# Historisches Tief: Osnabrücker SPD so schwach wie noch nie seit 1945 Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-14T06:30:32+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-14T06:31:05+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/historisches-tief-osnabruecker-spd-so-schwach-wie-noch-nie-seit-1945-755337/ Kategorie: Aktuell --- Auf den ersten Blick könnte man das Ergebnis der Osnabrücker SPD bei der Kommunalwahl 2026 noch irgendwie schönreden: Platz drei, immerhin noch eine Zwanzig vor dem Komma, wenn auch denkbar knapp. Die Bundes-SPD träumt inzwischen von Osnabrücker Werten. Noch dazu nur wenige Prozentpunkte Abstand zu CDU und Grünen. Doch der Blick in die Geschichte zeigt, wie dramatisch das Ergebnis tatsächlich ist. Noch nie seit der ersten Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg war die SPD in Osnabrück so schwach. Bereits 2021 hatte die SPD mit 23,3 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht. Was damals schon ein ausgesprochen schwaches Ergebnis war, wurde bei der Kommunalwahl am Sonntag nochmals unterboten. Damit setzt sich ein langfristiger Abwärtstrend fort, der längst mehr ist als nur eine Momentaufnahme. ## Osnabrück war über Jahrzehnte eine SPD-Stadt Ein Blick auf die von der Stadt Osnabrück dokumentierten Kommunalwahlergebnisse seit 1946 zeigt, aus welcher politischen Größenordnung die Sozialdemokraten kommen. Bei der ersten Kommunalwahl nach dem Krieg erreichte die SPD 35,3 Prozent. 1948 waren es 37,1 Prozent und 1952 immerhin noch 34,6 Prozent. In den folgenden Jahrzehnten gehörten Ergebnisse um oder sogar deutlich über 40 Prozent für die Osnabrücker SPD zur Normalität. 1964 holten die Sozialdemokraten 46,6 Prozent, vier Jahre später 42,8 Prozent. Den Höhepunkt erreichte die Partei 1972: Mit 52,3 Prozent erhielt die SPD damals mehr als jede zweite Stimme bei der Osnabrücker Kommunalwahl. ### Oberbürgermeister waren lange Zeit Sache der SPD in Osnabrück Diese Stärke spiegelte sich auch im Rathaus wider. Von 1956 bis 1981 stellten mit Hellmut Drescher, Willi Kelch und schließlich Ernst Weber drei Sozialdemokraten nacheinander den Oberbürgermeister. Weber übernahm das Amt ausgerechnet 1972, in jenem Jahr also, in dem die SPD bei der Kommunalwahl ihre absolute Hochphase erlebte. Nach einer CDU-geprägten Phase mit Carl Möller und Ursula Flick begann 1991 erneut eine lange sozialdemokratische Ära: Hans-Jürgen Fip war 15 Jahre lang Oberbürgermeister und wurde 1997 zum ersten direkt gewählten hauptamtlichen Oberbürgermeister der Stadt. Auf ihn folgte 2006 Boris Pistorius, der das Rathaus bis zu seinem Wechsel als niedersächsischer Innenminister im Jahr 2013 führte. Über viele Jahrzehnte war die SPD damit nicht nur eine der großen politischen Kräfte Osnabrücks. Sie prägte die Stadt personell und politisch wie kaum eine andere Partei. ### Der Abstieg der SPD begann lange vor dieser Kommunalwahl Auch nachdem die Zeiten absoluter Mehrheiten vorbei waren, blieb die SPD lange ausgesprochen stark. 1981 waren es 40,5 Prozent, 1986 sogar wieder 41,9 Prozent und 1991 noch 40,7 Prozent. 1996 erreichten die Sozialdemokraten 38,8 Prozent. Danach ging es deutlich bergab. 2001 fiel die SPD auf 31,7 Prozent, erholte sich 2006 noch einmal auf 34,7 Prozent und rutschte 2011 erstmals unter die Marke von 30 Prozent: 29,9 Prozent. Es folgten 24,9 Prozent im Jahr 2016 und schließlich nur noch 23,3 Prozent bei der Kommunalwahl 2021. 2021 war die SPD damit bereits hinter Grünen und CDU nur noch drittstärkste Kraft. ### Eine Zwanzig vor dem Komma kann täuschen Genau deshalb kann das Ergebnis vom Sonntag auf den ersten Blick besser aussehen, als es tatsächlich ist. Eine Zwanzig vor dem Komma wirkt in einem inzwischen stark zersplitterten Parteiensystem zunächst nicht wie ein völliger Absturz. Und auch Platz drei hinter CDU und Grünen lässt sich noch als Position einer der drei großen politischen Kräfte der Stadt beschreiben. ### 1972 noch absolute Mehrheit für die SPD Besonders drastisch wird der Bedeutungsverlust im Vergleich mit dem Rekordjahr 1972. Damals stimmten 52,3 Prozent der Osnabrücker für die SPD. Heute ist davon nicht einmal mehr die Hälfte übrig. Aus einer Partei, die zeitweise allein die absolute Stimmenmehrheit erreichen konnte und über Jahrzehnte das Rathaus prägte, ist eine Partei geworden, die inzwischen darum kämpfen muss, überhaupt noch oberhalb der Marke von 20 Prozent zu bleiben. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück