# Kommentar: Schwarzer Beton statt Asphalt – wiederholt sich das Ledenhof-Debakel am Neumarkt? Datum: 14.04.2026 21:40 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/kommentar-schwarzer-beton-ledenhof-debakel-neumarkt-702868/ --- Ab September soll der Neumarkt umgestaltet werden. Das Material für die Platzgestaltung: bis zu 30 Zentimeter dicker, schwarz und grau eingefärbter Beton – darunter eine 70 Zentimeter starke Tragschicht, teilweise sogar aus Asphalt, den man an der Oberfläche unbedingt vermeiden will. Das ursprünglich 13 Millionen Euro teure und inzwischen auf fast 30 Millionen Euro fehlkalkulierte Projekt wird am Ende der Bauarbeiten – voraussichtlich Mitte 2029 – folgendes Ergebnis zeigen: einen Platz, der optisch kaum von Asphalt zu unterscheiden ist, aber deutlich teurer kommt und dazu noch ökologisch fragwürdig ist. Ein Kommentar von Heiko Pohlmann Wiederholt sich das Ledenhof-Debakel? Ein Projekt, das der Stadtbaurat ebenfalls von seinem Vorgänger Frank Otte übernehmen musste und bei dem sich keiner getraut hatte, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Ironie an der Geschichte: Beim Ledenhof ersetzte Asphalt ein ursprünglich versprochenes Material, das ökologisch deutlich sinnvoller gewesen wäre. Beim Neumarkt wäre sogar Asphalt die ökologischere Alternative – oder man überdenkt das mit dem Einfärben des Betons noch einmal und achtet bei der Ausschreibung darauf, dass er nicht klimaschädlich produziert wird. Doch obwohl das drohende Debakel sich erneut überdeutlich abzeichnet, wird weitergemacht – zu Lasten des Steuerzahlers. Auch und vor allem, weil sich die Stadt Osnabrück von angeblichen „Künstlern“ in Architekturbüros unter Verweis auf das Urheberrecht und durch die Abhängigkeit von Fördergeldern allerlei Fehlplanungen aufdrängen lässt. So durfte der Rosenplatz nicht mit einem besser geeigneten Material – nennen wir es beim Namen: Asphalt – versehen werden, weil Architekt und Fördergeber dies nicht erlaubten. ### Beton: Es kommt darauf an, wie man ihn verwendet! Aber so schlecht ist Beton als Baumaterial doch gar nicht, mag jetzt manch einer einwenden. Stimmt! Der große Vorteil von Beton gegenüber Asphalt bei der Platzgestaltung ist die helle, reflektierende Oberfläche, die den Hitzeinsel-Effekt mildert. Die wird durch die für den Neumarkt geplante graue bis schwarze Färbung allerdings komplett zunichtegemacht. Man nimmt den hohen CO₂-Fußabdruck der Zementproduktion in Kauf und macht sämtliche Erklärungen der Stadt Osnabrück zur Verpflichtung auf CO₂-Ziele zur Witznummer, ohne den Nutzen für das Stadtklima zu bekommen, den (nicht eingefärbter) Beton durchaus liefern kann. Schuldenstand der Stadt Osnabrück aktuell: Lade... = +220,71 € / Min i Mehr Infos zur Osnabrücker Schuldenuhr Günstiger und flexibler wäre allerdings die vom Architekten abgelehnte Asphaltvariante gewesen, die bei vergleichbarer Optik schneller und günstiger zu verlegen gewesen wäre und bei richtiger Materialauswahl sogar Stickoxide verringern könnte – siehe Infobox. ### Was Beton richtig gut kann, wenn man ihn nicht dunkel einfärbt Höhere Albedo (Reflexion): Helle Oberflächen reflektieren Sonnenlicht, während dunkler Asphalt bis zu 900 Watt/m² Sonnenenergie absorbiert und in Wärme umwandelt. Reduzierung der Oberflächentemperatur: Helle Straßenbeläge können die Oberflächentemperatur um bis zu 17 °C senken. Niedrigere Umgebungstemperatur: Die Lufttemperatur in der Umgebung heller Flächen kann nachts um bis zu 5 °C geringer ausfallen, was zu einer besseren nächtlichen Abkühlung führt. Langlebigkeit: Beton ist oft langlebiger als Asphalt, was langfristig die Umweltbelastung durch einen geringeren Erneuerungsbedarf reduzieren kann. Dunkler Beton kann sich bei direkter Sonneneinstrahlung allerdings unkalkulierbar ausdehnen, was auch durch Dehnungsfugen nicht vollständig ausgeglichen werden kann („Blow-ups“ – also ein Aufplatzen der Fahrbahn durch Hitze – drohen). ### Nachteile von Beton im Klimakontext: CO₂-Intensität: Die Herstellung von Beton beziehungsweise Zement ist sehr energieintensiv und für rund 8 Prozent(!) der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. „Grüner“ Beton ist möglich, oft aber nicht in der benötigten Qualität verfügbar oder deutlich teurer als der Standard. PS: Es gibt spezielle helle Asphaltsorten, die ebenfalls Sonnenlicht reflektieren und zusätzlich mithilfe von Titandioxid auch noch aktiv die Luft verbessern und Stickoxide abbauen! Quelle: eigene Recherchen und ✨ Google Gemini Pro ### Ein Konzept aus einer inzwischen völlig anderen Zeit Noch absurder wird das drohende Neumarkt-Debakel, wenn man die Entstehungsgeschichte betrachtet. Die Planung stammt aus einem Gestaltungswettbewerb, der stattfand, als man noch von einem Neumarkt ohne Busverkehr ausging, als das Shopping in der Innenstadt noch nicht durch Amazon & Co. unter Druck stand und vor allem: da waren die Kassen noch nicht so massiv geleert wie heute. Und wichtig: Der auf dem Rosenplatz verwendete Beton hatte sich zum Zeitpunkt der Neumarkt-Pläne nicht nicht zerbröselt. Ob die teure Rosenplatz-Renovierung nun halten wird, ist eine riskante Wette auf die Zukunft. Was, wenn wir in ein paar Jahren einen erneut kaputten Rosenplatz und einen ebenfalls nicht wie geplant haltbaren Neumarkt haben? Von Garantien durch die Beton-Hersteller ist nichts zu hören. Auch die scheinen nicht an ihr teures Material zu glauben, was den Einsatz im Straßenbau angeht. Noch dazu wurde die Neumarkt-Umgestaltung geplant, bevor Klimaneutralität für die Stadt und Hitzeanpassung bei städtischen Flächen ernsthaft ein Thema waren. Damals ging es vor allem um die Gestaltung in einem wirtschaftlichen Umfeld, das noch ohne den Zusatz „Krise“ auskam. Heute, mit deutlich höheren Anforderungen an Entsiegelung und Klimaresilienz, hält man an diesem betongewordenen Konzept fest – völlig ignorierend, dass bereits die preisgekrönte Umgestaltung des Ledenhofs sich objektiv als Totalversagen entpuppt hat – warum sonst sucht das Stadtmarketing bereits wenige Monate nach der Fertigstellung des Ledenhofs nach Möglichkeiten, ihn doch noch irgendwie attraktiver zu machen als die Hitzeinsel, die der Ledenhof jetzt ist. Was machen eigentlich die Grünen in Osnabrück so politisch? Angeblich soll Klimaschutz ja ein Thema dieser Partei sein? ### Vorsicht ist geboten: Frank Otte glaubt an dieses Konzept … Man hätte schon früh gewarnt sein können! Dass der Vorgänger des jetzigen Stadtbaurats den zukünftig großflächig schwarz-grau betonierten Neumarkt bei seiner Verabschiedung als baldiges „Vorzeigeprojekt“ bezeichnete, hätte bei Thimo Weitemeier und allen politisch Verantwortlichen im Stadtrat eigentlich alle Alarmglocken schrillen lassen und dafür sorgen müssen, dieses Projekt umgehend zu stoppen und erneut zu überdenken. War der von Weitemeiers Stadtbaurat-Vorgänger initierte Umbau des Schlossgartens und der Ledenhof nicht Warnung genug? [Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie bis zum Ende durchgehalten haben. Meinungsbeiträge spiegeln immer nur die Ansichten des jeweiligen Autors wider – nicht die der gesamten Redaktion. Mein Anliegen – und das unserer Redaktion – ist es, in gekennzeichneten Meinungsbeiträgen wie diesem Denkanstöße zu geben. Ob Sie zustimmen, ablehnen oder irgendwo dazwischenstehen: Wenn ein Kommentar neue Perspektiven eröffnet oder auch nur zum Nachdenken anregt, haben wir unsere Aufgabe erfüllt. „Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung) Bitte denken Sie mehr. Ihr Heiko Pohlmann --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück