# Kommentar: Falsche Feinde, falsche Freunde Datum: 26.07.2026 18:18 Kategorie: Kommentar URL: https://hasepost.de/kommentar-falsche-feinde-falsche-freunde-735691/ --- Am Samstag konnte man in der Osnabrücker Innenstadt etwas Ungewohntes beobachten. Die AfD hatte einen Infostand aufgebaut, und eine Gegendemonstration verlief offensichtlich friedlich – das muss man anerkennen. Die Kritiker der AfD verteilten freundlich Flyer, boten Kekse an, suchten das Gespräch und hielten Banner hoch, die die AfD als queerphobisch brandmarkten – weil sie das so glauben. Ein Kommentar von Heiko Pohlmann Keine Gewalt, keine Eskalation. Ein Bild zivilen Protests und des Wettstreits von Meinungen. Keine gereckten Mittelfinger, kein Lärm und keine kindischen Parolen („Ganz Osna hasst die …“), in denen unfreiwillig genau der Hass ausgedrückt wird, den man doch eigentlich der AfD unterstellt. Ich hoffe, das bleibt so bis zum Wahltag am 13. September – und darüber hinaus. Kaum einen halben Tag später fuhr in Berlin ein mutmaßlicher Islamist in eine Gruppe von CSD-Teilnehmern. Eine vermutlich queere Frau starb, mindestens 16 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Die tragische Ironie liegt auf der Hand: Während man in Osnabrück Kekse und Flyer gegen die angebliche Homophobie der AfD austeilte, tötete und verletzte jemand aus einem ideologischen Umfeld, das Homosexualität als todeswürdig betrachtet, feiernde Menschen mitten in der Hauptstadt. Viele in der linken und aktivistischen Queer-Szene scheinen die falschen Feinde identifiziert zu haben – und haben falsche Freunde, wenn sie zum Beispiel ernsthaft Queerness mit dem Terror der islamistischen Hamas-Terroristen verknüpfen. Bei CSD-Umzügen sieht man nicht selten Solidaritätsbekundungen mit Palästina. Ausgerechnet mit einem Gebiet, das von den Mullahs des Iran gestützt wird und in dem ein schwuler Mensch mit extrem kurzer Lebenserwartung rechnen muss. Homophobie ist bei den Strippenziehern des Hamas-Terrorismus kein Randphänomen, sondern Staatsdoktrin. Wer in Teheran offen homosexuell ist, wird vom Hochhausdach gestoßen oder am Baukran erhängt. Während in Israel bei der Tel Aviv Pride im vergangenen Juni mehr als 100.000 friedlich auf den Straßen feierten! Alice Weidel, die lesbische Co-Vorsitzende der AfD, und die parteiinterne Gruppierung „Alternative Homosexuelle“ zeigen, dass Homosexualität und AfD-Mitgliedschaft keinen automatischen Widerspruch bilden. Gerald Grosz, österreichischer Vordenker der neuen Rechten, lebt sein Schwulsein offen aus, wie vermutlich Tausende AfD-Mitglieder auf allen Ebenen der Partei – weil es halt eine ganz normale Spielart der menschlichen Sexualität und sexuellen Orientierung ist – auch bei konservativen Menschen. Etwas, das man feiern kann und verteidigen muss – aber auch etwas, das für viele Menschen schlicht Privatsache ist und eigentlich nicht der Rede wert. Und auch das ist ein interessanter Fakt: Bei einer Umfrage unter über 60.000 Nutzern der schwulen Dating-Plattform Romeo lag die AfD im vergangenen Jahr mit 27,9 Prozent klar vorne – besonders bei den 18- bis 24-Jährigen mit 34,7 Prozent. Nun war diese Frage – trotz der hohen Zahl an Befragten – sicher nicht repräsentativ, aber es zeigt: Es ist nicht die gesamte Szene unter dem Regenbogen der Überzeugung, dass schwules und selbstbestimmtes Leben und die AfD nicht zusammenpassen. Es ist wohl eher eine kleine, besonders laute und politisch sehr aktive Szene, die vor allem eines will: provozieren und eine linke Agenda durchsetzen. Aber Vorsicht bei der Wahl der Freunde; es könnten falsche Freunde sein, die ein Leben in Selbstbestimmung und sexueller Freiheit noch viel mehr hassen als ihr die AfD. [Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie bis zum Ende durchgehalten haben. Meinungsbeiträge spiegeln immer nur die Ansichten des jeweiligen Autors wider – nicht die der gesamten Redaktion. Mein Anliegen – und das unserer Redaktion – ist es, in gekennzeichneten Meinungsbeiträgen wie diesem Denkanstöße zu geben. Ob Sie zustimmen, ablehnen oder irgendwo dazwischenstehen: Wenn ein Kommentar neue Perspektiven eröffnet oder auch nur zum Nachdenken anregt, haben wir unsere Aufgabe erfüllt. „Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung) Bitte denken Sie mehr. Ihr Heiko Pohlmann --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück