# EU lockert Emissionshandel: Industrie darf deutlich mehr CO2 ausstoßen Datum: 17.07.2026 13:34 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/eu-lockert-emissionshandel-industrie-darf-deutlich-mehr-co2-ausstossen-733376/ --- Die EU-Kommission plant eine weitreichende Reform des Emissionshandels, durch die Industrie und Energiewirtschaft deutlich höhere Treibhausgasemissionen ausstoßen dürften als bisher vorgesehen. Bis 2040 könnten die Emissionen der betroffenen Sektoren rund 30 Prozent höher liegen als bei einer Fortführung des aktuellen CO2-Einsparpfads. Zugleich sollen CO2-Speicherung und eine stärkere Elektrifizierung den Umbau des Energiesystems vorantreiben. ## Verlangsamte Reduktion von Zertifikaten und längere Gratiszuteilung Im Europäischen Emissionshandelssystem für die Sektoren Industrie und Energie (ETS-1) müssen die betroffenen Unternehmen pro Tonne CO2-Äquivalente, die etwa beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas emittiert wird, Zertifikate kaufen. Die Menge an Zertifikaten sinkt jährlich, wodurch sich für die Industrie und die Energiewirtschaft insgesamt eine feste Obergrenze für CO2-Emissionen ergibt. Die Unternehmen müssen klimaneutral wirtschaften, sobald es keine Zertifikate mehr gibt. Senken die betroffenen Unternehmen ihre Emissionen und damit ihre Nachfrage langsamer, als das Angebot an Zertifikaten sinkt, steigt der Preis der Zertifikate. Auf diese Weise soll klimafreundliche Produktion nach und nach einen Preisvorteil gegenüber klimaschädlicher Produktion erhalten. Die EU-Kommission will nun die jährliche Zertifikatemenge deutlich langsamer absenken. Aktuell liegt die Reduktionsrate bei 4,3 Prozent, 2028 soll sie auf 4,4 Prozent steigen. Nach dem neuen Vorschlag soll sich die jährliche Reduktion 2031 auf 3,7 Prozent verlangsamen und 2036 auf 1,7 Prozent fallen. Damit dürfte der CO2-Ausstoß der Sektoren bis 2040 rund 30 Prozent höher ausfallen als es mit einer Fortführung des aktuellen CO2-Einsparpfades der Fall gewesen wäre. Weitere Spielräume für Unternehmen soll die Integration von CO2-Speicherung in den Emissionshandel schaffen. Bislang wurden Unternehmen kostenlos CO2-Zertifikate zugeteilt. Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“, mit dem die EU nach eigenen Angaben von einem Pfad von über vier Grad Erderhitzung auf einen Pfad umsteuerte, durch den der Klimawandel auf etwas über zwei Grad Celsius begrenzt werden könnte, wurde die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten teilweise abgeschafft. Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, wurde das CO2-Grenzausgleichssystem CBAM als eine Art Zoll auf CO2-intensive Importe beschlossen. Der neue Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, die kostenlose Zuteilung an Unternehmen über das Jahr 2030 hinaus fortzusetzen. Bedingung für die Zuteilung kostenloser Zertifikate ist, dass das Geld in Dekarbonisierung reinvestiert wird. ### Auswirkungen auf den Klima- und Transformationsfonds Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission, sagte laut EU-Kommission: „Die Emissionshandelssysteme sorgen dafür, dass Verschmutzung ihren Preis zahlt, während sie gleichzeitig die Einnahmen generieren, die wir für Investitionen in unsere Zukunft brauchen.“ Die Einnahmen aus der Versteigerung von Zertifikaten fließen in Deutschland in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) und werden dort für Förderprogramme für den Umstieg zu klimafreundlichen Technologien genutzt. Wenn ein größerer Teil der Zertifikate kostenlos vergeben wird, sinken die Einnahmen für den KTF. Künftig soll der Emissionshandel auf internationale Flüge innerhalb eines Radius von 5.000 Kilometern erweitert werden. Auch Privatjets sollen einbezogen werden. ### Elektrifizierung, Strompreise und Smart Meter Die Reform des Emissionshandels soll durch eine Reduktion fossiler Emissionen, einen Aktionsplan zur Elektrifizierung und ein Gesetz für „zukunftssichere Stromrechnungen“ ergänzt werden. „Wir müssen schwarze, teure und umweltschädliche Moleküle durch billige, saubere Elektronen ersetzen“, sagte dazu laut EU-Kommission EU-Energiekomissar Dan Jorgensen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040 vor, was einer Verdoppelung gegenüber dem bisherigen Niveau entsprechen würde. Dazu sollen die Steuern auf Strom künftig niedriger sein als die Steuern auf Gas. Netzentgelte sollen effizienter gestaltet werden, um das Energiesystem zu optimieren. Außerdem soll die Nutzung von intelligenten Stromzählern, sogenannten Smart Metern, deutlich erhöht werden. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück