Wie lassen sich die räumliche Stadtentwicklung einerseits und der Schutz und die Weiterentwicklung des städtischen Freiraumsystems andererseits künftig noch besser vereinen? Über diese und weitere strategische Fragen diskutierten Brigitte Strathmann, Leiterin des Fachbereichs Klima, Natur und Umwelt, und Stadtbaurat Thimo Weitemeier am Montag (11. Mai) mit rund 40 Gästen in der Alten Kantine des Telekom-Gebäudes an der Hannoverschen Straße, dem Sitz des Fachbereichs Klima, Natur und Umwelt.
Strategische Weichenstellung und konkrete Projekte
Im Mittelpunkt des ersten „Dialogforums Grüne Finger“ standen vier aktuelle Vorhaben, die beispielhaft für die künftige Entwicklung des Osnabrücker Freiraumsystems stehen. Erstens die Charta zum Schutz, zur Sicherung und zur Weiterentwicklung des Freiraumsystems „Grüne Finger“ der Stadt Osnabrück: Als informelles, aber strategisch starkes Instrument dient die Charta als allgemeingültiges und langfristig angelegtes Grundlagendokument. Sie definiert den Schutz und die Sicherung der 13 Freiraumachsen als verbindliches Ziel der Stadtentwicklung. Während die Charta das Fundament bildet, wird die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen in den zugehörigen „Handlungsfeldern“ definiert. Beide Dokumente sollen noch vor der Sommerpause vom Rat der Stadt beschlossen werden.
Zweitens das Leitprojekt Schölerberg: Hier wird der Fokus auf den „Stadtwald im Klimawandel“ gelegt. Ziel ist es, den Waldstandort trotz klimatischer Veränderungen zu stabilisieren und die Erholungsfunktion mit dem Naturschutz in Einklang zu bringen. Drittens der Förderschulcampus: Im Rahmen des dortigen Bauprojekts ist eine umfassende Freiraumqualifizierung geplant. Herzstück ist die Renaturierung des Röthebachs. Und viertens das Sandbachtal: Auf rund 29 Hektar städtischer Fläche wird ein Nutzungskonzept entwickelt, das Elemente der „Schwammlandschaft“ mit neuen Naturerlebnisräumen für die Bürgerinnen und Bürger verbindet, während bereits vorhandene wertvolle Naturräume ihren Platz behalten.
Lebhafte Debatte als fester Bestandteil
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine intensive Diskussions- und Fragerunde. Dabei wurde deutlich, wie groß der Redebedarf der Stadtgesellschaft bei diesem Thema ist. In einem lebhaften Austausch wurden grundsätzliche Fragen der Planungskultur und der Bürgerbeteiligung erörtert. Miriam Bücker, die im Fachbereich Klima, Natur und Umwelt in der Stabsstelle Klimaanpassung und Freiraum das Thema Grüne Finger betreut, zog ein positives Fazit: „Es ist toll, dass sich so viele Menschen für dieses spezielle und wichtige Thema begeistern und sich so engagiert am Dialog beteiligen“, sagte Bücker. Der Austausch habe zudem gezeigt, wie viele gute Ideen die Bürgerinnen und Bürger zum Schutz und Erhalt der Finger Grünen einbringen könnten. Das nächste Dialogforum ist für die zweite Jahreshälfte in Planung.
Hintergrund
Das Freiraumsystem der Grünen Finger geht maßgeblich auf die Visionen von Stadtbaurat Senator Friedrich Lehmann zurück und prägt seit 100 Jahren das Stadtbild Osnabrücks. Mit der neuen Charta und den begleitenden Handlungsfeldern stellt die Stadt nun die Weichen für eine klimaresiliente und grüne Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte.
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.