# Kommentar: Lässt sich die Stadt Osnabrück am Nasenring durch die Manege führen? Oder: Warum Robert Alferink recht hat Datum: 22.04.2026 13:23 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/kommentar-laesst-sich-die-stadt-osnabrueck-am-nasenring-durch-die-manege-fuehren-705602/ --- Der Vorstoß von OB-Kandidat Robert Alferink (SPD) wirkt auf den ersten Blick wie ein politischer Schnellschuss: Die Stadt solle die ehemalige Galeria-Immobilie am Neumarkt kaufen, um Stillstand zu verhindern. Ausgerechnet jetzt, wo offenbar ein neuer Investor in den Startlöchern steht. Hat sich die Forderung damit erledigt? Keineswegs. Ein Kommentar von HASEPOST-Redaktionsleiter Dominik Lapp Im Grunde hat Alferink recht. Er spricht ein Problem an, das Osnabrück seit Jahren lähmt: das Prinzip Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Investoren liefern. Hoffnung darauf, dass aus großen Ankündigungen konkrete Projekte werden. Hoffnung darauf, dass der Neumarkt irgendwann mehr ist als eine Ansammlung von Versprechen, Ruinen und Dauerbaustellen. Die Realität sieht anders aus. Das alte Galeria-Gebäude steht seit vielen Jahren leer. Das „Osnabrücker Ding“? Gescheitert. Der „Zauberwürfel“? Ein Versprechen im Wartestand. Die Johannishöfe? Noch immer Zukunftsmusik. Und rundherum: weitere Problemimmobilien wie die ehemalige Sportarena und das Telekom-Gebäude, die den Eindruck eines städtebaulichen Stillstands zementieren. Natürlich: Die Stadt ist hoch verschuldet. Natürlich kann und soll sie nicht jedes Risiko selbst schultern. Aber sie setzt Prioritäten – und investiert Millionen an anderer Stelle wie der Bremer Brücke. Warum also nicht auch dort, wo es um das Herz der Innenstadt geht? Der Neumarkt ist kein Randthema. Er ist Verkehrsknotenpunkt und zentrales Symbol für die Frage, wie viel Gestaltungsmacht sich eine Stadt noch zutraut. Auch die neuen Pläne klingen vertraut: universitäre Nutzung, studentisches Wohnen, etwas Einzelhandel. Alles sinnvoll – auf dem Papier. Doch die entscheidende Frage bleibt: Für wen wird hier gebaut? Für die breite Stadtgesellschaft oder für jene, die sich steigende Mieten leisten können? Und: Wird diesmal wirklich umgesetzt, was angekündigt wird? Oder lässt sich die Stadt erneut von einem Investor am Nasenring durch die Manege führen? Misstrauen ist keine schlechte Haltung, wenn es um den Neumarkt geht. Zu oft wurde die Stadt in den vergangenen Jahren vertröstet. Zu oft hat sie zugesehen, statt selbst zu gestalten. Soll die Stadt weiter Zuschauerin bleiben? Vielleicht ist es an der Zeit, ernsthaft zu diskutieren, was Stillstand eigentlich kostet – wirtschaftlich, städtebaulich und für das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Der Neumarkt ist längst zu einer Neverending Story geworden. Ein neuer Investor kann das ändern. Muss es aber nicht. Sicher ist nur: Ankündigungen gab es genug. Was fehlt, sind Ergebnisse. Und die tatsächlich umgesetzten Neubauten in der Johannis- und Möserstraße bestätigen lediglich die Regel. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück