# Friedensforscher warnen vor Zerfall der internationalen Ordnung Datum: 08.06.2026 11:09 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/friedensforscher-warnen-vor-zerfall-der-internationalen-ordnung-720305/ --- Mehrere deutsche Friedens- und Konfliktforschungsinstitute warnen im neuen "Friedensgutachten 2026" vor einem Zerfall der internationalen Ordnung. Staaten missachteten zunehmend das Völkerrecht und setzten militärische Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen ein, heißt es in dem Bericht, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Deutschland solle sich demnach konsequent am Völkerrecht orientieren und seine Rolle in Europa nutzen, um multilaterale Institutionen zu stärken. ## Militärische Gewalt als reguläres Mittel der Politik Die Forscher stellen in dem Gutachten fest, dass sich militärische Gewalt als reguläres Mittel internationaler Politik etabliert habe und Regierungen wie staatliche „Warlords“ agierten. Besonders hervorgehoben werden die Interventionen der USA, Russlands und Israels sowie die regionalen Machtprojektionen von Pakistan, der Türkei, Äthiopien und den Golfmonarchien. Um die aktuellen Gewaltdynamiken einzudämmen, solle Deutschland sich „konsequent am Völkerrecht orientieren“ und seine Rolle in Europa nutzen, um multilaterale Institutionen zu stärken, heißt es im „Friedensgutachten 2026“. Zudem empfiehlt der Bericht, „resiliente Wertschöpfungsketten“ aufzubauen und digitale Souveränität anzustreben. ### Krise der Vereinten Nationen und Druck auf Entwicklungszusammenarbeit Die Vereinten Nationen befänden sich in einer tiefen strukturellen Krise, da Großmachtrivalitäten zentrale Entscheidungsprozesse blockierten, heißt es in dem Gutachten weiter. Dennoch gebe es keine tragfähige Alternative zur Organisation. Die Bundesregierung solle sich daher für eine stabile Finanzierung und Reformen einsetzen. Auch die Entwicklungszusammenarbeit stehe unter Druck, da Kürzungen die Instabilität fragiler Staaten begünstigten. Die Forscher empfehlen, sich auf europäischer und internationaler Ebene für eine bessere Koordination und Wirksamkeit von Entwicklungsprogrammen einzusetzen. ### Forderung nach klaren Regeln für Sanktionen Conrad Schetter vom Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) betonte mit Blick auf Lösungen gegen den Verfall der internationalen Ordnung, dass „klare einheitliche Regeln für Sanktionen“ nötig seien. Es gehe in dem Gutachten darum, „zu zeigen, dass wir in einer Zeit leben, in der das Völkerrecht zu einer Randnotiz wird, nicht mehr richtig berücksichtigt wird und gleichzeitig eben auch Sanktionsregime als solche an Bedeutung verlieren“, sagte er der dts Nachrichtenagentur. Tobias Debiel vom Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen ergänzte, dass man sich für eine Beibehaltung der Sanktionen, zum Beispiel gegenüber Russland, ausspreche. „Aber es muss klar sein, unter welchen Bedingungen man Sanktionen auch zurückfährt“, sagte er der dts Nachrichtenagentur. Das sei der zentrale Streitpunkt in der Vergangenheit bei Sanktionen gewesen. „Sanktionen haben den Zweck, Druck auszuüben. Sie haben eine symbolische Bedeutung, die Einigkeit gegen Völkerrechtsverletzungen, gegen Menschenrechtsverletzungen deutlich zu machen. Aber einen Effekt wird man nur erzielen können, wenn man auch deutlich macht, unter welchen Bedingungen sie zurückgefahren werden“, so Debiel. Das Friedensgutachten ist ein gemeinsames Gutachten der deutschen Friedensforschungsinstitute BICC, IFSH, INEF und PRIF. Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten untersuchen darin internationale Konflikte aus einer friedensstrategischen Perspektive und geben Empfehlungen für die Politik. ✨ mit KI bearbeitet --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück