die Tankstelle fahren. Natürlich kostet auch ein Preisdeckel den Staat Geld, wenn der Staat den Unterschied zwischen Marktpreis und Höchstpreis ausgleicht. Aber dann ist wenigstens klar, wofür das Geld eingesetzt wird: um einen konkreten Preis zu begrenzen, der derzeit Millionen Menschen und Unternehmen belastet. Der Bundeskanzler sagt, die Bundesregierung müsse handeln. Dann sollte sie nicht zuerst darüber nachdenken, wer welchen Antrag stellen muss und wo die nächste Einkommensgrenze gezogen wird. Sie sollte ein Instrument wählen, das möglichst wenig Bürokratie produziert, keine neuen Härtefälle schafft und bei dem die Entlastung tatsächlich beim Verbraucher ankommt. Ein Preisdeckel wäre genau das: einfach, unmittelbar und für alle gleich. Wenn der Liter Sprit zu teuer wird, sollte der Staat nicht erst prüfen, ob jemand „arm genug“ ist, um sich das Tanken noch leisten zu können. Er sollte dafür sorgen, dass der Preis für alle wieder bezahlbar wird. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück