# Jeder zweite Pflegebedürftige bekommt Medikamente falsch Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-06T06:12:11+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-06T06:12:16+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/jeder-zweite-pflegebeduerftige-bekommt-medikamente-falsch-763567/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Bei jedem zweiten Pflegebedürftigen sind nach Angaben der Angehörigen in den vergangenen sechs Monaten Medikamente falsch oder gar nicht angewendet worden. Das zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). In 19 Prozent der Fälle kam es wiederholt zu solchen Problemen. ## Medikamentenprobleme und Sicherheitsrisiken Zusätzlich berichten 26 Prozent der Befragten von mehrfachen Problemen mit abgelaufenen oder nicht auffindbaren Arzneimitteln sowie fehlenden Rezepten. 59 Prozent der Pflegebedürftigen nehmen nach Angaben der Angehörigen dauerhaft fünf oder mehr Medikamente ein. Eine möglicherweise unzureichende Medikation kann der Erhebung zufolge auch die Sicherheit gefährden: 36 Prozent der Befragten geben an, dass die pflegebedürftige Person innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen oder mehrere Stürze mit Verletzungen erlitten hat. Ebenfalls 36 Prozent berichten von mindestens einer notfallmäßigen Krankenhausaufnahme in diesem Zeitraum. Insgesamt hatten 51 Prozent der Pflegebedürftigen mindestens einen Krankenhausaufenthalt. ### Forderungen des ZQP und politische Reaktionen ZQP-Vorstandsvorsitzender Ralf Suhr sieht Handlungsbedarf: Die Studie verdeutliche, dass Pflege- und Patientensicherheit älterer Menschen als zentraler Ansatzpunkt von Prävention weiter in das Zentrum politischer Debatten gerückt werden müsse. Pflegende Angehörige seien Schlüsselakteure in der Pflege und Gesundheitsversorgung. Ihr Engagement könne durch professionelle Angebote nicht ersetzt werden, betont Suhr. Deshalb müssten Angehörige systematisch und als Partner auf Augenhöhe in den Versorgungsprozess einbezogen werden. Das Bundeskabinett hatte in der vergangenen Woche das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) beschlossen. Im ursprünglichen Entwurf war vorgesehen, die Rentenbeiträge der Pflegeversicherung für pflegende Angehörige ab 2027 nur noch auf Grundlage von 70 Prozent der bisherigen beitragspflichtigen Einnahmen zu zahlen. Diese geplante Kürzung wurde im Kabinettsbeschluss wieder gestrichen. Die Pflegeversicherung übernimmt die Beiträge weiterhin in vollem Umfang. ### Belastung der Angehörigen und Alltagshilfe Für die Angehörigen selbst ist die Pflege der ZQP-Erhebung zufolge häufig belastend: 53 Prozent fühlen sich psychisch belastet, 38 Prozent körperlich. 61 Prozent verschieben wegen der Pflege wichtige eigene Vorhaben, 42 Prozent vernachlässigen soziale Beziehungen. Bei Angehörigen von Menschen mit Demenz liegen die Werte mit 71 Prozent psychischer und 47 Prozent körperlicher Belastung noch höher. 85 Prozent der Befragten geben an, dass die pflegebedürftige Person bei komplexeren Alltagstätigkeiten wie Haushaltsführung oder Arztbesuchen fast immer Hilfe benötigt. Für die Studie wurden bundesweit 1.012 pflegende Angehörige im Alter von 40 bis 85 Jahren befragt, die seit mindestens sechs Monaten mindestens einmal pro Woche eine Person ab 60 Jahren mit Pflegegrad zu Hause versorgen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück