# IWH sieht deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-04T07:32:16+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-04T07:32:20+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/iwh-sieht-deutsche-wirtschaft-auf-erholungskurs-751394/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet eine stärkere Belebung der deutschen Konjunktur. Treiber sind die gestiegene Auslandsnachfrage und staatliche Investitionen. Die Herbstprognose rechnet mit einem BIP-Wachstum von 1,4 Prozent in diesem Jahr und 0,8 Prozent 2027 – in Ostdeutschland fällt die Belebung schwächer aus. ## KI-Boom und Energierisiken prägen die Aussichten Im Spätsommer 2026 ist die internationale Konjunktur laut IWH auf Expansionskurs. Wesentliche Treiber sind laut IWH die vom Boom um die Künstliche Intelligenz ausgelösten Investitionen, vor allem in den USA. Wo sich wichtige Produzenten für die erforderlichen Investitionsgüter befinden, profitiert der Export. Der Erdölpreis ist zwar wegen des Golfkonflikts gestiegen, in realer Rechnung liegt er aber niedriger als in früheren Energiekrisen – vor allem dank verminderter Nachfrage aus China. Die höheren Inflationsraten durch den Energiepreisanstieg lassen den Konjunkturexperten zufolge erwarten, dass die Leitzinsen in den USA und im Euroraum in den kommenden Quartalen angehoben werden. Die Finanzpolitik ist in beiden Wirtschaftsräumen 2026 leicht expansiv, 2027 könnte sie restriktiver werden. Die Aussichten für eine stabile Weltkonjunktur seien gut, da sich der KI-Boom fortsetzen dürfte. Eine Beschleunigung sei jedoch nicht zu erwarten, da die Produktionskapazitäten der betroffenen Industrien ausgelastet sind. ### Erholung bleibt labil und ungleich "Die deutsche Konjunktur befindet sich auf Erholungskurs", sagte Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Im zweiten Quartal 2026 stieg das Bruttoinlandsprodukt das dritte Mal in Folge merklich – vor allem wegen steigender Exporte. Diese waren seit Anfang 2023 im Trend rückläufig gewesen. Doch die Erwerbstätigenzahl bleibt rückläufig, besonders im Verarbeitenden Gewerbe. Der Sektor steckt weiterhin in der Krise, auch wenn einige Unternehmen von der starken internationalen Nachfrage profitieren. Bei anderen Verwendungsaggregaten ist im ersten Halbjahr kaum eine Erholung zu erkennen. Der private Konsum wird durch Kaufkraftverluste gedämpft, und die privaten Ausrüstungsinvestitionen liegen nicht über ihrem Niveau von vor zweieinhalb Jahren. Das Niedrigwasser des Rheins bremst zudem die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe, allerdings sind die Pegelstände seit Mitte August wieder gestiegen. In den kommenden Quartalen könnte sich die expansive Finanzpolitik in steigenden Investitionen niederschlagen. Auch verbesserte Stimmungsindikatoren wie die Ifo-Geschäftserwartungen sprechen für eine Stabilisierung. ### Energiekrise und Abhängigkeit als Risikofaktoren "Ein Konjunkturrisiko speziell für Deutschland und Europa ist nach wie vor die Möglichkeit einer Energiekrise", so Holtemöller. Denn das Weltangebot an Flüssiggas wurde durch den weitgehenden Ausfall aus Katar stärker verknappt als das Welterdölangebot. Europa ist auf Erdgasimporte angewiesen, und die Lagerstände liegen unter langjährigen Durchschnitten. Zudem hängt die Erholung in Deutschland weitgehend von der Auslandsnachfrage ab. Diese könnte schnell schwächer werden – etwa durch ein Ende des KI-Booms oder weitere Wettbewerbsverluste deutscher Anbieter. Auch das RWI hat seine Konjunkturprognose angehoben. Für 2026 erwartet das Essener Institut ein Wachstum von 1,3 Prozent, für 2027 von 1,1 Prozent und für 2028 von 0,5 Prozent. Gegenüber der Frühsommerprognose liegt die Erwartung für 2026 um 0,5 Prozentpunkte und für 2027 um 0,3 Prozentpunkte höher. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück