Seit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes haben in Sachsen-Anhalt 976 Menschen ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. Laut Landesregierung wurde die neue Möglichkeit, den nach der Geburt eingetragenen Status „männlich“ oder „weiblich“ ohne aufwendige Begutachtung zu ändern, seit November 2024 fast ausschließlich von Erwachsenen genutzt. In wenigen Fällen kam es zu weiteren Wechseln des Eintrags, Hinweise auf systematischen Missbrauch liegen nach Angaben des Fachverbands der Standesbeamten bislang kaum vor.
976 Änderungen des Geschlechtseintrags seit November 2024
Nach einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“, die sich auf die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion beruft, haben seit dem Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes in Sachsen-Anhalt 976 Menschen ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. Die Möglichkeit, die nach der Geburt eingetragene Festlegung „männlich“ oder „weiblich“ ohne aufwendige Begutachtung ändern zu lassen, besteht demnach seit November 2024.
In sehr wenigen Fällen kam es nach einer ersten Änderung zu einem weiteren Wechsel des Eintrags. Laut Landesregierung gab es vier solcher Fälle. Ob die Betroffenen zum ursprünglichen Eintrag zurückgekehrt sind oder sich für die ebenfalls möglichen Varianten „divers“ oder „ohne Eintrag“ entschieden haben, wurde nicht erfasst. Rechtlich ist eine erneute Änderung nach einer Wartefrist von einem Jahr möglich.
Nutzung durch Minderjährige als Verschlusssache
Die neue Regelung wurde laut Landesregierung fast ausschließlich von Erwachsenen genutzt. Die konkrete Zahl der Minderjährigen stuft die Landesregierung als Verschlusssache ein, weil sie so niedrig sei, dass bei einer Aufschlüsselung nach Landkreisen Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich wären.
Dem AfD-Abgeordneten Gordon Köhler zufolge, der nach eigenen Angaben die nichtöffentlichen Zahlen eingesehen hat, sind von den 976 Personen mit Änderung des Eintrags rund 40 minderjährig. Bei ihnen gehe es überwiegend um einen Wechsel von weiblich zu männlich, so Köhler.
Fachverband sieht überwiegend positive Bilanz
Der Fachverband der Standesbeamten zieht nach eigenen Angaben eine überwiegend positive Bilanz der Reform. „Wir hätten nicht mit einer so großen Nachfrage gerechnet. Nach unserem Eindruck meinen es die Antragsteller ernst und sind sehr dankbar für die unbürokratische Lösung“, sagte Landesvorsitzende Sigrun Quente der „Mitteldeutschen Zeitung“. Ihren Angaben zufolge ist aktuell nur ein einziger Fall bekannt, der auf einen Missbrauch hindeutet.
Der Fachverband der Standesbeamten hält zugleich eine Ergänzung des Gesetzes für erwägenswert. „Man könnte sagen: Wer für eine Straftat verurteilt wird, während er als Mann registriert war, kann den Eintrag erst nach einer Wartezeit von fünf Jahren ändern“, schlug Quente vor.
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