# Jubiläum am Klinikum Osnabrück: 100 Jahre Pflegeausbildung am Finkenhügel Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-19T09:00:20+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-17T11:28:40+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/jubilaeum-am-klinikum-osnabrueck-100-jahre-pflegeausbildung-am-finkenhuegel-756678/ Kategorie: Aktuell --- Vor genau 100 Jahren, am 1. Oktober 1926, begann am Finkenhügel am damaligen Stadtkrankenhaus – dem Vorläufer des heutigen Klinikums Osnabrück – die Ausbildung von Krankenschwestern. Aus den ersten 19 Schwesternschülerinnen entwickelte sich die heutige Akademie des Klinikums Osnabrück, an der inzwischen acht Gesundheitsberufe erlernt und in Kooperation mit Hochschulen vier Studiengänge absolviert werden können. ## Festakt zum 100. Geburtstag der Akademie Das Jubiläum „100 Jahre Pflegeausbildung am Klinikum Osnabrück“ und damit zugleich der 100. Geburtstag der Akademie wurden nun mit einem Festakt gewürdigt. Moderiert von Akademieleiterin Dr. Janika Grunau blickten die Gäste dabei sowohl auf die Geschichte der Pflegeausbildung als auch auf ihre Zukunft. ### Brickwedde: Neubau war Bekenntnis zur Pflegeausbildung Dr. Fritz Brickwedde, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikum Osnabrück, konnte aufgrund einer anderweitigen Verpflichtung nicht persönlich teilnehmen, übermittelte aber Glückwünsche. Die Entscheidung für den Neubau der Akademie sei ein wichtiges Bekenntnis zur Zukunft der Pflegeausbildung gewesen. Seit 2019 biete die Akademie auf dem Finkenhügel moderne Rahmenbedingungen für junge Menschen, die sich auf einen anspruchsvollen und gesellschaftlich unverzichtbaren Beruf vorbereiteten. Brickwedde wünschte der Akademie, auch in den kommenden 100 Jahren ein Ort des Lernens, der Entwicklung und der Begeisterung für den Pflegeberuf zu bleiben. ### Pflege der Zukunft wird sich verändern Klaus Beekmann, einer der beiden Geschäftsführer des Klinikums, würdigte vor allem die Menschen, die sich über viele Jahrzehnte hinweg für den Pflegeberuf entschieden haben. An 100 Jahren Pflegeausbildung sei besonders beeindruckend, dass sich über diesen langen Zeitraum hinweg immer wieder Menschen dazu entschieden hätten, für andere da sein zu wollen. Mit Blick auf Roboter, Künstliche Intelligenz und weitere technologische Entwicklungen werde sich die Pflege künftig verändern. Unverzichtbar bleibe jedoch, dass Menschen Verantwortung für Erkrankte übernähmen. ### Klinikum will weiter in Ausbildung investieren Für das Klinikum sei die Ausbildung junger Menschen eine zentrale Aufgabe, betonte Beekmann. Sie werde ausdrücklich nicht als reine Pflichtaufgabe verstanden. Vielmehr leite sich aus dem Jubiläum auch ein Versprechen für die Zukunft ab: Das Klinikum wolle weiterhin in eine gute Ausbildung investieren und junge Menschen für den Pflegeberuf begeistern. ### Eigene Pflegeschule für Klinikum unverzichtbar Auch Ingo Bumann vom Betriebsrat des Klinikums blickte auf die Geschichte der Ausbildung zurück. Bereits bei der Gründung der Pflegeschule vor 100 Jahren sei das Ziel gewesen, die Versorgung von Erkrankten zu verbessern. Dieser Gedanke sei bis heute zentral. Für Bumann ist das Klinikum ohne eine eigene Pflegeschule und die Ausbildung von Pflegefachkräften kaum vorstellbar. ### Start mit 30 Schwestern und 19 Schülerinnen Constanze Schlecht, Vorstandsoberin des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf, gab beim Festakt einen Einblick in die Anfänge. 1926 übernahm die damals noch als Schwesternschaft organisierte Diakonische Gemeinschaft mit einem sogenannten „Gestellungsvertrag“ die Aufgabe, qualifiziertes Pflegepersonal für die städtischen Krankenanstalten bereitzustellen und gleichzeitig die Ausbildung weiterer Kräfte sicherzustellen. Am 1. Oktober 1926 startete der Diakonieverein in Osnabrück mit 30 Schwestern und 19 Schülerinnen. ### Ausbildungszeit wurde nach dem Krieg verlängert Schlecht erinnerte auch an die schwierigen Jahre während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg wurde die Ausbildungszeit 1946 auf drei Jahre verlängert. Ein weiterer Meilenstein folgte 1970 mit dem ersten Ausbildungskurs für Männer. Zunächst wurden Männer und Frauen noch getrennt unterrichtet, später wurden gemeinsame Kurse eingeführt. ### Von schweren Büchern zu iPads und Lernclouds Wie stark sich der Ausbildungsalltag verändert hat, zeigte ein Gespräch zwischen Akademie-Recruiterin Lia Veismann sowie Stefanie Merschjann und Katina Vorbrink aus dem Leitungsteam der Pflegeausbildung. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie anders Lernen heute funktioniert. Während früher schwere Bücher zum Ausbildungsalltag gehörten, bestimmen inzwischen unter anderem iPads und digitale Lernplattformen den Unterricht. ## Historische Schwesterntrachten beim Festakt Für einen besonderen Blickfang sorgten Veismann und drei Kolleginnen. Sie trugen beim Festakt historische Schwesterntrachten, wie sie im Jahr 1926 und später ab 1939 getragen wurden. Zu sehen waren unterschiedliche Ausführungen für Sonn- und Wochentage. Das Fazit der vier Frauen: erstaunlich bequem, aber auch ziemlich warm. ### Wie KI und Roboter die Pflege verändern könnten Zum Abschluss richtete Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler, Leiter der Abteilung Pflegewissenschaft an der Universität Osnabrück, den Blick auf die kommenden Jahre. Wie stark Künstliche Intelligenz, Roboter und andere Technologien künftig den Pflegealltag prägen, hänge auch davon ab, wie die junge Generation diese Entwicklungen mitgestalte. Entscheidend sei, klare Maßstäbe für „gute Pflege“ zu entwickeln und neue Technologien danach zu bewerten, ob sie Pflegekräfte tatsächlich unterstützen. Auch das Berufsbild selbst werde sich verändern, erklärte Hülsken-Giesler. Medizinische Aufgaben könnten künftig an Bedeutung gewinnen, während andere Tätigkeiten stärker in soziale Netzwerke verlagert würden. Er warb deshalb dafür, sich für den Pflegeberuf zu entscheiden und dessen Zukunft aktiv mitzugestalten. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück