# Ein Rucksack voller Uhren landet in Osnabrück in der Hase – drei Jahre später klicken die Handschellen Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-16T16:14:53+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-16T16:14:53+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/ein-rucksack-voller-uhren-landet-in-osnabrueck-in-der-hase-drei-jahre-spaeter-klicken-die-handschellen-756468/ Kategorie: Aktuell --- Ein Ladendiebstahl mit ungewöhnlicher Wendung beschäftigt die Osnabrücker Ermittler seit 2023. Ein 40-Jähriger soll eine Jacke für fast 900 Euro und 28 Uhren gestohlen haben. Nach seiner Flucht ins Ausland wurde er nun in Spanien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. ## Der Fall beginnt im Oktober 2023 Am 23. Oktober 2023 soll der heute 40 Jahre alte, gebürtige Spanier in einem Osnabrücker Kaufhaus eine hochwertige Jacke im Wert von knapp 900 Euro gestohlen haben. Wenige Wochen später geriet er erneut ins Visier der Polizei. Am 28. November 2023 soll der Mann aus einer Verkaufsvitrine eines Geschäfts an der Straße Öwer de Hase insgesamt 28 Uhren gestohlen haben. Wert der Beute: rund 1.900 Euro. Eine Passantin beobachtete die Tat und verständigte die Polizei. ### Rucksack mit Beute landet in der Hase Als Polizeibeamte den Tatverdächtigen wenig später kontrollieren wollten, warf er seinen Rucksack samt mutmaßlicher Beute in die Hase und versuchte offenbar, die Gegenstände auf diese Weise verschwinden zu lassen. Doch damit war die Sache für die Polizei nicht erledigt. Um den Rucksack und die darin befindlichen Gegenstände zu sichern, kamen unter anderem Taucher zum Einsatz. Die ungewöhnliche Bergungsaktion sorgte damals für großes Medieninteresse. ### Flucht nach Spanien Der Fall sollte die Ermittler allerdings noch Jahre beschäftigen. Nachdem sich der Beschuldigte ins Ausland begeben hatte, beantragte die Staatsanwaltschaft Osnabrück einen Europäischen Haftbefehl. Es wurde international nach dem Mann gefahndet. Mit Erfolg: Ende Juli 2026 nahmen spanische Polizeikräfte den inzwischen 40-Jährigen in seinem Heimatland fest. Rund sechs Wochen saß er dort in Auslieferungshaft. Nachdem ein spanisches Gericht die Auslieferung bewilligt hatte, wurde der Beschuldigte am 15. September nach Deutschland überstellt. Am Folgetag wurde er einem Haftrichter vorgeführt. Der 40-Jährige befindet sich zunächst in Untersuchungshaft. ### Bis zu zehn Jahre Haft möglich Der Fall soll nach Angaben von Staatsanwaltschaft, Polizei und Handelsverband zugleich zeigen, dass Ladendiebstahl keineswegs ein Kavaliersdelikt ist. Ein einfacher Ladendiebstahl kann grundsätzlich mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Handelt es sich beispielsweise um einen besonders schweren Fall, etwa bei gewerbsmäßigem Vorgehen, kann eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren drohen. Bei der konkreten Strafe spielen unter anderem die Höhe des Schadens und mögliche Vorstrafen eine Rolle. Auch eine Flucht ins Ausland beendet ein Strafverfahren nicht. Besteht bei einem Beschuldigten Fluchtgefahr, kann die Staatsanwaltschaft beim Gericht einen Haftbefehl beantragen. Hält sich der Gesuchte im Ausland auf, kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Europäischer Haftbefehl erlassen und international nach ihm gefahndet werden. ### Handel spricht von Milliarden-Schäden Auch für die Geschäfte sind Ladendiebstähle längst mehr als ein Ärgernis. Nach Angaben des Handels- und Dienstleistungsverbandes Osnabrück-Emsland (HDV) liegen die wirtschaftlichen Schäden im deutschen Handel inzwischen bei mehr als drei Milliarden Euro. Gleichzeitig investieren Händler zunehmend in Bewachung, Warensicherung und andere Präventionsmaßnahmen. „Der aktuelle Fall zeigt eindrucksvoll, dass wir Straftaten konsequent verfolgen und unsere Ermittlungen nicht an Landesgrenzen enden“, sagt Oliver Voges, Leiter der Polizeiinspektion Osnabrück. Dass der Beschuldigte fast drei Jahre später in Spanien festgenommen und nach Deutschland überstellt werden konnte, sei auch Ergebnis konsequenter Ermittlungsarbeit und internationaler Zusammenarbeit. Katja Calic, Geschäftsleiterin des HDV, verweist zudem auf die zunehmende Professionalität organisierter Tätergruppen. Diese handelten häufig über Ländergrenzen hinweg. Gemeinsam mit der Polizei arbeite der Verband derzeit an einem Maßnahmenpaket für Händler, um die Strafverfolgung effektiver zu machen und das Dunkelfeld bei Ladendiebstählen aufzuhellen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück