# IStGH-Richterin fordert Europas entschlossenen Widerstand gegen US-Sanktionen Datum: 23.04.2026 13:50 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/istgh-richterin-fordert-europas-entschlossenen-widerstand-gegen-us-sanktionen-706149/ --- Die von den USA sanktionierte IStGH-Richterin Beti Hohler fordert von den europäischen Staaten eine klarere Haltung gegen US-Sanktionen und deren Auswirkungen auf europäische Bürgerinnen und Bürger. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" kritisiert sie vor allem das Verhalten europäischer Banken und Dienstleister und warnt vor weitreichenden Folgen vorauseilender Regelbefolgung. Hohlers eigenes Leben hat sich nach ihren Angaben durch die Sanktionen grundlegend verändert. ## Appell an europäische Staaten Die am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) tätige Richterin Beti Hohler, die von Sanktionen der USA betroffen ist, hat die europäischen Staaten zu mehr Gegenwehr gegen US-Sanktionen aufgerufen. „Es ist wichtig, sich zu wehren“, sagte Hohler der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wenn Staaten Sanktionen unmissverständlich verurteilten, habe das Gewicht. Zudem sollten die Staaten Dienstleistern in ihren Ländern klarmachen, „dass die EU die Wirkung dieser Sanktionen außerhalb der USA nicht anerkennt“. Die 44-Jährige ist seit knapp einem Jahr von Sanktionen der USA betroffen. Sie war Teil der Kammer, die die Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und seinen ehemaligen Verteidigungsminister Joaw Galant erließ. Hohler war eine der ersten vier Richterinnen, die die Trump-Regierung im Juni 2025 auf die Ofac-Sanktionsliste setzte. Danach folgten weitere Fälle. Insgesamt sind elf Mitarbeiter am IStGH von den USA sanktioniert, acht davon Richter. ### Geschlossene Konten und gekündigte Kreditkarten Hohlers Leben hat sich durch die Sanktionen nach eigenen Angaben grundlegend verändert. „Eine europäische Bank, bei der ich seit Jahrzehnten Kundin bin, hat mein Konto mit sofortiger Wirkung geschlossen“, sagte sie der „Zeit“. Ihre Kreditkarten seien innerhalb von 24 Stunden nach Erlass der Sanktionen gekündigt worden. Europäische Banken beenden oft das Geschäftsverhältnis mit Menschen, die auf Sanktionslisten stehen, weil sie ihrerseits Sanktionen befürchten. Im Devisenhandel ist jedes Finanzinstitut von den USA abhängig. „Diese `overcompliance`, also vorauseilende Regelbefolgung, bereitet mir als europäische Bürgerin große Sorgen“, so Hohler. „Es zeigt, wie ungeschützt wir sind.“ Die praktischen Konsequenzen reichen nach Hohlers Darstellung weit in den Alltag hinein. „Keine Kreditkarte zu haben, ist oft sehr hinderlich, vor allem online“, sagte Hohler der „Zeit“. Viele würden nur Kreditkarten, Apple Pay, Google Pay oder Paypal akzeptieren. Diese Zahlungsarten könne sie nicht verwenden, weil sie von US-Unternehmen angeboten werden. Hotels zu buchen sei ohne Kreditkarte sehr schwierig, ein Auto zu mieten unmöglich. ### Verlust digitaler Zugänge Darüber hinaus wurden Hohler viele weitere digitale Dienste gekündigt. So wurde ihre Apple-ID einige Monate nach der Sanktionierung abgeschaltet. Auch ihre Konten bei US-Anbietern wie Amazon und Airbnb wurden gesperrt oder gekündigt. „Das ist das Zermürbende: Man wird nicht vorgewarnt. Man hat keine Zeit, sich zu organisieren“, sagte Hohler der „Zeit“. „Was heute noch funktioniert, funktioniert morgen vielleicht schon nicht mehr.“ ✨ mit KI bearbeitet --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück