# Kommentar: SPD Osnabrück setzt auf KI-Plakate – und verschenkt ihre Botschaft Datum: 19.05.2026 08:00 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/kommentar-spd-osnabrueck-setzt-auf-ki-plakate-und-verschenkt-ihre-botschaft-713889/ --- Die Botschaft der neuen SPD-Plakatkampagne in Osnabrück ist eigentlich klar: Wir haben geliefert. Straßenausbaubeiträge abgeschafft, Krippenbeiträge gestrichen, Schulen modernisiert, Wohnungen geschaffen. Alles legitime politische Themen. Alles Dinge, über die man sprechen kann und soll. Doch worüber wir ebenfalls sprechen müssen, ist die erstaunlich schlechte Qualität der Plakate selbst. Ein Kommentar von Dominik Lapp Die Kampagne wirkt nicht wie die Arbeit einer traditionsreichen Volkspartei, sondern wie ein hastig zusammengeklicktes KI-Experiment. Schiefe Bauklötze in der Kindergartenszene, anatomisch fragwürdige Hände auf dem Campusmotiv – bei KI-generierten Bildern sind fehlerhafte Hände inzwischen fast schon ein Running Gag. Und genau danach sehen diese Motive eben auch aus: künstlich, generisch und unprofessionell. Die Stadt im Hintergrund wirkt zudem so gar nicht wie Osnabrück. Das eigentlich Bittere daran: Ausgerechnet die SPD setzt offenbar lieber auf billige KI-Bilder statt auf echte kreative Arbeit. Eine Partei, die sich einst als klassische Arbeiterpartei verstand, spart nun offenbar bei denjenigen, die von kreativer Arbeit leben müssen – Fotografen, Grafikdesigner, Illustratoren. Gerade die Sozialdemokratie müsste doch eigentlich verstehen, was es bedeutet, wenn Berufe durch Automatisierung und Kostendruck verdrängt werden. Natürlich darf und soll Politik moderne Werkzeuge nutzen. KI wird bleiben. Aber wenn eine Partei mit dem Anspruch antritt, für gute Arbeit und faire Bedingungen einzustehen, dann sollte sie vielleicht nicht ausgerechnet bei ihrer eigenen Außendarstellung den Rotstift ansetzen. Hinzu kommt: Plakate sind keine Nebensache. Sie sind die Visitenkarte einer Partei im öffentlichen Raum. Sie sollen Vertrauen schaffen, Kompetenz ausstrahlen und Menschen emotional erreichen. Wenn die Bilder aber aussehen wie fehlerhafte Stockfotos aus einer Gratis-App, verpufft die Botschaft dahinter. So bleibt am Ende vor allem ein Eindruck hängen: inhaltlich ambitioniert, handwerklich verschenkt. [Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie bis zum Ende durchgehalten haben. Meinungsbeiträge spiegeln immer nur die Ansichten des jeweiligen Autors wider – nicht die der gesamten Redaktion. Mein Anliegen – und das unserer Redaktion – ist es, in gekennzeichneten Meinungsbeiträgen wie diesem Denkanstöße zu geben. Ob Sie zustimmen, ablehnen oder irgendwo dazwischenstehen: Wenn ein Kommentar neue Perspektiven eröffnet oder auch nur zum Nachdenken anregt, haben wir unsere Aufgabe erfüllt. „Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung) Bitte denken Sie mehr. Ihr Heiko Pohlmann --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück