# EU-Kommission zweifelt an Nutzen früher deutscher Klimaneutralität Datum: 02.05.2026 01:09 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/eu-kommission-zweifelt-an-nutzen-frueher-deutscher-klimaneutralitaet-708110/ --- Die EU-Kommission stellt die Wirksamkeit des deutschen Ziels der Klimaneutralität bis 2045 infrage. In einer Antwort auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz Körner betont die Brüsseler Behörde laut „Welt am Sonntag“, dass die direkten zusätzlichen Auswirkungen begrenzt seien, wenn ein europäischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere. Zugleich räumt die Kommission ein, dass Staaten, die sich besonders anstrengen, als globales Vorbild dienen könnten. ## Zweifel aus Brüssel am deutschen Klimaziel 2045 Die EU-Kommission verweist in ihrer Antwort auf eine Anfrage des FDP-Europaabgeordneten Moritz Körner darauf, dass die direkten zusätzlichen Effekte beschränkt blieben, wenn einzelne EU-Staaten beim Emissionsabbau vorangingen. Die „Welt am Sonntag“ berichtet, die Behörde habe erklärt, die direkten zusätzlichen Auswirkungen seien begrenzt, wenn ein europäischer Staat Emissionen schneller reduziere als andere. Staaten, die sich besonders anstrengen, könnten demnach als globales Vorbild dienen. Im Übereinkommen von Paris haben sich im Jahr 2015 Deutschland und 194 weitere Staaten dazu verpflichtet, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Klimaneutralität zu erreichen. Mit dem Europäischen Klimagesetz wurde dieses Ziel übernommen. Das Pariser Abkommen sieht zudem vor, dass der Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden soll und Anstrengungen unternommen werden sollen, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. ### Rechtsgrundlagen und deutscher CO2-Reduktionspfad Aus den Pariser Zielvorgaben leitete der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen in einem Gutachten ein Rest-Budget an Treibhausgasemissionen ab, das Deutschland bis zur Erreichung der Klimaneutralität und bei Einhaltung der Ziele verbleibt. Auf dieses Gutachten berief sich 2021 das Bundesverfassungsgericht, als es in seinem Klimabeschluss das damals noch auf Klimaneutralität bis 2050 ausgerichtete deutsche Klimaschutzgesetz kippte, weil damit ein Großteil des deutschen CO2-Budgets bereits bis 2030 verbraucht worden wäre. Die Bundesregierung reagierte mit einem angepassten linearen CO2-Reduktionspfad, der Klimaneutralität bereits 2045 vorsieht. Der FDP-Europaabgeordnete Moritz Körner steht dem vorgezogenen Ziel skeptisch gegenüber. „Die vorzeitige Klimaneutralität Deutschlands hilft anderen Staaten, langsamer klimaneutral zu werden“, sagte Körner laut „Welt am Sonntag“. Dem Klima hingegen nütze das seiner Ansicht nach nicht. ### Kritik von Ökonomen und Kurskorrektur in Bayern Auch Joachim Weimann, Professor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sieht den deutschen Plan kritisch. „Das Vorziehen des Ziels um fünf Jahre ist vollkommen wirkungslos“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Es bedrohe Deutschlands Wohlstand, helfe dem Klima aber nicht weiter. Nach dieser Argumentation könnte das von Deutschland eingesparte Kohlendioxid andernorts ausgestoßen werden. Der europäische Emissionshandel, der den Kauf und Verkauf von Rechten zur Verschmutzung vorsieht, biete dazu theoretisch die Möglichkeit. Allerdings würden die aktuellen Reduktionsraten in den beiden Emissionshandelssystemen ohnehin dazu führen, dass bereits Ende der 2030er-Jahre keine neuen Zertifikate mehr für den Ausstoß von CO2 mehr ausgegeben werden. Bayern hatte sich zwischenzeitlich ein eigenes, ambitionierteres Ziel gesetzt und wollte bereits bis 2040 klimaneutral werden, rückte davon aber vor wenigen Tagen ab. „Klimaschutz ist wichtig und Klimaneutralität unser erklärtes Ziel“, sagte CSU-Generalsekretär Martin Huber der „Welt am Sonntag“. Klimaschutz funktioniere aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes gewährleistet sei und er von den Menschen akzeptiert werde. Der Freistaat strebt nun wie der Rest des Landes 2045 an. Auch die Wirtschaft orientiert sich an der bundesweiten Zielmarke. Viele Unternehmen hätten ein Klimaziel bis 2045 und verknüpften damit geschäftliche Chancen für ihre Produkte und Dienstleistungen, sagte Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), der „Welt am Sonntag“. „Klimaschutz gelingt nicht durch Zielmarken allein.“ ✨ mit KI bearbeitet --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück