Seit Jahrzehnten wird über die Verkehrssituation auf der Iburger Straße diskutiert. Nun hat die Stadt Osnabrück ein konkretes Maßnahmenpaket vorgestellt, das die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger verbessern soll. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am 11. Juni stießen die Pläne fraktionsübergreifend auf Zustimmung – verbunden mit dem Wunsch nach einer schnelleren Umsetzung.
Verwaltung plant erste Veränderungen innerhalb eines Jahres
Die Verwaltung präsentierte einen aktuellen Sachstand zu den geplanten Optimierungsmaßnahmen für den Umweltverbund auf der Iburger Straße zwischen Nahner Feld und Rosenplatz. Vorgesehen sind kurzfristige Maßnahmen innerhalb der kommenden zwölf Monate, weitere Anpassungen innerhalb der nächsten zwei Jahre sowie langfristige Veränderungen, die umfangreichere Planungen erfordern.
Parkplätze fallen weg, Radwege sollen sicherer werden
Bereits in den kommenden zwölf Monaten sollen 52 der insgesamt 207 Parkplätze entlang der Iburger Straße entfallen. Weitere 24 Stellplätze werden zunächst lediglich markiert und nicht baulich umgestaltet, sodass sie bei Bedarf wieder aktiviert werden könnten. Hintergrund ist die angespannte Situation für den Radverkehr. Zahlreiche Parkplätze befinden sich unmittelbar neben den Radwegen. Dadurch entstehen Dooring-Gefahren, wenn Fahrzeugtüren plötzlich geöffnet werden.
Weniger Unfallrisiken und mehr Grün
Die freiwerdenden Parkflächen sollen je nach Abschnitt unterschiedlich genutzt werden. Nach Angaben der Verwaltung können durch die Maßnahmen mehr als 100 Quadratmeter Fläche entsiegelt und begrünt werden. Auf rund 160 Metern sollen Radfahrende künftig getrennt vom Autoverkehr geführt werden. Auf weiteren 90 Metern können Radwege verbreitert werden. Auf etwa 500 Metern soll die Gefahr sogenannter Dooring-Unfälle künftig entfallen.
Nachts Tempo 30 wird geprüft
Zu den mittelfristigen Maßnahmen zählt eine mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in den Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr. Hierfür will die Stadt einen Antrag bei der zuständigen oberen Verkehrsbehörde stellen. Die bisherigen Untersuchungen sprechen für eine Umsetzung zwischen Rosenplatz und Pattbrede. Für den weiteren Verlauf bis „Im Nahner Feld“ laufen die Berechnungen noch.
Tagsüber Grüne Welle auf der Iburger Straße
Solange Tempo 30 noch geprüft wird, verfolgt die Verwaltung einen anderen Ansatz: Durch Anpassungen der Ampelschaltungen und Hinweise auf eine „Grüne Welle“ soll ein gleichmäßiger Verkehrsfluss erreicht werden. Nach Einschätzung der Verwaltung könnten dadurch die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten sinken, wodurch sich Unfallrisiko, Lärmbelastung und Sicherheitsempfinden verbessern würden.
Sensibilisierung von Verkehrsteilnehmern durch LED-Tafeln
Ein weiteres Element der Planung betrifft die LED-Tafeln des Umweltsensitiven Verkehrsmanagements (UVM), die an den Haupteinfallstraßen der Stadt bereits installiert sind. Vorgesehen sind Hinweise zum Schulterblick beim Abbiegen, zum vorgeschriebenen Überholabstand oder zum vorsichtigen Öffnen von Fahrzeugtüren. Die Informationen sollen zusätzlich in englischer Sprache angezeigt werden, um auch auswärtige Verkehrsteilnehmer zu erreichen.
Breite Zustimmung im Ausschuss
Die vorgestellten Pläne stießen im Ausschuss auf breite Zustimmung. Mehrere Ausschussmitglieder begrüßten, dass nach jahrzehntelangen Diskussionen nun konkrete Schritte folgen sollen. Die FDP/UWG-Gruppe fordert in einem Änderungsanatrag, dass als Ausgleich für wegfallende Parkplätze perspektivisch eine Quartiergarage geprüft werden soll und erhält einstimmige Zustimmung der anderen Ausschussmitglieder.
Heiko Panzer (SPD) betont: „Lösungen für die Probleme auf der Iburger Straße sind vorhanden, man muss sie aber wollen und umsetzen.“ Die vorgestellten Maßnahmen seien ein guter Anfang, sollten seiner Ansicht nach jedoch schneller als bislang vorgesehen realisiert werden.
Linke fordert weitergehende Veränderungen
Deutlich weitergehende Maßnahmen forderte Dr. Henry Gehrs von der Linken. Aus seiner Sicht greifen die vorgeschlagenen Veränderungen zu kurz. Die bestehenden Radwege seien teilweise schmaler als 1,50 Meter und entsprächen damit nicht den heutigen Anforderungen an eine sichere Radverkehrsführung.
Gehrs regte deshalb an, langfristig auch eine Reduzierung auf drei Fahrspuren – zwei stadteinwärts und eine stadtauswärts – zu diskutieren, um mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr zu schaffen.
Politik drängt auf schnellere Umsetzung
Am Ende der Beratung zeigte sich ein einheitliches Bild: Die Politik unterstützt die vorgeschlagene Richtung und will die Situation auf der Iburger Straße verbessern. Gleichzeitig machten mehrere Ausschussmitglieder deutlich, dass sie bei der Umsetzung deutlich mehr Tempo erwarten als die Stadt vorsieht.
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