Auf dem Osnabrücker Nikolaiort soll in diesem Sommer eine „Klimaoase“ Abkühlung und Belehrung über den „Klimawandel“ bieten – steuerfinanziert. Nur wie so oft im Sommer: Das Wetter spielt nicht mit und will auch nicht alarmistischen Prognosen folgen. Ausgerechnet der „Hitzeaktionstag“ wird kalt und regnerisch.
Mit etwa 80.000 Euro, das waren die Zahlen einer Ausschusssitzung im Februar, soll die nur 6×6 Meter große Aktionsfläche die klamme Stadtkasse weiter trockenlegen.
Wie sorgfältig die Stadtverwaltung mit diesen Steuergeldern umgeht, versteckt sich aktuell noch hinter Bauzäunen und Planen auf dem Nikolaiort. Doch am „Hitzeaktionstag“ soll die Verhüllung fallen.
Eine Glosse von Heiko Pohlmann
Nach Angaben einer begleitend zu dem „Stadtmöbel“ veröffentlichten Webseite soll die Fläche, die einem etwas größeren Balkon entspricht, „von einer harmonischen Verbindung aus einheimischen Hölzern, klimaresilienten Pflanzen, die an lange Trockenperioden angepasst sind“ geprägt sein. Und Nebeldüsen sollen an heißen Sommertagen für wohltuende Abkühlung sorgen.
Der einzelne Baum am Rande der „Klimaoase“, der das Stadtklima vermutlich nachhaltiger verbessert als die gesamte Installation, gehört übrigens nicht zur Investitionssumme – der stand dort schon vorher.
Städtische Mitarbeiter machen Infostände und tingeln über Wochenmärkte
Die Webseite der Stadt kündigt dazu noch an: „Mitarbeitende aus den Fachbereichen ‚Soziales‘, ‚Nachhaltige Stadtentwicklung‘ [sowas gibt es wirklich] und ‚Klima, Natur und Umwelt‘ [auch dafür wird Steuergeld in einer extra Abteilung ausgegeben] mit einem Infostand vor Ort vertreten sein, um über das Thema gesundheitliche Hitzevorsorge zu informieren und Fragen zu beantworten. In der nächsten Zeit wird die Stadt außerdem auf den Wochenmärkten präsent sein, um die Bürgerinnen und Bürger über Hitzevorsorge aufzuklären.“
Mitarbeiter gleich aus mehreren Abteilungen der Stadtverwaltung werden also ihre Arbeitszeit dafür verwenden ungefragt und ohne Not über „Hitzevorsorge“ zu schulmeistern, statt dafür zu sorgen, dass die Wartezeiten im Bürgeramt abgebaut oder allerlei Anträge schneller bearbeitet werden. Es ist ja nicht so, dass es im Stadthaus nicht genügend Arbeit gibt, die auf Erledigung wartet.
Abkühlung gefällig? Wegen Hitze oder Steuergeldverschwendung?
Vielleicht kann sich dann der eine oder andere Bürger und Steuerzahler an der Nebeldüse auf dem Nikolaiort abkühlen, denn die 80.000 Euro, die im Raum stehen (eine Anfrage an das Presseamt der Stadt, ob es bei der Summe geblieben ist, ist bei Veröffentlichung dieses Artikels noch unbeantwortet), könnten auch zur „Erhitzung“ führen – des Gemütszustands.
Am „Hitzeaktionstag“ wird es in Osnabrück kühl und regnerisch
Vorgestellt werden soll die von einem Landschaftsarchitekten mitverantwortete Komposition aus ein paar Bänken, ein paar Holzplanken und Kübelpflanzen am Donnerstag, dem 11. Juni, der von klimabewegten Menschen zum „Hitzeaktionstag“ erklärt wurde.
Noch verhüllt: die „Klimaoase“ auf dem Nikolaiort / Foto: Pohlmann
Nun ja, nur mit der Hitze (allgemeinhin auch als „schönes Sommerwetter“ bekannt) wird das wohl nichts. Aktuelle Wetterprognosen lassen einen bedeckten Himmel, Temperaturen deutlich unter 20 Grad und eine gewisse Regenwahrscheinlichkeit erwarten.
Droht wieder ein aktionistischer Flop, so wie beim „Hitzetelefon“?
Also das gleiche miese Wetter wie im vergangenen Jahr nahezu den ganzen Sommer über, auch am diesjährigen „Hitzeaktionstag“. Im vergangenen Sommer hatte man sich in Stadt und Landkreis ein aktionistisches Hitzetelefon einfallen lassen, um die Bevölkerung vor dem angeblich drohenden Hitzetod zu retten. Es wurde – das ergaben Recherchen unserer Redaktion – im Landkreis nicht ein einziges Mal angerufen, in der Stadt Osnabrück genau drei Mal.
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