# Kommentar: BOB schickt Radfahrer auf Umwege – und verkennt das Problem der Iburger Straße Datum: 31.03.2026 14:00 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/kommentar-bob-schickt-radfahrer-auf-umwege-und-verkennt-das-problem-der-iburger-strasse-697839/ --- Es ist ein bemerkenswerter Vorschlag, den der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) auf seiner Webseite präsentiert: Radfahrer sollen die Iburger Straße in Osnabrück doch bitte einfach meiden. Problem gelöst. Verkehrsplanung kann so einfach sein – man muss nur die Betroffenen konsequent aus dem Problem entfernen. Ein Kommentar von HASEPOST-Redaktionsleiter Dominik Lapp Die empfohlene Route liest sich dabei wie ein kleiner touristischer Geheimtipp: vorbei an der Miquelkirche, entlang des Riedenbachs, durch „ansprechende Bereiche des Viertels“. Man möchte fast den Picknickkorb packen. Nur: Wer morgens zur Arbeit will oder nachmittags gezielt zu einem Geschäft an der Iburger Straße muss, dürfte sich fragen, ob er versehentlich in einen Freizeitführer geraten ist. Denn so charmant die Alternativroute sein mag – sie hilft genau dann nicht, wenn man tatsächlich zur Iburger Straße muss und diese nicht bloß als Transferroute nutzen möchte. Und das kommt – welch Überraschung – gar nicht so selten vor, denn an der Iburger Straße gibt es beispielsweise eine ganze Menge Geschäfte und Gastronomiebetriebe, allerdings wenig Parkplätze, weshalb das Fahrrad eine gute Alternative ist, um eine Adresse an dieser stark befahrenen Straße zu erreichen. Die BOB-Idee funktioniert also vor allem für den Durchgangsverkehr auf zwei Rädern. Für alle anderen gilt: Bitte einmal elegant um den eigenen Zielort herumradeln. Vielleicht lässt sich das Geschäft ja auch vom Deisterweg aus erahnen. Den Rest des Weges soll mann dann fliegen? Oder hat schon jemand das Beamen erfunden? Doch hinter dem Vorschlag steckt mehr als nur ein Hang zur idyllischen Umleitung. Er offenbart ein grundlegendes Muster in der Debatte: Wenn es eng wird im Straßenraum, sollen Radfahrer ausweichen. Auf die Nebenstrecke, in die Parallelstraße, ins Grüne. Hauptsache, sie stören nicht auf der Hauptachse. Dass Straßen wie die Iburger Straße Teil des Alltagsraums aller Verkehrsteilnehmer sind – auch derer auf dem Fahrrad –, scheint dabei eher als Randnotiz zu gelten. Das Argument der „Leichtigkeit des Verkehrs“ wird bemüht, als sei sie ein Naturgesetz – und nicht eine politische Abwägung. Flüssiger Verkehr für wen? Für das Auto, offensichtlich. Dass zur Leichtigkeit des Verkehrs auch gehört, dass sich Menschen sicher fortbewegen können, ohne beim Überholen von der Straße gedrängt zu werden, findet erstaunlich wenig Beachtung. Dabei ist die Regel denkbar simpel: 1,5 Meter Abstand beim Überholen. Kein innovatives Verkehrskonzept, sondern geltendes Recht. Stattdessen wird die Verlagerung zur Lösung erklärt. Ein Déjà-vu stellt sich ein: Schon auf der Pagenstecherstraße heißt es, Radfahrer mögen doch bitte die parallel verlaufende Natruper Straße nutzen. Das Prinzip ist bekannt: Die Hauptstraßen bleiben den Autos vorbehalten, die Alternativen den anderen. Man könnte es auch so formulieren: Infrastruktur folgt dem Stärkeren. Die Pointe ist dabei fast schon unfreiwillig komisch: Während Radfahrer Umwege fahren sollen, um Konflikte zu vermeiden, bleibt eine naheliegende Lösung weitgehend unerwähnt – nämlich, dass Autofahrer ihr Verhalten anpassen. Dass sie Abstand halten. Dass sie Geschwindigkeit reduzieren, wo es nötig ist. Dass sie akzeptieren, dass Straßen keine exklusiven Verkehrsadern sind, sondern geteilte Räume. Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung in der Debatte: nicht die Umweltspur, nicht die vermeintliche „künstliche Verengung“, sondern die Vorstellung, dass sich auch Autofahrer verändern müssten. Die Botschaft bleibt klar: Wer auf dem Rad unterwegs ist, soll bitte eine andere Strecke nehmen. Und wer unbedingt zur Iburger Straße muss? Der hat eben Pech gehabt. [Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie bis zum Ende durchgehalten haben. Meinungsbeiträge spiegeln immer nur die Ansichten des jeweiligen Autors wider – nicht die der gesamten Redaktion. Mein Anliegen – und das unserer Redaktion – ist es, in gekennzeichneten Meinungsbeiträgen wie diesem Denkanstöße zu geben. Ob Sie zustimmen, ablehnen oder irgendwo dazwischenstehen: Wenn ein Kommentar neue Perspektiven eröffnet oder auch nur zum Nachdenken anregt, haben wir unsere Aufgabe erfüllt. „Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung) Bitte denken Sie mehr. Ihr Heiko Pohlmann --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück