# Kindeswohlgefährdungen auf neuem Höchststand Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-08-14T08:42:19+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-08-14T11:52:50+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/kindeswohlgefaehrdungen-auf-neuem-hoechststand-743329/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Die Jugendämter in Deutschland haben 2025 bei rund 79.800 Kindern oder Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr und der vierte Anstieg in Folge. Seit 2012 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. ## Vernachlässigung und psychische Gewalt am häufigsten Am häufigsten wurden Anzeichen von Vernachlässigung (58 Prozent) und psychischen Misshandlungen (38 Prozent) festgestellt. Körperliche Misshandlungen betrafen 29 Prozent der Fälle, sexuelle Gewalt fünf Prozent. 25 Prozent der Kinder wiesen sogar Anzeichen für mehrere Gefährdungsarten auf – 2015 waren es noch 16 Prozent. Alle vier Kategorien stiegen im Vergleich zum Vorjahr, besonders stark Vernachlässigung (+3.950 Nennungen) und psychische Misshandlungen (+3.250). ### Eltern als Hauptverantwortliche, Hilfemaßnahmen in 91 Prozent In 74 Prozent der Fälle ging die Gefährdung von der Mutter oder dem Vater aus. In vier Prozent war ein Stiefelternteil oder neuer Partner betroffen, in fünf Prozent eine andere Person. In neun Prozent waren mehrere Personen beteiligt, ohne dass eine Hauptverantwortung ausgemacht werden konnte. In sieben Prozent blieb die Ursache unklar. Zur Beendigung der Gefährdung wurde in 91 Prozent der Fälle eine Hilfe oder Schutzmaßnahme vereinbart. In 18 Prozent der Fälle riefen die Jugendämter das Familiengericht an, etwa wenn Eltern nicht kooperierten. Die Jugendämter prüften 2025 fast 268.300 Verdachtsfälle – ein Plus von zwölf Prozent. Die meisten Hinweise kamen von Polizei und Justiz (30 Prozent) sowie aus der Bevölkerung (22 Prozent). Schulen und Kindertagesbetreuung meldeten 16 Prozent, die Kinder-, Jugend- und Erziehungshilfe 12 Prozent. Nur knapp ein Zehntel der Hinweise stammte von den Familien selbst, also von den betroffenen Minderjährigen (2 Prozent) oder deren Eltern (7 Prozent). Die meisten betroffenen Jungen und Mädchen (40 Prozent) wuchsen 2025 bei beiden Eltern gemeinsam auf, 37 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil. Weitere 14 Prozent lebten bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft, neun Prozent in einem Heim, bei Verwandten oder an einem anderen Ort. Etwa jedes zweite betroffene Kind (51 Prozent) war höchstens acht Jahre alt, etwa jedes vierte (26 Prozent) maximal vier Jahre. Im Schnitt lag das Alter bei 8,5 Jahren. In 43 Prozent aller Fälle nahmen die Kinder oder Jugendlichen bereits eine Leistung der Jugendhilfe in Anspruch, in etwa jedem vierten Fall (27 Prozent) war innerhalb des Jahres bereits eine Meldung zu dem Kind eingegangen. Seit 2012 haben die Kindeswohlgefährdungen mit Ausnahme der Jahre 2017 (-0,1 Prozent) und 2021 (-1,0 Prozent) kontinuierlich zugenommen. Gründe für das starke Wachstum können – neben einer tatsächlichen Zunahme der Gefährdungsfälle – auch eine höhere Wachsamkeit und Anzeigebereitschaft beim Thema Kinderschutz, Verbesserungen in der Kooperation und Qualifizierung der Fachkräfte und gesetzliche Neuerungen sein. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück