Die Vorsitzenden der Jugendorganisationen der im Bundestag vertretenen Parteien bewerten das Zeigen der deutschen Nationalfarben während der WM sehr unterschiedlich. Während einige das Schwarz-Rot-Gold selbstverständlich zur Schau stellen wollen, zeigen sich andere zurückhaltend und verweisen auf problematische Vereinnahmungen durch Rechtsextreme.
Bandbreite der Positionen zu Schwarz-Rot-Gold
Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, kündigte gegenüber dem „Spiegel“ an, er werde in den kommenden Wochen mit der deutschen Mannschaft mitfiebern und auch Fanartikel wie Fahne oder Wimpel zeigen. Das Zeigen der Nationalfarben stelle aus seiner Sicht kein Problem dar. „Was gibt es Schöneres, als sich zu Einigkeit und Recht und Freiheit zu bekennen?“, sagte Winkel dem „Spiegel“.
Der Bundesvorsitzende der Jusos, Philipp Türmer, sagte: „Natürlich feuere ich auch die deutsche Mannschaft an. Sie steht für mich für ein diverses, modernes und weltoffenes Deutschland. Das war nicht immer so und ein langer Weg.“ Zum Fußballschauen ziehe er ein Trikot der deutschen Mannschaft an, sagte er dem „Spiegel“. Aber eine deutsche Fahne werde er nicht aufhängen oder schwenken. „Ich habe viel Zeit in meinem Leben auf Gegendemos verbracht, bei denen sich auf der anderen Seite der Polizeikette die Faschos mit Schwarz-Rot-Gold geschmückt haben“, sagte Türmer dem „Spiegel“.
Zwischen Unbehagen und Verständnis
Der Co-Sprecher der Grünen-Jugend, Luis Bobga, freut sich nach eigenen Angaben auf die WM. Er ist sich aber unschlüssig, ob er selbst WM-Accessoires wie ein Trikot der deutschen Mannschaft öffentlich zeigen wird. „Und wehende Deutschlandfahnen lösen bei mir leider keine schönen Gefühle aus“, sagte er dem „Spiegel“. Er habe aber Verständnis für Menschen, die die Fahne zeigen. „Es wäre völlig absurd zu behaupten, dass jeder, der Schwarz-Rot-Gold zeigt, politisch am rechten Rand steht“, so Bobga gegenüber dem „Spiegel“.
Warnung vor Vereinnahmung durch Rechtsaußen
Limes Schäfer, einer der Sprecher der Linksjugend solid, sagte dem „Spiegel“: „Nicht alle, die mit den Nationalspielern mitfiebern, tun dies aus patriotischen Gründen oder aus einer völkisch-nationalistischen Ideologie heraus.“ Akteure der extremen Rechten nutzten aber die große Verbreitung von Nationalfarben-Accessoires für ihre politische Agenda – und das sei höchst bedenklich, so der Sprecher des Nachwuchses der Linkspartei zum „Spiegel“.
Der Bundesvorsitzende des AfD-Nachwuchses „Generation Deutschland“, Jean-Pascal Hohm, sagte dem „Spiegel“: „Selbstverständlich fiebern wir als Generation Deutschland und ich persönlich mit der deutschen Mannschaft mit.“ Hohm fügte hinzu: „Schwarz-Rot-Gold gehört für uns nicht in die Kiste mit der Fußball-Deko, sondern in den Alltag.“
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