# Knapp 10.000 heimliche Aufnahmen: Orthopäde aus Bramsche zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt Datum: 13.05.2026 13:06 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/knapp-10-000-heimliche-aufnahmen-orthopaede-aus-bramsche-zu-mehr-als-fuenf-jahren-haft-verurteilt-712374/ --- Ein Orthopäde, der früher in Bramsche tätig war, hat über Jahre hinweg heimlich Patientinnen fotografiert und sie in zahlreichen Fällen aus sexuellen Motiven im Intimbereich berührt. Nun hat das Landgericht Osnabrück ein deutliches Urteil gesprochen: Der 43-Jährige wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Zudem darf er nie wieder orthopädische Behandlungen an weiblichen Patientinnen durchführen. ## Ein Fall mit erschütterndem Ausmaß Die 18. Große Strafkammer des Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der Mediziner in insgesamt 192 Fällen heimlich Bildaufnahmen von Patientinnen gemacht hatte. Das geschah laut Gericht mithilfe eines Mobiltelefons, das auf seinem Schreibtisch im Behandlungsraum positioniert war. Viele der Betroffenen waren während der Untersuchungen am Oberkörper oder im Intimbereich entkleidet. Besonders schwer wiegt nach Auffassung der Richter, dass der Angeklagte zahlreiche Patientinnen zusätzlich aus sexueller Motivation heraus berührte. In mehreren Fällen handelte es sich dabei um Kinder und Jugendliche. Dadurch erfüllten die Taten nach Ansicht des Gerichts auch Straftatbestände im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie.Das Verfahren hatte bereits im Oktober 2025 begonnen. Drei Sachverständige begleiteten den Prozess. ### Gericht sieht voyeuristische Erkrankung Die Kammer kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte an Voyeurismus leidet. Bei 17 Taten sei seine Schuldfähigkeit vermindert gewesen. Laut den Gutachtern habe er ab September 2021 unter einem krankheitsbedingten inneren Druck gestanden, die heimlichen Aufnahmen anzufertigen. Für das Gericht spielte dabei auch eine Rolle, dass der Arzt zunehmend riskanter vorging. Teilweise seien Angehörige oder Praxisangestellte bei den Untersuchungen anwesend gewesen. In einigen Fällen habe der Angeklagte Patientinnen sogar unangekündigt selbst entkleidet. Trotz dieser Einschränkung sah die Kammer eine erhebliche Schuld. Besonders belastend seien die Folgen für die Opfer gewesen. ### Opfer berichten von Scham und Vertrauensverlust Viele Betroffene schilderten vor Gericht ihre Reaktionen auf die Taten. Sie seien geschockt, traurig und wütend gewesen. Einige hätten berichtet, das Vertrauen in Ärzte verloren zu haben. Auch Scham habe bei vielen Opfern eine große Rolle gespielt. Im Laufe des Verfahrens sichtete das Gericht knapp 10.000 Fotos. Hinweise darauf, dass die Aufnahmen im Internet verbreitet wurden, gab es nach Angaben der Kammer allerdings nicht. Ebenso gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte die Bilder später für weitere sexuelle Handlungen genutzt habe. ### Berufsverbot statt Psychiatrie Neben der Haftstrafe verhängte das Gericht ein dauerhaftes Berufsverbot für orthopädische Behandlungen an weiblichen Patientinnen. Die Richter sahen darin das mildere Mittel gegenüber einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Zur Begründung führte die Kammer an, dass der Angeklagte die Straftaten ausschließlich im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit und ausschließlich gegenüber weiblichen Patientinnen begangen habe. Durch das Berufsverbot könne die Gefahr weiterer Taten ausreichend begrenzt werden. Mildernd wertete das Gericht unter anderem, dass der Angeklagte sich zur Sache eingelassen hatte, inzwischen ärztlich behandelt wird und seine Approbation auf eigene Initiative ruhen lässt. Zudem habe er teilweise Entschädigungszahlungen an Opfer geleistet. ### Urteil noch nicht rechtskräftig Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung und die Nebenklägerinnen können binnen einer Woche Revision beim Bundesgerichtshof einlegen. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück