# Grüne fordern neuen Heimatbegriff Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-31T08:42:05+01:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-31T08:42:09+01:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/gruene-fordern-neuen-heimatbegriff-772755/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak plädiert für eine positivere Haltung seiner Partei zum Heimatbegriff. Statt programmatischer Distanz soll mehr emotionale Verbundenheit entstehen. Seine Forderung stützt sich auf persönliche Erfahrungen und die Kritik, die politische Linke habe Patriotismus zu lange den Rechten überlassen. ## Heimat als emotionale Aufgabe Felix Banaszak, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, wirbt für einen Wandel im Umgang seiner Partei mit dem Begriff Heimat. "Wenn man den Menschen die Heimat nimmt, dann nimmt man ihnen sehr viel", erklärte er gegenüber ntv. Statt eines rein programmatischen Ansatzes solle die Partei mehr emotionale Nähe und Begegnung ermöglichen. Sein Leitmotiv lautet: "Weniger Stuhlkreis, mehr Begegnung, weniger Belehrung". Noch vor zehn oder fünfzehn Jahren habe er Heimat vor allem als "Heimattümelei" wahrgenommen. Inzwischen habe sich seine Sichtweise jedoch "umgedreht". Als Begründung verweist Banaszak auf den US-Philosophen Michael Sandel, der der Linken vorwirft, Patriotismus den Rechten überlassen zu haben. "Menschen haben einfach das Bedürfnis nach Zugehörigkeit", betont Banaszak. Ein rein "nur noch atomisiert" Gesellschaftsbild berge die Gefahr, dass Menschen Zugehörigkeit verlieren. Diesem Verlustgefühl dürfe man nicht "eine schöne Theorie von kosmopolitischer Freiheit" entgegensetzen. ### Persönliche Erfahrungen und politische Folgen Banaszak schildert, wie er selbst den Wert von Heimat und Tradition "erst im Nachgang lernen" musste. Nach dem Abitur verließ er das Ruhrgebiet in Richtung Berlin, um Abstand zu gewinnen. Dort erkannte er jedoch: "dass ich ein Kind des Ruhrgebiets bin und auch ein gar nicht mal so wenig stolzes". Diese Erfahrung prägt seine politische Haltung. Deindustrialisierung sieht er als einen Treiber antidemokratischer Tendenzen, da Menschen mit ihrem Arbeitsplatz oft auch "Identität und Anker" einbüßen. Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang unterstützt Banaszaks Position teilweise. Sie könne “sehr gut nachvollziehen”, warum der Heimatbegriff der AfD im Osten Deutschlands Anklang finde. Lang kritisiert, die liberale Moderne habe zwar materielle Sicherheit gebracht, aber auch Zugehörigkeit und Verwurzelung geschwächt. Dieser “Hyperindividualismus” habe “auch viele Menschen entheimatet”. Bislang reagiere darauf “fast nur” die politische Rechte. “Wenn nicht nur die Rechten darauf antworten sollen, dann müssen auch wir etwas schaffen, was Zugehörigkeit, was Gemeinwohl und was Gemeinschaft schafft.” ### Ambivalenz und Verantwortung Auf die Frage nach seiner Liebe zu Deutschland antwortet Banaszak zurückhaltend. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Liebe ist das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich an Deutschland denke." Dennoch identifiziere er sich mit dem Land. Ein "etwas ambivalentes Verhältnis zu Nationalstolz" könne Deutschland guttun, meint er. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 habe sich das öffentliche Fahnenschwenken normalisiert. Nicht jeder, der die Deutschlandflagge zeige, sei ein verkappter Nationalist. Gleichzeitig warnt Banaszak vor einer unkritischen Haltung, da die letzten Zeitzeugen des Holocaust bald nicht mehr leben werden. Banaszak betonte, dass niemand Zweifel daran haben sollte, "dass ich nicht sehr viel dafür tun würde, dass es diesem Land und den Menschen in diesem Land gut geht und wir die Probleme lösen können." Ricarda Lang, die sich als "Verfassungspatriotin", bezeichnet, sieht die positiven Aspekte Deutschlands – wie Rechtsstaatlichkeit und das Grundgesetz – als selbstverständlich an. Einen Wettbewerb um die größte Deutschlandliebe lehnt sie ab, da eine Gruppe, die das Land angeblich verehre, in Wirklichkeit "ihre Befehle mehr aus Moskau" beziehe. Banaszak räumt zudem ein, sich in einer früheren Antwort im ARD-Interview mit einem Verweis auf seine Heimatstadt "ein bisschen rausreden" zu wollen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück