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Startseite Aktuell„Forma Forma“ – eine „enorme“ Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück (360° Videos)
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„Forma Forma“ – eine „enorme“ Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück (360° Videos)

von Heiko Pohlmann 21. Juli 2016
von Heiko Pohlmann 21. Juli 2016
Forma Forma - so sieht man es sonst nicht
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Mit der Ausstellung „Forma Forma“ ist im Kirchenraum des ehemaligen Dominikanerklosters in Osnabrück eine Architekturinstallation von enormen Ausmaßen entstanden, deren tatsächliche Dimensionen nur von Außen zu erkennen sind.
Ein Anblick, der dem Besucher so nicht möglich ist – wir haben ihn mit unserer 360° Kamera aufgenommen.

Mehr als 260 Meter Labyrinth warten auf die Besucher

Die beiden Künstler David Rauer und Joshua Sassmannshausen haben für die Kunsthalle ein Raumlabyrinth geschaffen, das dem Besucher einen Spaziergang von insgesamt mindestens 260 Metern (einem viertel Kilometer) und ein hohes Maß an Orientierungsvermögen abverlangt – vorausgesetzt, er will das begehbare Kunstwerk für sich allein oder auch gemeinsam mit anderen begehen.

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Die 360° Videos können mit der Maustaste bedient werden.

Künstler waren bereits in der Kunsthalle zu Gast

Bereits im Juni 2014 waren David Rauer und Joshua Sassmannhausen im Rahmen der Aktion 24/7 zu Gast in der Kunsthalle Osnabrück und haben für 24 Stunden einen begehbaren „Catwalk“ mit zahlreichen technischen Schaltungen geschaffen. „Mit Forma Forma liefern die Künstler nun eine großartige begehbare Architektur in der Architektur, die es in Osnabrück in dieser Form noch nicht gab.“, so die Direktorin Julia Draganović.

Forma Forma: Joshua Sassmannshausen und David Rauer

Joshua Sassmannshausen und David Rauer

„Begehbarkeit, das sagt sich so leicht, ist aber gar nicht so selbstverständlich.“, erklärt die Direktorin der Kunsthalle Osnabrück, Dr. Julia Draganović.  „Denn an das Gehen ist man als Ausstellungsbesucher schließlich gewöhnt. Das Abschreiten eines Kirchenraum als Nachvollzug des Leidenswegs Christi verbindet sich mit Kontemplation und Reflexion.“, so die Kunsthallendirektorin. „Die Kreuzgänge der mittelalterlichen Klöster können daher auch als Vorläufer musealer Präsentationsräume begriffen werden. Die Empathie mit der Christusfigur und der Nachvollzug der christlichen Botschaft in Verbindung mit dem wahrnehmenden Auge waren dabei stets die wichtigsten Sinnesorgane.“ – Alles änderte sich im 20. Jahrhundert mit den ersten Installationen, dem Minimalismus und der Konzeptkunst, führt Julia Draganović weiter aus: Künstler unternahmen Eingriffe, um dem Betrachter den eigenen Körper bewusst zu machen. Plötzlich musste man, um ein Kunstwerk rezipieren zu können, sitzen, liegen, gehen, klettern oder gar kriechen oder war womöglich ganz vom Kunstwerk umgeben, wie nun auch in der Osnabrücker Kunsthalle. Plötzlich durfte man gar die Kunstwerke berühren, riechen oder geradezu in sie eintauchen und war ganz und gar von ihnen umgeben.

Installation nicht ohne Hintergrund

Der Merzbau von Kurt Schwitters (1923), Bruce Naumanns Live/Taped Video Corridor (1970), Gregor Schneiders Totes Haus u r (ab 1985) und Tino Segals Performance This Progress (2010) sind wichtige Referenzpunkte dieses veränderten Verhältnisses von Performance und Installation, Bewegung des Betrachters im Raum, Gehen als künstlerische Aktion und Empathie. Die raumfüllende Installation Forma Forma von David Rauer und Joshua Sassmannshausen in  Osnabrück schafft dabei auch vorsichtige Anklänge an die Geschichte des ehemaligen Dominikanerklosters: Nach 1945 war das säkularisierte Kloster Zufluchtsstätte für Flüchtlinge, die ihre Heimat aufgegeben hatten. Auf drei Ebenen(!) mit zwei eingezogenen Zwischendecken hatte man derzeit Zufluchtsorte im Kirchenschiff geschaffen.
Die kafkaesk anmutende Rauminstallation lädt den Besucher zu einer Wanderung ein, deren Verzweigungen, Steigungen und Abstiege für einige eine Herausforderung bedeuten werden. Selbst derjenige, der die Kunsthalle kennt und versucht, sich im Raum zu orientieren, ist nicht außer Gefahr, zu scheitern. Gerade die Ein- und Ausblicke auf die bekannte Architektur, die ihrerseits oft sogar konkrete „Bilder“ erzeugen, helfen nicht weiter; vielmehr verhindern sie ihrerseits  die Orientierung. „Die permanent variierenden Innenansichten in Kombination mit überraschenden Ausblicken auf scheinbar Bekanntes, verbunden mit dem Versuch, den zurückgelegten Weg für sich zu rekonstruieren, sind Teil einer Phänomenologie des Gehens, das den Kern der Ausstellung berührt.“, erklärt Julia Draganović. Es geht wie im wirklichen Leben, mal muss man sich bergauf abmühen, mal den Kopf einziehen, mal eine helfende Hand ausstrecken oder sich helfen lassen, mal gerät man in eine Sackgasse und wenn man ein Stück Weges hinter sich hat, sieht alles im Rückblick ganz anders aus.“

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„Konsequent innerhalb des Programms der Kunsthalle ist der Dialog zwischen Kunst / Architektur sowie Geschichte / Gegenwart“, betont Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Osnabrück. „Die beiden jungen Künstler setzen den Umbau der Kirchenarchitektur in eine Kunstarchitektur um und machen das, was Kunst ausmacht, körperlich erfahrbar: den Konflikt zwischen Orientierung und Bewegung. Für mich ist interessant zu erfahren, wie Besucher, die das erste Mal in der Kunsthalle Osnabrück sind, die sich also nicht im vertrauten Raum orientieren, diese Installation wahrnehmen. Daher freue ich mich diesmal besonders auf die Eröffnungsfeier am Sonntag.“

Forma Forma im Schnelldurchlauf (Video)

Unser Video zeigt die Installation noch vor der Eröffnung, im Zeitraffer. In der Aufnahme ist noch nicht alles final, vor allem noch nicht fertig gestrichen.
Auch dieses Projekt ist ein Beitrag zur Schule der Empathie, dem Motto des diesjährigen Ausstellungsstellungprogramms der Osnabrücker Kunsthalle, das Grunderfahrungen wie Neugier, Freunde, Furcht vor dem Betreten fremder Räume, Enttäuschungen und Unverständnis über das Ausgeschlossen-Sein, sowie Erfahrungen des Entdeckens, Eroberns oder Zurückkehrens zu Grenzerfahrungen werden lässt.

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Dem Besucher der Eröffnung wird angemessenes Schuhwerk empfohlen. Die Installation ist nicht barrierefrei zugänglich. Dennoch gibt es auch viel zu erkunden, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage ist, die Installation zu betreten.
Die Ausstellung wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und dem Landschaftsverband Osnabrücker Land. In Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Osnabrück e.V. Die Kunsthalle Osnabrück ist Kooperationspartner der artCard.

Da die Installation nur von einer begrenzten Anzahl von Personen gleichzeitig betreten werden kann, bittet die Kunsthalle die Besucher, etwas mehr Zeit als gewöhnlich mitzubringen.

Noch bis zum 30. Oktober 2016

Kunsthalle Osnabrück
Hasemauer 1
49074 Osnabrück

 

Weitere Informationen zu den Künstlern:
www.davidrauer.de
www.joshuasassmannshausen.com

Ausführliche Informationen zum Vermittlungsprogramm:
www.kunsthalle.osnabrueck.de

 

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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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