# Kinderbibliothek im ehemaligen Prelle-Gebäude: Stadt sieht große Chancen – Politik hat Zweifel Datum: 11.05.2026 11:08 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/kinderbibliothek-im-ehemaligen-prelle-gebaeude-stadt-sieht-grosse-chancen-politik-hat-zweifel-711356/ --- Die Idee klingt auf den ersten Blick charmant: Mitten in der Osnabrücker Innenstadt soll im ehemaligen Prelle-Gebäude an der Krahnstraße eine neue Kinder- und Jugendbibliothek entstehen – als moderner Treffpunkt für Familien, Kinder und Jugendliche. In der Politik stößt das Vorhaben grundsätzlich auf breite Zustimmung. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich offene Fragen, strategische Zweifel und erhelicher Diskussionsbedarf. In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wurde deshalb noch keine Entscheidung getroffen. Stattdessen vertagten die Mitglieder die Beratungen. Der ursprüngliche Zeitplan, der eine Eröffnung der Kinderbibliothek bereits im Frühjahr 2027 vorsah, dürfte sich damit deutlich verschieben. ## Mehr Platz für Kinder – und Entlastung für die Innenstadtbibliothek Aus Sicht der Stadtverwaltung bietet das seit längerer Zeit leer stehende Gebäude eine große Chance – sowohl für die Bildungsarbeit als auch für die Entwicklung der Innenstadt. Geplant ist eine Kinderbibliothek als so genannter Dritter Ort: ein offener Raum zwischen Zuhause und Arbeitsplatz beziehungsweise Schule, der ohne Konsumzwang zum Lesen, Lernen und Begegnen einlädt. Bibliotheksleiterin Martina Dannert machte im Ausschuss deutlich, dass die bestehende Stadtbibliothek am Markt längst an ihre Grenzen gestoßen sei. Durch den Umzug der Kinder- und Jugendbibliothek könnten am bisherigen Standort rund 500 Quadratmeter frei werden – dringend benötigte Fläche für den laufenden Betrieb. Vor allem die CDU hob die Chancen hervor, die das Projekt für frühkindliche Bildung und die Belebung der Innenstadt bieten könne. Befürworter sehen in dem Gebäude einen niedrigschwelligen, familienfreundlichen Treffpunkt mitten im Zentrum der Stadt. So stellt sich die Stadt das Erdgeschoss der neuen Kinderbibliothek vor, verweist aber darauf, dass es sich hierbei lediglich um eine KI-generierte Visualisierung handelt. / Foto: Stadt Osnabrück ### Ist das Gebäude wirklich die große Lösung? Doch je konkreter die Pläne werden, desto deutlicher werden auch die kritischen Stimmen. Mehrere Fraktionen hinterfragten, ob tatsächlich zuerst ein überzeugendes Bibliothekskonzept entwickelt worden sei oder ob vor allem für eine leer stehende Immobilie eine Nutzung gesucht werde. Nach Informationen aus politischen Kreisen könnte das Gebäude in der Krahnstraße für bis zu 20 Jahre angemietet werden. Besonders umstritten ist die langfristige strategische Wirkung des Projekts auf die Zukunft der gesamten Stadtbibliothek. FDP, SPD und Grüne warnten davor, sich mit einer dauerhaften Auslagerung der Kinderbibliothek frühzeitig auf eine dezentrale Lösung festzulegen. Kritiker zweifeln zudem daran, dass das Gebäude tatsächlich die große Vision eines modernen, offenen Stadtortes erfüllen kann. Auch praktische Fragen wurden im Ausschuss intensiv diskutiert: Wie sicher gelangen Kinder dorthin? Wie gut ist die Verkehrsanbindung? Gibt es ausreichend Fahrradstellplätze? Wie barrierefrei ist das Gebäude? Und wie praktikabel ist die Nutzung über mehrere Etagen hinweg? Die Verwaltung räumte ein, dass unter anderem ein Aufzug sowie ein Behinderten-WC notwendig seien. Es sind Umbauarbeiten notwendig. Die Stadt möchte dazu eine Million Euro in die Hand nehmen. / Foto: Dominik Lapp ### Initiative „Haus des Wissens“ fordert langfristige Lösung Zusätzlichen Druck in die Debatte bringt nun die Initiative „Haus des Wissens“. In einer ausführlichen Stellungnahme begrüßt der Initiativkreis zwar grundsätzlich, dass die Stadt Geld für die Bibliotheksarbeit von Kindern und Jugendlichen investieren will. Zugleich macht die Initiative aber deutlich, dass eine Unterbringung in der Krahnstraße aus ihrer Sicht höchstens eine Übergangslösung sein könne. „Eine Verlagerung der Kinder- und Jugendbibliothek in die Krahnstraße 43 kann nur eine zeitlich begrenzte Zwischenlösung sein“, heißt es in der Erklärung. Die Initiative verweist auf zahlreiche Nachteile des Standorts. So sei das Umfeld stark vom Einkaufsverkehr geprägt und biete Kindern und Jugendlichen außerhalb des Gebäudes keine verkehrsberuhigten Aufenthaltsflächen. Außerdem sei selbst mit zusätzlichen 500 Quadratmetern die Zukunftsfähigkeit der Stadtbibliothek nicht gesichert. Für eine moderne Bibliothek brauche Osnabrück langfristig deutlich mehr Raum – nach Einschätzung der Initiative etwa 7.000 Quadratmeter. Auch das Konzept einer isolierten Kinderbibliothek wird kritisch gesehen. Familien bräuchten Angebote für alle Altersgruppen an einem gemeinsamen Ort. Dies könne nur ein umfassendes „Haus des Wissens“ leisten, wie es an der Hakenstraße denkbar sei. ### Entscheidung wohl erst später Die Diskussion zeigt: Die Idee einer neuen Kinderbibliothek begeistert viele, doch die Frage nach dem richtigen Ort und der langfristigen Strategie bleibt offen. Während die einen in der Krahnstraße die Chance sehen, schnell einen modernen Begegnungsort für Familien zu schaffen, warnen andere davor, damit die Zukunft der gesamten Stadtbibliothek auf Jahre festzuschreiben. Wegen des hohen Beratungsbedarfs in den Fraktionen gilt inzwischen als wahrscheinlich, dass sich die Entscheidung über das Projekt deutlich verzögern wird. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück