# Experte: RKI unterschätzt Hitzetote deutlich Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-08-15T01:32:21+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-08-15T01:32:25+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/experte-rki-unterschaetzt-hitzetote-deutlich-743672/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Der Intensivmediziner Uwe Janssens hält die Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zu Hitzetoten in Deutschland für zu niedrig. Er geht von mehreren Tausend zusätzlichen Todesfällen aus und fordert politische Maßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen. ## Hitze führt zu unbemerkten Todesfällen "Alte Menschen haben kein richtiges Durstempfinden mehr. Sie merken nicht, dass sie Flüssigkeit verlieren und gegensteuern müssen", sagte Uwe Janssens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Durch den Flüssigkeitsmangel ändert sich die Konzentration der Körpersalze. „Die Menschen schlafen ein und werden einfach nicht mehr wach“, so der Mediziner, der auch Direktor der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler ist. Typischerweise versagt die Niere, weil Betroffene austrocknen. ### Statistiken erfassen Dramatik nicht vollständig Ein 85-Jähriger, der allein zu Hause lebt und unter Nieren- sowie Herzschwäche leidet, "stirbt dann einfach unbemerkt", erklärte Janssens. Auf dem Totenschein stehe dann Organversagen, doch die Hitze habe einen klaren Einfluss gehabt. Solche Todesfälle würden Statistiken nicht besonders gut erfassen. Er gehe daher davon aus, dass die RKI-Zahlen "nicht die gesamte Dramatik abbilden". Es seien sicherlich mehrere Tausend Todesfälle mehr. "Ich bin, auch als Bürger, extrem verstört über die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen", sagte er den Funke-Zeitungen. Notwendig sei ein verbindlicher nationaler Hitzeschutzplan, eine sinnvolle Zusammenarbeit von Bund und Ländern sowie finanzielle Mittel. Kaum eine Notaufnahme sei klimatisiert, die Kosten für die Ausstattung eines Zimmers lägen bei 15.000 bis 20.000 Euro. Bei einer Hochrechnung auf das ganze Gebäude könne das keine Klinik allein stemmen. Das sei wirklich eine Katastrophe. Neben einer besseren Ausstattung von Kliniken würden auch mehr Nachbarschaftshilfe, psychosoziale Unterstützung und Netzwerke helfen, um Menschen zu Hause frühzeitig zu schützen. Als Vorbild nennt Janssens Frankreich, wo Kommunen vulnerable Menschen in Hitzeperioden aktiv kontaktieren. "Bei uns", sagte er, "sterben Menschen nicht nur an der Hitze, sondern letztlich auch an gesellschaftlicher Vernachlässigung." --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück