Die Importpreise in Deutschland sind im Mai 2026 im Vorjahresvergleich so stark gestiegen wie seit Ende 2022 nicht mehr. Vor allem deutlich höhere Kosten für Energie und Vorleistungsgüter trieben die Einfuhrpreise, während viele landwirtschaftliche Produkte günstiger waren. Auch die Exportpreise legten spürbar zu, insbesondere bei Vorleistungsgütern und Energie.
Stärkster Anstieg der Importpreise seit Ende 2022
Die Importpreise lagen im Mai 2026 um 6,8 Prozent über dem Niveau von Mai 2025. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) war dies der stärkste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Dezember 2022, als ein Plus von 9,6 Prozent gegenüber Dezember 2021 verzeichnet worden war. Im April 2026 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat noch bei +5,3 Prozent gelegen, im März 2026 bei +2,3 Prozent. Gegenüber April 2026 verteuerten sich die Einfuhren im Mai um 0,7 Prozent.
Die Exportpreise waren im Mai 2026 um 3,4 Prozent höher als im Mai 2025. Destatis zufolge war das der kräftigste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Februar 2023 (+6,6 Prozent gegenüber Februar 2022). Im April 2026 hatte die Vorjahresrate bei +2,9 Prozent gelegen, im März 2026 bei +1,5 Prozent. Gegenüber April 2026 nahmen die Ausfuhrpreise im Mai 2026 um 0,5 Prozent zu.
Vorleistungsgüter und Energie als Preistreiber
Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung der Importpreise im Mai 2026 gegenüber Mai 2025 hatten die deutlich gestiegenen Preise für Vorleistungsgüter mit +10,1 Prozent (+1,6 Prozent gegenüber April 2026) und für Energie mit +37,2 Prozent (+0,1 Prozent gegenüber April 2026). Stärker als im Mai 2026 waren die Einfuhrpreise für Energie zuletzt im Oktober 2022 gestiegen (+63,0 Prozent gegenüber Oktober 2021).
Bei den Vorleistungsgütern verteuerten sich insbesondere Nicht-Eisen-Metalle und deren Halbzeug mit +30,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, darunter Edelmetalle und deren Halbzeug mit +46,6 Prozent. Importierte Düngemittel und Stickstoffverbindungen lagen um 31,4 Prozent über dem Niveau von Mai 2025.
Besonders stark wirkte sich der Krieg im Nahen Osten weiterhin auf die Energiepreise im Vorjahresvergleich aus. Im Vergleich zu Mai 2025 stiegen die Preise für Erdöl (+59,3 Prozent), Mineralölerzeugnisse (+57,3 Prozent), elektrischen Strom (+44,1 Prozent), Steinkohle (+12,7 Prozent) und Erdgas (+10,4 Prozent) deutlich. Gegenüber April 2026 verteuerte sich vor allem elektrischer Strom mit +25,5 Prozent, während Steinkohle (+1,9 Prozent) und Erdöl (+1,0 Prozent) nur moderat zulegten und die Erdgaspreise mit +0,1 Prozent nahezu unverändert blieben.
Im Vormonatsvergleich wurden allein Mineralölerzeugnisse im Durchschnitt 3,6 Prozent günstiger. Die Preise für Flugturbinenkraftstoff aus Kerosin sanken gegenüber April 2026 um 15,9 Prozent, für Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl um 8,0 Prozent. Deutlich teurer wurden dagegen Schmier- und andere Öle (+44,6 Prozent), Motorenbenzin verteuerte sich im Monatsvergleich um 1,3 Prozent.
Ohne Energie stiegen die Importpreise im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,8 Prozent (+0,7 Prozent gegenüber April 2026). Lässt man nur Erdöl und Mineralölerzeugnisse außer Betracht, lag der Importpreisindex 4,2 Prozent über dem Stand von Mai 2025 (+0,8 Prozent gegenüber April 2026). Importierte Investitionsgüter kosteten 2,2 Prozent mehr als im Mai 2025 und 0,4 Prozent mehr als im April 2026.
Gegenläufige Entwicklungen bei Agrar- und Konsumgütern
Importierte landwirtschaftliche Güter waren im Mai 2026 im Durchschnitt 5,5 Prozent billiger als im Vorjahresmonat, gegenüber April 2026 sanken die Preise um 3,1 Prozent. Die Preise für Rohkakao lagen 48,9 Prozent unter denen von Mai 2025, stiegen aber im Monatsvergleich deutlich um 8,9 Prozent. Lebende Schweine waren um 26,5 Prozent günstiger als im Mai 2025 und im Vormonatsvergleich um 8,3 Prozent billiger. Rohkaffeeimporte kosteten 15,4 Prozent weniger als vor einem Jahr und 2,5 Prozent weniger als im April 2026.
Für importiertes Getreide wurde im Mai 2026 5,8 Prozent weniger bezahlt als im Mai 2025, gegenüber April 2026 stiegen die Preise allerdings um 0,7 Prozent. Tomaten waren im Jahresvergleich deutlich teurer (+20,0 Prozent gegenüber Mai 2025), im Vormonatsvergleich jedoch saisonbedingt um 29,9 Prozent günstiger.
Importierte Konsumgüter (Ge- und Verbrauchsgüter) waren im Mai 2026 um 1,3 Prozent preiswerter als im Vorjahr, gegenüber April 2026 verteuerten sie sich leicht um 0,1 Prozent. Die Preise für Gebrauchsgüter blieben im Jahresvergleich unverändert (+0,1 Prozent gegenüber April 2026), Verbrauchsgüter waren 1,7 Prozent billiger als im Mai 2025 (+0,1 Prozent gegenüber April 2026). Für Nahrungsmittel allgemein musste 6,2 Prozent weniger bezahlt werden als im Mai 2025, im Vormonatsvergleich sanken die Preise um 0,2 Prozent. Preisrückgänge gab es unter anderem bei Kakaobutter, Kakaofett und Kakaoöl (-50,8 Prozent), Frucht- und Gemüsesäften (-26,5 Prozent), Schweinefleisch (-19,0 Prozent) sowie Milch und Milcherzeugnissen (-12,3 Prozent). Teurer als im Mai 2025 waren unter anderem geschälte Haselnüsse (+19,3 Prozent).
Bei den Exportpreisen hatte der Anstieg der Preise für Vorleistungsgüter aufgrund ihres hohen Anteils am Gesamtindex den größten Einfluss auf die Vorjahresveränderungsrate. Diese Preise lagen im Durchschnitt 5,6 Prozent über denen von Mai 2025 und 1,1 Prozent über denen von April 2026. Bei Investitionsgütern lag das Preisniveau 1,7 Prozent über dem von Mai 2025 (+0,2 Prozent gegenüber April 2026). Zusammen decken beide Gütergruppen fast 75 Prozent der ausgeführten Waren ab.
Auch bei den Ausfuhrpreisen waren die Auswirkungen des Iran-Kriegs zu spüren: Die Preise für Energieexporte lagen 33,6 Prozent über denen von Mai 2025 und 0,7 Prozent über denen von April 2026. Vor allem Mineralölerzeugnisse verteuerten sich deutlich um 51,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wurden aber im Vergleich zu April 2026 um 2,0 Prozent günstiger. Exporte von Flugturbinentreibstoff aus Kerosin waren 87,9 Prozent teurer als im Vorjahr, im Monatsvergleich jedoch 13,2 Prozent preiswerter. Erdgas wurde um 13,1 Prozent teurer exportiert als im Mai 2025, die Preise gingen gegenüber April 2026 um 0,9 Prozent zurück.
Landwirtschaftliche Güter wurden zu 6,5 Prozent niedrigeren Preisen exportiert als im Vorjahresmonat, gegenüber April 2026 sanken die Preise um 1,5 Prozent. Exportierte Konsumgüter (Exportanteil etwa 21 Prozent) waren 0,3 Prozent preiswerter als im Mai 2025. Während Verbrauchsgüter 0,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen (+0,1 Prozent gegenüber April 2026), waren Gebrauchsgüter 1,6 Prozent teurer (+0,1 Prozent gegenüber April 2026).
Bei den Verbrauchsgütern sanken insbesondere die Preise für Nahrungsmittel um 6,3 Prozent gegenüber Mai 2025 und um 0,1 Prozent gegenüber April 2026. Die Preise für Kakaomasse, Kakaobutter, Kakaofett, Kakaoöl und Kakaopulver lagen 33,1 Prozent unter denen von Mai 2025, stiegen jedoch im Monatsvergleich um 12,0 Prozent. Milch und Milcherzeugnisse waren im Durchschnitt 11,3 Prozent billiger als vor einem Jahr (+0,2 Prozent gegenüber April 2026), darunter besonders Butter und andere Fettstoffe aus Milch mit -45,2 Prozent gegenüber Mai 2025 (-8,5 Prozent gegenüber April 2026). Schweinefleisch wurde zu 20,7 Prozent niedrigeren Preisen als im Mai 2025 exportiert, im Monatsvergleich sanken die Preise um 5,6 Prozent. Rindfleisch, frisch oder gekühlt, wurde dagegen zu 5,0 Prozent höheren Preisen exportiert als im Mai 2025, gegenüber April 2026 gingen die Preise um 0,7 Prozent zurück.
